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AMD, ARM, Open Source: Was wir uns in Zukunft vom Framework Laptop wünschen

Neue Modelle, AMD -Prozessoren und eine freie Firmware: Golem.de überlegt, in welche Richtung sich der Framework Laptop entwickeln könnte.
/ Oliver Nickel , Moritz Tremmel
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Der Framework Laptop könnte in Zukunft um viele Dinge erweitert werden. (Bild: Martin Wolf/Golem.de/Montage: Golem.de)
Der Framework Laptop könnte in Zukunft um viele Dinge erweitert werden. Bild: Martin Wolf/Golem.de/Montage: Golem.de

Das Jahr 2022 hat bereits zu Beginn eine schöne Überraschung für Tech-Enthusiasten parat: Der Framework Laptop(öffnet im neuen Fenster) ist ein echter Traum für Menschen, die ein modulares und reparierbares Notebook haben wollen. Auch Golem.de ist davon begeistert und freut sich darüber, wie durchdacht das Konzept des DIY-Laptops ist.

Während des Tests sind uns einige Ideen gekommen, wie Framework das Gerät in Zukunft noch besser aufstellen könnte. Auch gibt es einige wenige Dinge, bei denen das Unternehmen sicher noch nachbessern kann und wird. Wer weiß, vielleicht wird manches ja bald umgesetzt. Das Geld dafür hat Framework jedenfalls, nachdem es von dem Investmentunternehmen Spark Capital 18 Millionen US-Dollar erhalten hat.

Punkt 1: Das Display

Der Framework Laptop hat ein für die meisten Umstände zufriedenstellendes Display. Es leuchtet mit knapp 350 cd/m² hell genug und kann durch das 3:2-Format auch den Trend zu mehr vertikaler Bildschirmfläche mitnehmen. In der Golem.de-Community und in der Redaktion gibt es allerdings vielfach den Wunsch nach einem entspiegelten Panel. Das bisher verbaute Glare-Display kann gerade in hellen Umgebungen und im Freien für störende Reflexionen sorgen.

Da sich der Bildschirm - wie alle anderen Komponenten - leicht ausbauen und wechseln lässt, könnten wir uns ein erweitertes Angebot an alternativen Displays im Framework Marketplace vorstellen. Darunter könnte ein mattes Panel oder alternativ ein 4K-OLED-Display sein. Selbst ein Bildschirm mit Touchscreen wäre theoretisch möglich, obwohl dazu noch passende Treiber entwickelt werden müssten.

Modularer Framework Laptop - Test
Modularer Framework Laptop - Test (02:29)

Punkt 2: Modulares USB-C

Bei allen reparierbaren und leicht abnehmbaren Komponenten ist es vor allem das Mainboard, das uns an einer Stelle etwas zu integriert ist. Die USB-C-Ports sind fest auf dem Board verlötet. Dabei sind gerade sie verschleißanfällig, vor allem wenn wir daran angesteckte Anschlussmodule oft wechseln.

Ausgerechnet Apple, ein Unternehmen, das nicht unbedingt für modulare Hardware bekannt ist, zeigt eine Lösung für dieses Problem. Der Konzern lagert die anfälligen USB-C-Buchsen des Macbook Pro auf kleine Controller-Platinen aus und verschraubt diese am Mainboard. Sie lassen sich so bei Bedarf leicht wechseln, was den Tausch eines ansonsten voll funktionsfähigen Mainboards überflüssig macht. Sicher kann Framework ein ähnliches System implementieren.

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Punkt 3: Mehr Akkulaufzeit

Als Notebook mit 13,5-Zoll-Display hat der Framework Laptop genug Platz für die meisten Komponenten, ohne dass sie sich gegenseitig überlappen und dadurch schwierig erreichbar sind. Der Vorteil ist, dass er einfach repariert werden kann, der Nachteil, dass der Akku vergleichsweise klein ausfällt. Das Golem.de-Testmuster kommt mit einem 55-Wattstunden-Akku und erreicht so eine Laufzeit von etwas weniger als 6 Stunden im PCMark10-Dauerlauf. Das sind bei weitem keine Bestleistungen.

Gerade auf Reisen ist der Framework Laptop daher nicht immer die beste Wahl. Allerdings zeigt ein Blick in das Gehäuse eben, dass nicht viel Platz für einen größeren Akku ist. Mehr Laufzeit müsste also durch ein Redesign des Hardware-Layouts oder durch energieeffizientere Komponenten erreicht werden. Möglicherweise schafft Framework das in einer zukünftigen Variante des Framework Laptops - oder wenn das Unternehmen neue Mainboards mit bisher noch nicht veröffentlichten SoCs verkauft.

Eine Lösung für das Akku-Problem wäre, weitere Anschlussmodule zu verkaufen, etwa eine Mini-Powerbank.

Punkt 4: Mehr Anschlussmodule für den Framework Laptop

Ein wichtiger Pluspunkt des Framework Laptops ist die freie Anschlusswahl. Sie wird durch USB-Module realisiert, die unterschiedliche Ports unterstützen. So können wir uns aussuchen, ob wir USB-A, Displayport, HDMI, einen Micro-SD-Kartenleser oder einen anderen Anschluss haben wollen. Die Idee finden wir genial. Das Konzept bietet zudem Potenzial für weitere Module.

Eine kreative Idee hat Framework bereits selbst implementiert. Statt eines Anschlusses wird eine Flash-Speicher-Erweiterung angeboten, die das Notebook um weiteren Massenspeicher ergänzt. Wir könnten uns aber weitere Anschlusstypen vorstellen: Wie wäre es etwa mit einem RJ-45-Port, speziellen Anschlüssen wie RS-232 oder VGA, einem Mobilfunkmodem mit SIM-Karten-Slot oder zwei USB-C-Ports in einem Modul? Die Möglichkeiten sind groß, weshalb wir hier auf besonders interessante Module hoffen.

Punkt 5: Mehr Platz für Ports und Hardware

Der Framework Laptop hat bereits vier Slots für weitere Anschlüsse. Wir würden uns aber definitiv über ein, zwei mehr Ports freuen, vor allem, wenn wir das Notebook stationär an einem Arbeitsplatz nutzen. Schließlich sind dann bereits drei von vier Ports belegt - für Netzteil und zwei Bildschirme oder Peripheriegeräte.

Toll fänden wir auch einen weiteren M.2-Slot, der auf dem Mainboard nutzbar ist. Sekundäre SSDs können etwa ein zweites Betriebssystem separat vom Primär-OS speichern. Oder wir speichern unsere Daten gespiegelt in einem RAID 1 auf zwei SSDs. Was auch immer wir vorhaben: Zwei Laufwerk-Slots sind ein Vorteil für Bastler und Enthusiasten - und die sind hier definitiv eine primäre Zielgruppe.

Punkt 6: Anpassbarkeit

Das eigene Notebook ist für viele Menschen auch eine Art Ausdrucksform, wie Kleidung oder andere Accessoires. Die Modularität des Framework Laptops bietet viele Möglichkeiten, es anzupassen. Teilweise macht das der Hersteller bereits: Zur Zeit können sich Kunden etwa zwischen einem schwarzen oder einem exzentrischeren orangen Displayrahmen entscheiden.

Wir gehen davon aus, dass Framework künftig weitere solche Teile anbieten wird. So lässt sich etwa das Tastaturcover mit wenig Aufwand austauschen und durch ein - momentan noch fiktives - Pendant mit Carbonfasertextur oder ein anders eingefärbtes Bauteil ersetzen. Der Kreativität sind hier wenig Grenzen gesetzt.

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Punkt 7: Alternative Framework-Geräte

Der Framework Laptop ist ein solides Notebook. Der Startpreis von 900 Euro für die DIY-Version passt aber eventuell nicht in jedes Budget für ein Neugerät. Schon während des Tests hat Golem.de sich gedacht, wie interessant es wäre, wenn Framework daher weitere Modelle des gleichen Konzepts anbieten würde. Eine Budget-Edition für 500 Euro könnte etwa als Schul- oder Uni-Laptop herhalten, während eine Premium-Variante mit besonderen Materialien ausgestattet werden könnte.

Ein paar Pläne in dieser Hinsicht hat Framework bereits bei der Investment-Bekanntgabe geäußert. Ein Teil des Geldes soll in neue Geräte gesteckt werden. Was das genau für Geräte sind, bleibt allerdings zunächst offen.

Wenn das Team schon dabei ist: Alternative Prozessoren und eine freie Firmware wären ebenfalls auf unserem Wunschzettel.

Punkt 8: AMD- und ARM-Prozessoren

Der Framework Laptop wird mit einer Auswahl an Intel-Tiger-Lake-SoCs ausgeliefert. Diese CPUs sind für die meisten Arbeitsaufgaben auch komplett ausreichend. Allerdings hätten Enthusiasten gern Alternativen, darunter Teile der Golem.de-Community, die sich vor allem eine AMD-Variante des Framework Laptops wünschen.

Möglich wäre das: AMDs Mobilplattform Cezanne ist in einigen Punkten sogar performanter als Intels Tiger Lake. Gleiches gilt für die kommende Generation Ryzen 6000 alias Rembrandt . Die kann aber etwa noch nicht mit PCIe 4.0 punkten. Das ist für das Konzept des modularen Laptops sinnvoll.

Generell könnten wir uns alternativ eine Platine mit ARM-64-Chip vorstellen, die speziell Entwicklerteams für ARM-Software interessieren könnte. Microsoft wird künftig mit Windows 11 und Windows-on-ARM weiter vorstoßen und die Kompatibilität für ARM-Chips verbessern. Bis sie auf dem Niveau des Apple M1 ankommen - ebenfalls ein ARM-SoC - wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

Es würde in Frameworks Konzept der freien Wahl passen, wenn künftig alternative SoCs neben Intel-Chips angeboten werden. Eventuell sehen wir das in den kommenden Monaten und Jahren.

Punkt 9: Freie Firmware für freie Laptops

Zu einem modularen Laptop mit offener Hardware gehört auch eine freie Firmware beziehungsweise ein freies Bios. Tatsächlich hat das Framework-Team erst kürzlich die Open-Source-Firmware für den Embedded Controller (EC) des Framework Laptops veröffentlicht.

Ziel sei es, zukünftig auch andere proprietäre Firmware zu ersetzen, an der jedoch derzeit noch festgehalten werde, heißt es in einem Blogeintrag(öffnet im neuen Fenster) . Wir würden uns für die Zukunft eine komplett freie Firmware auf Coreboot-Basis  wünschen, damit der Rechner wirklich ohne proprietäre Software gestartet werden kann.

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Punkt 10: Eine Extraportion Sicherheit

Wir würden unseren Framework Laptop gerne mit einem abgesicherten und authentifizierten Boot-Prozess in eine Festung verwandeln. Die dazu benötigten Komponenten  wie die freie Firmware Coreboot, der Payload Heads und der Sicherheitsschlüssel Nitrokey sind allesamt Open Source und entsprechend frei verfügbar. Ein ebenfalls benötigter TPM-Chip ist bereits im Framework Laptop enthalten.

Würde die entsprechende Funktion implementiert, könnten wir mit einem zuvor initialisierten Nitrokey den Rechner beim Starten auf Veränderungen überprüfen. Blinkt der Sicherheitsschlüssel grün, ist alles in Ordnung. Blinkt er hingegen rot, wurde die Firmware oder die unverschlüsselte Bootpartition des Linux-Systems in unserer Abwesenheit verändert, beispielsweise wenn der Rechner unbeaufsichtigt im Hotelzimmer lag (Evil-Maid-Angriff).

Mit Purism bietet ein Linux-Geräte-Hersteller die Funktion bereits eingeschränkt für seinen Desktop-PC  und in vollem Umfang für seine neuen Librem Laptops  an. Diesen fehlen jedoch neben einem deutschen Tastaturlayout auch die modularen Funktionen des Framework Laptops und damit auch die extrem gute Reparierbarkeit.

Ansonsten gibt es die Funktion nur für ältere Rechner wie das Thinkpad T430 von Lenovo, auf das man sich die Software selbst flashen  kann. Alternativ bietet Nitrokey unter dem Namen Nitropad  bereits geflashte Gebrauchtgeräte an.

Weiter so, Framework!

Grundsätzlich sind wir zuversichtlich, dass der Framework Laptop und sein allgemeines Konzept noch einige Jahre lang bestehen bleiben. Mit zusätzlichem Investment-Kapital kann sich das Team auch neue Ideen einfallen lassen.

Wer weiß: Eventuell werden einige unserer Wünsche noch erfüllt. Bis dahin sind wir mit dem Standard-Modell des Framework Laptops weiterhin sehr zufrieden. Weiter so, Framework!

IMHO ist der Kommentar von Golem.de [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]


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