Analogcomputer: Programmieren mit Reglern, Röhren und Steckern

Keine Tastatur und ein Oszilloskop als Monitor: Wir haben einen Sammler von Analogcomputern besucht.

Artikel von Martin Wolf veröffentlicht am
Die Eingaben eines Analogcomputers erfolgen per Steckfeld, der Monitor ist ein Oszilloskop.
Die Eingaben eines Analogcomputers erfolgen per Steckfeld, der Monitor ist ein Oszilloskop. (Bild: Martin Wolf / Golem.de)

Computer sind programmierbare Maschinen, die auf Nullen und Einsen basieren? Spätestens mit der Idee des Quantenrechners dürfte diese Verallgemeinerung als überholt gelten. Aber es gibt auch noch andere Geräte, die sich dem digitalen Raum entziehen: Analogcomputer.

Inhalt:
  1. Analogcomputer: Programmieren mit Reglern, Röhren und Steckern
  2. Ein wunderschönes Spielzeug für Mathematiker
  3. Keine Baugenehmigung für Bunker

Bernd Ulmann hat eine beachtliche Sammlung davon – große Metallkästen mit vielen Knöpfen und Röhren sind darunter, aber auch hybride Rechner aus den 1960er Jahren und ein klitzekleines, ganz modernes Steckbrettchen. Der Mathematiker wohnt in der Nähe von Frankfurt am Main und unterrichtet hauptberuflich an der Hochschule für Ökonomie und Management Informatik. Er hat also häufig junge Menschen vor sich, die sich kaum vorstellen können, dass es eine komplett andere Herangehensweise als die algorithmische gibt.

Dabei ist Ulmann fest davon überzeugt, dass analoges Rechnen eigentlich oft intuitiver vonstattengeht. Als Beispiel nennt er das Berechnen von Minimalflächen: "Warum soll ich da komplexe partielle Differentialgleichungen numerisch lösen, wenn ich auch einfach einen Eimer mit ein bisschen Seifenlösung und einen Drahtbügel nehmen kann?"

Probleme analog zu lösen, heißt für ihn vor allem, sich von geltenden Denkmustern zu entfernen und Mathematik in der realen Welt zu verankern. So funktioniert ein Analogrechner fundamental anders als jeder übliche Computer.

Als Beispiel führt Ulmann eine Berechnung auf einem kleinen Steckbrett mit Drehreglern und einer LCD-Anzeige durch. Die Aufschrift The Analog Thing verrät es: Dies ist ein moderner Experimentiercomputer für analoges Rechnen.

Das Hello-World-Programm des Analog Thing ist die Berechnung einer Schwingungsdämpfung. Dazu muss man zunächst das zu simulierende System mit Differentialgleichungen beschreiben, daraus eine Computerschaltung ableiten und anschließend den Computerschaltkreis am Analogcomputer verdrahten. Das Ergebnis wird in Echtzeit auf einem Oszilloskop angezeigt.

Am nur notizblockgroßen Analog Thing hat Ulmann selbst mitgearbeitet, das Projekt soll Analogrechnen für Neulinge vereinfachen. Aber Ulmanns Lieblingsrechner sind um ein Tausendfaches größer.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Ein wunderschönes Spielzeug für Mathematiker 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4.  


muhzilla 03. Dez 2023 / Themenstart

Auf die Idee, dass seine Frau das vielleicht auch ganz cool findet, kommst du natürlich...

Superschlenz 01. Dez 2023 / Themenstart

Und damit Reproduzierbarkeit. Wenn das Programm auf Analogrechner A läuft, muss es...

rsaddey 30. Nov 2023 / Themenstart

Meine völlig laienhafte Vermutung, dass Quantencomputer eher analog, als digital...

JouMxyzptlk 30. Nov 2023 / Themenstart

Aber nur mit solchen Werteüberschreitungen und Überschwingungen bekommst du die coolen...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Augen
Besser sehen bei der Bildschirmarbeit

Arbeitsplatzbrille, Blaulichtfilter, Glaukom: Was ist bei langen Arbeitszeiten am Monitor zu beachten? Eine Augenärztin gibt Tipps.
Von Peter Steinlechner

Augen: Besser sehen bei der Bildschirmarbeit
Artikel
  1. Elektroauto: Tesla will den Cybertruck schwimmfähig machen
    Elektroauto
    Tesla will den Cybertruck schwimmfähig machen

    Teslas elektrischer Pick-up soll laut Elon Musk mindestens 100 Meter weit durchs Wasser schwimmen.

  2. Do Kwon: Terra-Luna-Gründer wird vorerst nicht ausgeliefert
    Do Kwon
    Terra-Luna-Gründer wird vorerst nicht ausgeliefert

    Eigentlich sollte Do Kwon wegen des Zusammenbruchs der Kryptowährung Terra aus Montenegro abgeschoben werden - das Berufungsgericht wies die Entscheidung zurück.

  3. Frigate: Intelligente Videoüberwachung ohne Cloudzwang
    Frigate
    Intelligente Videoüberwachung ohne Cloudzwang

    Mit der Open-Source-Software Frigate lässt sich eine moderne Videoüberwachung realisieren - ohne Hersteller-Cloud und unabhängig von der Hardware.
    Von Dominik Haas

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • MSI XMAS-Sale • Switch-Spiele -80% • Crucial P5 Plus SSD 500GB 39,99€ • Nur noch kurz: 3 für 2 Games-Aktion (PS5, PS4, Xbox, PC) • Apple Week • AVM Fritz Box 7510 74,99€ • Avatar, AC: Mirage & The Crew Motorfest bis -50% • Xbox Series X 399€ [Werbung]
    •  /