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Amazons Fire TV: Chaos durch Netflix-Einbindung und fehlende Prime-Banderolen

Amazon hat eine weitere Änderung an der Bedienung der Fire-TV -Geräte vorgenommen: In Amazons Fire-TV-Oberfläche sind Netflix -Inhalte enthalten, auch in der Watchlist. Das sorgt im Zusammenspiel mit dem Wegfall der Prime-Markierung an vielen Stellen für chaotische Zustände.
/ Ingo Pakalski
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Netflix-Inhalte sind in der Fire-TV-Oberfläche enthalten. (Bild: Screenshot Golem.de)
Netflix-Inhalte sind in der Fire-TV-Oberfläche enthalten. Bild: Screenshot Golem.de

Auf den Fire-TV-Geräten werden neuerdings Netflix-Inhalte tief in die Fire-TV-Oberfläche integriert. Vorausgesetzt, es ist eine Netflix-App mit aktivem Abo installiert. Die Netflix-Inhalte erscheinen nicht nur in einer eigenen Rubrik und in der Sprachsuche , sondern auch in der Watchlist sowie allen übrigen Rubriken der Fire-TV-Oberfläche. Das hört sich zunächst nach einem Vorteil an, weil Kunden damit etwa eine zentrale Watchlist für beide Dienste erhalten. In der Praxis erhöht das allerdings vor allem bei umfangreichen Watchlists das Chaos, denn die Übersichtlichkeit geht verloren. Der Wegfall der Prime-Markierungen verschlimmert es weiter.

Die Netflix-Inhalte innerhalb der Fire-TV-Oberfläche sind nicht auf den ersten Blick zu erkennen, es gibt keine spezielle Markierung innerhalb der Cover. Hier wäre eine Netflix-Banderole in Form der vorherigen Prime-Markierung eine große Hilfe. Dann könnten Anwender beim Durchblättern sofort erkennen, welche Inhalte auf Netflix zur Verfügung stehen.

Keine Netflix-Markierung in der Übersicht

Erst wenn etwa ein Film ausgewählt ist, informiert der Knopf "Jetzt anschauen mit Netflix", dass der Inhalt über diesen Dienst angeschaut werden kann – sofern er nicht auch in Prime enthalten ist. Gibt es den Film bei Netflix und Prime, sieht es hingegen anders aus. Dann gibt es bei der Selektion des Films entweder den Button "Jetzt anschauen Optionen anzeigen" oder die Netflix-Verfügbarkeit wird in weiteren Optionen versteckt.

Bei einem anderen Film muss der Kunde erst in die Details gehen und dann auf den Button "weitere Video-Möglichkeiten" klicken, um überhaupt von der Netflix-Verfügbarkeit zu erfahren. Ein klares System ist hier nicht zu erkennen. In letzterem Fall ist es für den Kunden nur durch Zufall möglich, zu erfahren, dass der betreffende Film sowohl bei Prime als auch bei Netflix verfügbar ist. Die uneinheitliche Integration der Netflix-Inhalte sorgt hier für viel Verwirrung. Amazon selbst hat die Neuerung nicht angekündigt und somit die Arbeitsweise der neuen Möglichkeiten auch nicht dokumentiert.

Wir stießen beim Ausprobieren aber auch auf Filme, die nicht in Prime, aber in Netflix enthalten waren. Obwohl sich der Film sogar in beiden Watchlists befunden hat, wurde die Netflix-Wiedergabe nicht in der Fire-TV-Oberfläche angezeigt. Der Anwender kann sich also nicht darauf verlassen, dass alle Netflix-Inhalte in der kombinierten Watchlist oder in der Fire-TV-Oberfläche erreichbar sind.

Wer sowohl bei Amazon als auch bei Netflix eine umfangreiche Watchlist führt, erhält zwar eine kombinierte Liste, die wird aber so unübersichtlich, dass es keine Verbesserung darstellt. Hier ist eine Filtermöglichkeit dringend erforderlich, damit die Neuerung für den Kunden eine Verbesserung bei der Bedienung bringt. Wenn in der Watchlist nur Prime- oder Netflix-Inhalte angezeigt werden könnten, würde sich die Übersichtlichkeit erhöhen. Während sich die Amazon-Watchlist auf vielen anderen Geräten auf die Prime-Inhalte beschränken lässt, hat eine solche Funktion auf Fire-TV-Geräten von Anfang an gefehlt. Es gibt keine Optionen oder Einstellungen, um die Netflix-Integration abzuschalten oder zu konfiguriren.

Das Ratespiel beginnt

Seit Anfang des Monats zeigen Fire-TV-Geräte keine Prime-Banderolen mehr an. Amazon hatte Golem.de auf Nachfrage zunächst wiederholt versichert, dass es sich dabei um einen Fehler handeln würde . Dann hat das Unternehmen eingeräumt, dass es eine bewusste Änderung gewesen ist und die Prime-Banderolen nicht mehr wiederkommen werden. Viele Besitzer von Fire-TV-Geräten zeigten sich darüber verärgert, weil dadurch das Zurechtfinden im Sortiment von Amazons Videodienst erheblich erschwert wird.

Golem.de hatte in seinen Tests zum Fire TV immer wieder die gut strukturierte Oberfläche gelobt, die dabei half, den Überblick über das Sortiment zu behalten. Mit dafür verantwortlich war die Markierung aller Filme und Serien, die Bestandteil des Prime-Abos sind. Dadurch waren diese Inhalte schnell mit einem Blick erkennbar. Durch den Wegfall der Prime-Banderole ist dieser Vorzug verloren gegangen, es ist deutlich schwerer geworden, sich noch im Sortiment zu orientieren.

Prime-Markierungen werden vermisst

Es gibt auf der Fire-TV-Oberfläche spezielle Rubriken, in denen nur Prime-Inhalte gelistet sind, aber abseits davon ist der Aufwand erheblich gestiegen, Prime-Inhalte überhaupt zu erkennen. Vor allem im Aktuell-Bereich und in der Watchlist fehlen die Prime-Markierungen deutlich.

Aber auch bei den Verweisen auf ähnliche Inhalte in den Filmdetails fehlen die Prime-Markierungen sehr. Mit einem Blick konnte der Kunde die Prime-Inhalte erkennen, jetzt muss erst jeder Eintrag einzeln geöffnet werden, um zu erfahren, welche Inhalte zu Prime gehören.

Sobald ein Prime-Inhalt selektiert ist und bisher noch nicht abgespielt wurde, erscheint ein Button mit dem Aufruck "Jetzt anschauen mit Amazon Prime". Wurde ein Film oder eine Serie bereits einmal abgespielt, fehlt diese Angabe. An der gleichen Stelle gibt es dann nur den Knopf "Fortsetzen". Ob das Fortsetzen des Streifens mit Kosten verbunden ist, erfährt der Anwender nicht. Er muss erst mit einem Klick die Details aufrufen, um dann zu erkennen, ob der Inhalt im Prime-Abo enthalten ist.

Amazon gibt sich viel Mühe dabei, zu verschleiern, wenn ein Film kostenpflichtig ist. Ist ein solcher selektiert, gibt es keinen Hinweis darauf und es gibt auch keine Preisangabe. Erst wenn mit einem Klick die Details des Films oder der Serie aufgerufen werden, erscheint der Preis und der Kunde erfährt, dass das Ansehen des Inhalts Geld kostet.

In der Übersicht gibt es nur einen Knopf mit der vielsagenden Bezeichnung "Zur Watchlist hinzufügen" und möglicherweise noch einen Trailer-Knopf. Es fehlt aber jeder Hinweis darauf, dass für den Inhalt bezahlt werden muss. Befindet sich ein Film in der Watchlist, der nicht in Prime enthalten ist, steht in der Übersicht nur der Befehl "Von Watchlist entfernen" zur Verfügung – auch hier kein Hinweis darauf, dass der Inhalt kostenpflichtig ist.

Immer wieder fehlerhafte Angaben

Fire-TV-Nutzern wird also einiges an Kombinationsvermögen abverlangt, um zu erkennen, wenn ein Film oder eine Serie kostenpflichtig ist. Immer wenn der Button "In Prime enthalten" fehlt, muss sich der Kunde darauf einstellen, dass der Inhalt Geld kostet. Eine intuitive Unterscheidung zwischen kostenpflichtigen Inhalten und Filmen und Serien, die Bestandteil des Prime-Abos, ist damit nicht mehr möglich.

Aber das muss nicht immer stimmen. Beim Ausprobieren sind wir auf Filme in der Watchlist gestoßen, die sowohl in Prime als auch in Netflix enthalten sind. In der Watchlist gab es aber nur den Button "Von Watchlist entfernen", der Film hätte also eigentlich kostenpflichtig sein müssen. Will der Nutzer eines Fire-TV-Geräts sichergehen, dass ein Film kostenlos ist, sollte er immer erst die Details aufrufen.

Amazon hatte in den vergangenen Wochen viele Neuerungen auf dem Fire TV vorgenommen, ohne Kunden darüber zu informieren. Alle diese Veränderungen waren nicht die Folge einer neuen Firmware. So gab es eine Einbindung von Netflix-Inhalten in die Sprachsuche und eine neue Netflix-Rubrik , die mittlerweile auch auf die Startseiten-Rubrik der Fire-TV-Oberfläche gewandert ist, während sie zunächst nur in der Rubrik "Meine Videos" zu finden war. Im Zuge dessen hat Amazon das Changelog zu den Fire-TV-Firmwares(öffnet im neuen Fenster) überarbeitet, ohne dies zu dokumentieren. Das Changelog weist aber nur auf die neue Netflix-Rubrik hin, die übrige Netflix-Integration ist nicht aufgeführt. Auch den Wegfall der Prime-Markierungen hatte Amazon stillschweigend vorgenommen und es zunächst wiederholt als Darstellungsfehler bezeichnet .


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