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AMDs Embedded-Pläne: Ein bisschen Wunschdenken, ein bisschen Wirklichkeit

Mit der Vorstellung neuer Embedded-Prozessoren hat AMD nun auch die Zen -Architektur für NAS-Systeme im Angebot. Im Gespräch mit AMDs Scott Aylor, der über das Embedded -Geschäft wacht, haben wir ein paar Details erfahren.
/ Andreas Sebayang
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Vor allem für den Ryzen waren schon zahlreiche Embedded-Designs zu sehen. (Bild: Andreas Sebayang/Golem.de)
Vor allem für den Ryzen waren schon zahlreiche Embedded-Designs zu sehen. Bild: Andreas Sebayang/Golem.de

Wer sich das neue Embedded-Angebot von AMD anschaut , wundert sich vielleicht über die ein oder andere Produktvorstellung. Zum einen werden Produktreihen ergänzt, das klassische Embedded-Geschäft also sogar ausgeweitet, zum anderen gibt es zahlreiche Überlappungen mit bestehenden Geschäftsfeldern. Im Gespräch mit Scott Aylor, der die Embedded-Produkte verantwortet und auch in London vorgestellte, haben wir versucht, ein paar Details zu erfahren, um diese Überlappungen besser einordnen zu können.

Interessant an der Vorstellung der V-Serie auf Ryzen/Raven-Ridge-Basis ist etwa, dass AMD sowohl die G- als auch die R-Serie als Embedded-Prozessoren im Angebot behalten wird. Für die G-Serie ist die Entscheidung klar nachvollziehbar. TDP-Werte bis hinab zu 6 Watt sind mit Raven Ridge und der Zen-Architektur bis jetzt nicht möglich. Das wird sich wohl erst mit der Embedded-APU Banded Kestrel ändern, wozu Aylor auf Nachfrage allerdings nichts sagen wollte. Nur so viel: Irgendwann ist wohl mit einem G-Serie-Nachfolger auf Zen-Basis zu rechnen. Älteren Informationen zufolge sollte das Die aufgrund weniger Kerne (2 plus 3 CU) kleiner werden. Der Umstand, dass die R-Serie bestehen bleibt, ist allerdings ein Hinweis darauf, dass die G-Serie weiter Bestand haben wird - und zwar wegen Microsoft.

V-Serie mit höheren Lizenzkosten

Die R-Serie weiterzuführen, ist hingegen oberflächlich betrachtet kaum noch zu rechtfertigen. Natürlich muss ein Embedded-Produkt über Jahre bis Jahrzehnte im Angebot bleiben, sprich alte Designs müssen weiter verfügbar bleiben und mit neuen alten R-CPUs bestückt werden können. Dementsprechend bleibt die Nachfrage vorhanden und mit dem Wort Embedded garantiert AMD seinen Kunden: Diese CPU wird noch lange im Angebot bleiben. Für ein neues Design ist die R-Serie aber eigentlich zu schwach und wird trotzdem auch dafür noch angeboten.

Die TDP-Werte liegen etwa im Bereich der neuen V-Serie, so dass Hardwareentwickler wohl eher zur erheblich leistungsfähigeren V-Serie greifen würden. Trotzdem hat die R-Serie eine wichtige Berechtigung, wie uns Embedded-Chef Scott Aylor sagte: günstige Angebote. Und das liegt nicht an dem Prozessor, sondern an Microsoft. Windows-Lizenzen für die R-Serie bleiben günstig. Für die V-Serie hingegen sind diese nicht gültig. Die Serie ist so leistungsfähig, dass Microsoft sie höher einstuft. Das ist vergleichbar mit den Windows-SKUs für Endkundengeräte, deren Preise ebenfalls von der Leistungsfähigkeit des Systems abhängig sind . Für AMD ist Microsofts Einstufung, zu der es keine Details gibt, Grund genug, um die R-Serie bis auf weiteres als Angebot auch für Neuentwicklungen beizubehalten. Wer ein günstiges Produkt mit Windows entwickeln will, muss auf die R-Serie zugreifen.

Dank diverser weiterer Betriebssysteme hat die V-Serie allerdings keine Probleme damit. Bei der gezeigten Hardware in London zeigte sich dann auch, dass AMD schon zahlreiche Hersteller überzeugen konnte. Vom Spielautomaten bis zu Medizingeräten war einiges der Embedded-Zielgruppe zu sehen und es war klar, dass einige Hersteller von der G- oder R-Serie wechseln oder ihre Produkte um V-basierte Systeme ergänzen. Ein Erfolg der V-Serie ist wohl zu erwarten und das durchaus auch bei Endkundengeräten. NAS-Hersteller Qnap verwendet beispielsweise schon länger diverse AMD-Produkte. Auf Nachfrage, ob die V-Serie in dessen NAS-Systeme dort eingesetzt werden, gab es zwar keine positive Antwort, aber ein vielsagendes Grinsen. Zumal Qnap schon NAS-Systeme mit gesockeltem Ryzen anbietet. Die BGA-Variante drängt sich regelrecht auf, da das Design vereinfacht wird und es thermische Vorteile gibt.

Mit Epyc wird es wohl schwerer

Bei den Epyc-Embedded-CPUs sind wir skeptischer. AMD konnte nur einen Hersteller mit entsprechender Hardware aus dem Digital-Signage-Bereich zeigen. Sicher, für Embedded-SKUs spricht der Verzicht auf einen Sockel. BGA verspricht auch beim Epyc 3000 bessere thermische Eigenschaften und kompaktere Geräte. Viel Platz wird zudem auf dem Mainboard gespart. Die gigantischen Epyc-7000-Module brauchen nun einmal rund doppelt bis viermal so viel Platz, aufgrund der vier Dies und der damit verbundenen vielen DDR4-Kanäle.

AMD zeigt Roadmap für Ryzen, Zen Plus und Vega
AMD zeigt Roadmap für Ryzen, Zen Plus und Vega (02:09)

Auf der anderen Seite sind die preislichen Vorteile aber kaum gegeben. Da bietet sich durchaus der Einsatz eines Epyc 7000 an und der Zugriff auf die bestehenden sockelbasierten Infrastrukturen, zumal hier nicht unbedingt Masse produziert wird. Und der Kühlbedarf der Embedded-Epycs ist auch nicht gering, sprich Platz ist selten das Problem. Dazu kommt, dass der Epyc 3000 nicht wie der Ryzen V1000 eine Ergänzung nach oben ist. Wer vorher die R-Serie nutzte, der braucht selten den extremen Sprung auf die sehr leistungsfähige Epyc-3000-Serie.

Ähnliche Designs mit Epyc 3000 und 7000

Es bleibt also abzuwarten, ob AMD zum Embedded-Epyc noch Designgewinne vorweisen kann oder die Hersteller nicht einfach die 7000er-Serie einsetzen werden. Selbst Aylor gab im Gespräch zu, dass sich die beiden Serien bei den Lösungen überlappen. Laut AMD sollen vor allem Firmen mit "Appliance-Design-Denken" auf den Epyc 3000 setzen, während die Unternehmen, die alles virtualisieren, eher den 7000er verwenden. Das wären damit sehr ähnliche Produkte und nur der Denkansatz entscheidet, ob nun ein 3000er oder ein 7000er zum Einsatz kommt.

Beide Angebote sollen AMD in jedem Fall allein durch die Ausweitung zu Wachstum verhelfen. Es geht also durchaus darum, neue Kunden zu gewinnen und nicht nur bestehende zu überzeugen. In London war das vor allem bei den Ryzen-Produkten zu beobachten. Für die Embedded-Epycs braucht es offenbar noch etwas mehr Zeit.

Offenlegung: Golem.de hat auf Einladung von AMD an dem Embedded-Pre-Briefing in London teilgenommen. Die Reisekosten wurden von AMD übernommen. Unsere Berichterstattung ist davon nicht beeinflusst und bleibt gewohnt neutral und kritisch. Der Artikel ist, wie alle anderen auf unserem Portal, unabhängig verfasst und unterliegt keinerlei Vorgaben Dritter; diese Offenlegung dient der Transparenz.


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