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Analyse des Bennu-Asteroiden: Warum Bausteine des Lebens weiter verbreitet sein könnten

Die Gesteinsproben-Analyse des Bennu- Asteroiden zeigt, dass jene Moleküle, aus denen alle irdischen Lebensformen entstanden sind, auch in eisiger Kälte entstehen.
/ Patrick Klapetz
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Illustration der Raumsonde Osiris-Rex, kurz vor der Probeentnahme am Asteroiden Bennu. (Bild: NASA/Goddard/University of Arizona)
Illustration der Raumsonde Osiris-Rex, kurz vor der Probeentnahme am Asteroiden Bennu. Bild: NASA/Goddard/University of Arizona
Inhalt
  1. Analyse des Bennu-Asteroiden: Warum Bausteine des Lebens weiter verbreitet sein könnten
  2. Weitere Überraschung bei den Proben

Wissenschaftler gehen davon aus(öffnet im neuen Fenster) , dass die Ursprünge der Bausteine des Lebens weitaus verbreiteter sind, als bisher angenommen wird. Das zeigt die Analyse der Gesteinsproben des Asteroiden Bennu , die von der Osiris-Rex-Raumsonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa eingesammelt und im September 2023 zur Erde gebracht wurden.

In den Proben wurden verschiedene Aminosäuren entdeckt - jene essenziellen Substanzen, aus denen auf der Erde Proteine und damit die Grundlage für irdisches Leben entstanden. Bennu enthält 14 der 20 dieser essenziellen Aminosäuren. Zudem fanden sich 19 weitere Typen, die biologisch auf der Erde nicht genutzt werden.

Aminosäuren auf Asteroiden

Die Fachwelt ging bislang davon aus, dass sich Aminosäuren vor 4,5 Milliarden Jahren unter warmen, wässrigen Bedingungen in der Nähe der jungen Sonne bildeten. Eine neue Kohlenstoff- und Stickstoff-Isotopenanalyse deutet auf einen kälteren Ursprung der Verbindungen hin.

Unter der Leitung der Pennsylvania State University konzentrierte sich das Forschungsteam bei der Analyse auf Glycin, die einfachste Aminosäure in der Probe. Auf der Erde entsteht Glycin, wenn Wasserstoffcyanid, Ammoniak und organische Verbindungen namens Aldehyde in warmem Wasser miteinander reagieren.

Als Referenz verwendete das Team den Murchison-Meteoriten, der 1969 auf Australien fiel. Die darin gefundenen Aminosäuren haben eine isotopische Zusammensetzung, die genau auf diese Entstehung hindeutet.

Jenseits der Schneegrenze: Entstanden die Bausteine des Lebens in der Kälte?

Anders sieht es beim Glycin der Bennu-Proben aus. Es soll sich weit entfernt von der jungen Sonne in einer chemisch unterschiedlichen und gefrorenen Umgebung gebildet haben - und damit in Anwesenheit von Eis.

Zur Zeit der Planetenentstehung war das frühe Sonnensystem durch eine sogenannte Schneegrenze geteilt. Jenseits der Schneelinie war Wasser gefroren, während es innerhalb der Schneelinie als Flüssigkeit oder Dampf existierte.

Deswegen verliefen chemische Reaktionen in beiden Regionen unterschiedlich. Dennoch konnten die ultravioletten Sonnenstrahlen diese Umgebung durchdringen und damit die Reaktion zur Bildung der Aminosäuren auslösen.

Unklar ist, ob sich die Aminosäuren jenseits der Schneelinie auf eisigen Staubkörnern bildeten und später auf die andere Seite gelangten, wo sie von Bennus Mutterkörper eingesammelt wurden, oder ob der Mutterkörper selbst auf der kalten Seite der Schneegrenze entstand.

Die Indizien deuten auf Letzteres hin. Nach einer späteren Kollision des Mutterkörpers entwickelte sich schließlich der heutige Bennu-Asteroid.


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