Amazon: Verbraucherschutzministerin fordert Abhörstopp durch Alexa

Das Abhören von Alexa-Eingaben durch Amazon-Mitarbeiter stößt weiter auf scharfe Kritik. Das Bundesinnenministerium schiebt die Verantwortung jedoch den Nutzern zu und fordert einen Ausschaltknopf.

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Alexa-Lautsprecher
Alexa-Lautsprecher (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Die Vorsitzende der Verbraucherschutzministerkonferenz, Anne Spiegel, hat den US-Konzern Amazon aufgefordert, das Abhören von Bürgern über den Sprachassistenten Alexa sofort zu stoppen. Zudem müssten die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz die Nutzungsbedingungen von Amazon dringend überprüfen, forderte die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin und Grünen-Politikerin am Freitag in Mainz. "Das Abhören persönlicher Gespräche in der eigenen Wohnung ist ein extremer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte." Die Nutzer könnten der Funktion in den Einstellungen jedoch widersprechen.

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"Die Betroffenen müssen unverzüglich informiert werden", verlangte Spiegel. Aus Amazons Nutzungsbedingungen gehe nicht eindeutig hervor, dass die Kommunikation mit dem Sprachassistenten nachträglich von Mitarbeitern angehört und schriftlich festgehalten werden könne.

Auswertung lässt sich deaktivieren

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass Amazon Mitarbeiter aufgezeichnete Befehle von Nutzern an seine Assistenzsoftware Alexa anhören und abtippen lässt, um die Spracherkennung zu verbessern. Der Konzern hatte die Vorgehensweise bestätigt und erklärt: "Wir versehen nur eine extrem geringe Anzahl von Interaktionen einer zufälligen Gruppe von Kunden mit Anmerkungen, um die Nutzererfahrung zu verbessern."

Wenn Verbraucher nicht wollten, dass Amazon-Mitarbeiter möglicherweise ihre Fragen an den Sprachassistenten hören, sollten sie so vorgehen: "In den zugehörigen Apps der Sprachassistenten für iOS und Android kann man links oben auf das Menü-Symbol klicken, meistens als drei kleine Streifen zu erkennen. Unter Einstellungen/Alexa-Konto/Alexa Datenschutz findet man ganz unten die Option 'Legen Sie fest, wie Ihre Daten Alexa verbessern sollen'." Die beiden angebotenen Optionen sollten dann deaktiviert werden.

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Zudem haben alle smarten Lautsprecher einen Schalter, um die eingebauten Mikrofone auszuschalten. Außerdem haben sie eine Taste oder einen Touchbefehl, um den betreffenden digitalen Assistenten mit der Hand zu aktivieren. Das gilt für Geräte mit Alexa ebenso wie für solche mit Google Assistant und Apples Homepod, der mit Siri läuft. Der Komfort eines smarten Lautsprechers sinkt damit allerdings erheblich, weil der Nutzer dann immer erst zum Gerät gehen muss. Bundesregierung verweist auf Einwilligung

Weniger Probleme mit dem Vorgehen Amazons hat das Bundesinnenministerium. "Aus Sicht der Bundesregierung stellt der mögliche Missbrauch der genannten digitalen Sprachassistenten keine rechtlich anders zu bewertende Bedrohungssituation im Vergleich zu Mikrofonen und Kameras in technischen Geräten wie Laptop, PC und Smartphone dar", antwortete Innenstaatssekretär Günter Krings (CDU) auf eine schriftliche Anfrage des Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz.

Inwiefern die tatsächliche Datenverarbeitung konform zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) beziehungsweise der Datenschutzerklärung sei, lasse sich durch den Nutzer bei einer Cloud-basierten Verarbeitung technisch nicht kontrollieren, hieß es weiter (PDF). "Die Bereitschaft zur Nutzung Cloud-basierter digitaler Sprachassistenten ist in Privathaushalten somit das Ergebnis einer individuellen Risikoabschätzung des Nutzers", schrieb Krings. Dem Innenministerium zufolge ist eine Einwilligung des Nutzers in die Datenverarbeitung erforderlich. "Diese dürfte im Falle einer ordnungsgemäßen Aufklärung über Art, Inhalt und Umfang der Datenverarbeitung und, jedenfalls soweit es den Eigentümer beziehungsweise Besitzer des Sprachassistenten betrifft, in der Regel im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Sprachassistenten abgegeben werden", hieß es weiter.

Eigener Ausschaltknopf für Alexa?

Die Regierung verweist zudem darauf, dass das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) "eine unbeabsichtigte Datenübertragung durch eine dem Aktivierungswort ähnliche Formulierung" nachgewiesen habe. Krings' Vorschlag: "Eine Aktivierung des Sprachassistenten durch explizites Einschalten beispielsweise mittels Tastendruck würde den Vorteil bieten, dass nicht jede in der Nähe des Geräts erfolgte Kommunikation durch die Software hinsichtlich des Aktivierungswortes ausgewertet wird." Dies könne zu einem besseren Schutz der Privatsphäre des Nutzers vor unbeabsichtigter Datenübertragung beitragen.

Der Grünen-Fraktionsvize Notz kritisierte die Aussagen des Ministeriums scharf. "Wenn die Bundesregierung in ihrer Antwort lapidar auf eine 'individuelle Risikoabschätzung der Nutzer' verweist, heißt das nichts anderes, als dass diejenigen, die sich ein Gerät wie Alexa in die Wohnung stellen, selbst schuld seien, wenn es zu derart gravierenden Verstößen kommt", sagte Notz dem Handelsblatt. "Eine solche Aussage kommt einem echten Offenbarungseid gleich." Nachtrag vom 15. April 2019, 9:32 Uhr

Wir haben den Hinweis zu den Schaltern im fünften Absatz ergänzt.

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DerCaveman 16. Apr 2019

Ja. Wo steht das? Szenario: - Der Kunde nimmt am Programm zur Verbesserung des Dienstes...

FreiGeistler 15. Apr 2019

Och nee, jetzt impliziert der nebenbei, dass Amazon Echo ja Fortschritt sein muss. Es...

FreiGeistler 15. Apr 2019

Wie soll man denn das verstehen? Der Zweck heiligt die Mittel oder wie?

DarkWriter 15. Apr 2019

Ohne Sinn und Verstand werden Forderungen gestellt - die Forderungen der Grünen...

NettER MG 15. Apr 2019

Zitat: "ich würde mich das nicht bei einem komplexem gerät zu sagen trauen, würd sagen...



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