AMD Radeon RX 9060 XT im Test: Ein neuer Herausforderer für Mittelklasse-GPUs

AMD hat heute die Tests zur Radeon RX 9060 XT freigegeben. Auch wir konnten ein Exemplar vorab testen und sind von der Leistung der kleinen Grafikkarte durchaus angetan. Wer eine Mini-GPU erwartet, die lediglich für Full-HD uneingeschränkt geeignet ist, wird positiv überrascht. Zudem eignet sich die Grafikkarte gut als Upgrade für ältere PCs.
Die Navi-44-GPU der Radeon RX 9060 XT hat 32 CUs (Compute Unit) und 2.048 Shader-Einheiten und basiert auf AMDs aktueller RDNA-4-Architektur. Eine Besonderheit ist die Anbindung an den restlichen PC mit 16 PCI-Express-Lanes. Üblich wären hier 8 Lanes, was aber zu Einschränkungen in älteren PCs mit PCI-Express 3.0 führen kann. Dieses Problem hat die Radeon RX 9060 XT nicht.
Beim Speicher hat AMD bei der Konkurrenz abgeguckt. Wahlweise sind 8 oder 16 GByte GDDR6-Speicher an einem 128-Bit-Interface verbaut, die Durchsatzrate beträgt 322,6 GByte pro Sekunde. Eine höhere effektive Bandbreite erzielt AMD erneut durch die Nutzung des Infinity-Cache, einem zusätzlichen Pufferspeicher auf der GPU.
Sparsam, auch bei den Anschlüssen
Die von uns getestete Asrock RX 9060 XT Challenger hat eine maximale Leistungsaufnahme von 160 Watt, entsprechend ist nur ein einziger 8-Pin-Stromanschluss vorhanden. Darüber dürfen offiziell 150 Watt bezogen werden, den Rest muss die Grafikkarte dem PCI-Express-Slot entnehmen.
Wenige Stecker gibt es auch auf der Rückseite, denn wir vermissen den üblichen vierten Anschluss für Bildschirme. Sowohl unsere Asrock-Karte als auch alle von uns auf der Computex 2025 gesichteten Exemplare haben nur drei Display-Ausgänge. Der Grund dafür ist, dass die Navi-44-GPU nur drei Monitore gleichzeitig ansteuern kann.
Mit HDMI 2.1b sowie Displayport 2.1a sind die jeweiligen Anschlüsse immerhin modern. Wer daran einen aktuellen 4K-Monitor anschließt, darf in dieser Leistungsklasse zwar keine Wunder erwarten, je nach Spiel kann diese Kombination aber durchaus gut funktionieren.
Gerät Nvidia unter Zugzwang? – Die RX 9060 XT in Benchmarks
Wir testen die AMD Radeon RX 9060 XT sowie alle anderen Grafikkarten auf einem Testsystem mit einem AMD Ryzen 9 9950X3D, 32 GByte DDR5-6000-CL28-Speicher und einem Gigabyte X870E Aorus Master. Als Betriebssystem kommt Windows 11 24H2 zum Einsatz.
Für den Vergleich haben wir uns auf aktuelle Alternativen zur Radeon RX 9060 XT konzentriert, ein ausführlicher Vergleichstest mit älteren Grafikkartenserien folgt in Kürze auf diesen Artikel. Insbesondere hat uns interessiert, wie der Abstand zur Intel Arc B580 ausfällt.
Einen größeren Vergleich mit 8-GByte-Grafikkarten sparen wir uns vorerst, zumal die Hersteller selbst offenbar der Meinung sind, dass diese Modelle nicht relevant sind. AMD gibt zwar an, dass Tests mit allen Karten erlaubt sind, ein Testmuster wollten aber weder AMD noch einer der Boardpartner liefern.
Viel Leistung bei unter 200 Watt
Als ersten Funktionstest haben wir synthetische Tests im 3D-Mark von UL durchgeführt, in denen sich die Radeon RX 9060 XT in einem Test sogar über die Nvidia Geforce RTX 5060 Ti setzen kann, gerade bei synthetischem Raytracing aber verliert.








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In Spielen liefert sich die Radeon RX 9060 XT ein knappes Rennen mit der Geforce RTX 5060 Ti, während die Intel Arc B580 meistens abgehängt wird. Dafür ist die Intel-Grafikkarte aber auch deutlich günstiger, immerhin 70 Euro liegen zwischen den beiden Grafikkarten.
AMD ist mit der RX 9060 XT ein deutlicher Leistungssprung gelungen, auch beim Raytracing ist die Karte stark, wenn auch nicht auf Nvidia-Niveau. Angesichts der Bildraten empfehlen wir, Raytracing in dieser Leistungsklasse zu deaktivieren. Dann sind fast immer dreistellige Bildraten möglich.
AMD Radeon RX 9060 XT – Verfügbarkeit, Preis und Fazit
Die AMD Radeon RX 9060 XT kommt am 5. Juni 2025 in den Handel und soll in der 8-GByte-Version ab 315 Euro kosten, mit 16 GByte Speicher geht es ab 370 Euro los. Damit bleibt die Frage bestehen, ob man überhaupt noch vom Einstiegs- oder Budget-Segment sprechen kann.
Die Preise beziehen sich auf die Referenz-Designs von AMD, zu denen die Boardpartner zweifelsfrei ihre eigenen höherwertigen Modelle mit werksseitiger Übertaktung und größeren Kühlern und Platinen ergänzen werden. Hier erwarten wir Preise ab 400 Euro und ausschließlich 16 GByte Speicher.
Fazit
Wir blicken mit gemischten Gefühlen auf die Radeon RX 9060 XT. Einerseits ist die Grafikkarte schnell genug, um in aktuell üblichen Bildschirmauflösungen von 1.920 x 1.080 Pixeln sowie 2.560 x 1.440 Pixeln wenig Wünsche offenzulassen. Es gibt derzeit praktisch keinen Titel, der auf der RX 9060 XT nicht gut spielbar ist, sofern man nicht auf maximale Grafikeinstellungen besteht.
Preis und Positionierung am Markt gestalten sich aber schwierig. Für 370 Euro dürfte AMD sicher einige Käufer finden. Die meisten Karten werden allerdings eher im Bereich von 400 Euro und darüber liegen. Für rund 450 Euro gibt es bereits die Nvidia Geforce RTX 5060 Ti. Mit Multi-Frame-Generation, besserer DLSS-Qualität im Vergleich zu AMDs FSR und größerer Bekanntheit, da laut Hardwareumfragen die meisten Spieler eine Nvidia-Geforce-Grafikkarte nutzen.
Für mehr als 400 Euro ist die Radeon RX 9060 XT nicht die Budget-Grafikkarte, die sie sein könnte, sondern erfüllt lediglich die Erwartungen in diesem Preisbereich. Im Netz hat sich der Ausdruck "Nvidia -50" in den letzten Monaten und Jahren als Anspielung auf AMDs bisher erfolglose Strategie etabliert, Nvidia mit nur wenig günstigeren Grafikkarten Marktanteile abzunehmen. Gleiche Leistung bei 50 US-Dollar weniger.
Wir vermuten, dass AMD erneut in diese Falle läuft. Wenn die Differenz zur Geforce RTX 5060 Ti 16 GB bei unter 50 Euro liegt, dürfte allein die Aversion der Nutzer zum Eingewöhnen in neue Treiber-Menüs und Softwarefunktionen häufig einen Umsteig von Nvidia zu AMD verhindern. Dafür muss die Preisdifferenz größer ausfallen.



