Amazon Ring: US-Polizeistationen nutzen private Überwachungskameras

Einige US-Polizeidienststellen errichten derzeit ein Netz privater Überwachungskameras. Die dafür nötigen Ring-Kameras werden teilweise verschenkt, die örtliche Polizei bittet im Gegenzug um Zugriff auf das Videomaterial, das damit aufgenommen wird.

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Wenn die Kamera in der Haustürklingel die Umgebung überwacht ...
Wenn die Kamera in der Haustürklingel die Umgebung überwacht ... (Bild: Ring)

Eine möglichst flächendeckende Überwachung mit Kameras - dieses Ziel hat die Polizei in einigen US-Gemeinden, wie ein Bericht von Cnet offenlegt. In einer Gemeinde soll dieses Ziel bereits erreicht worden sein. In einigen Städten und Gemeinden verteilt die Polizei Ring-Klingelkameras teilweise sogar kostenlos. Diese Klingelkameras sind eigentlich dafür gedacht, zu sehen, wer vor der Tür steht, ohne diese öffnen zu müssen. Die betreffenden Kameras können aber selbsttätig Videoaufnahmen machen, wenn Bewegungen vor der Haustür bemerkt werden, und damit den öffentlichen Raum überwachen.

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Genau diese Funktion wollen sich US-Polizeistationen zunutze machen. Nach dem Bericht verteilen über 50 Polizeireviere in den USA Ring-Hardware entweder vergünstigt oder komplett kostenlos. Vielfach werden diese Kosten aus Steuern finanziert, ohne dass es eine politische Entscheidung gegeben hätte, eine ganze Gemeinde mit Kameras zu versehen.

"Unsere Gemeinde ist jetzt vollständig von Kameras überwacht", sagte Captain Vincent Kerney, Polizist des Detektivbüros von Bloomfields Polizeirevier. "In jedem Bereich der Stadt gibt es einige Ring-Kameras." Die Gemeinde in New Jersey habe von Ring keine kostenlosen Kameras erhalten, aber die Einwohner hätten sich diese selbst besorgt. Auch Vergünstigungen soll es nicht gegeben haben. So sei ein Netzwerk privater Überwachungskameras entstanden. Die Teilnehmer sollen freiwillig zugestimmt haben, die Videoaufnahmen der Polizei bei Bedarf zur Verfügung zu stellen.

Ring will keine Tauschgeschäfte

Die Polizei soll bislang immer nur nachträglich auf Videoaufnahmen zugegriffen haben, einen Zugriff auf das Live-Kamerabild der smarten Türklingel soll die Polizei nicht erhalten haben. Wer dem freiwilligen Zugriff auf die Videoaufnahmen nicht zustimmt, habe nichts zu befürchten. In dem Fall müsse sich die Polizei an Ring als Hersteller wenden, um aus Gründen der Strafverfolgung auf die Daten zugreifen zu können.

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Es soll aber auch Fälle in anderen Gemeinden geben, in denen die Polizei solche Ring-Kameras vergünstigt abgibt und im Gegenzug erwartet, auf die Videodateien auf Anfrage zugreifen zu dürfen. Der Hersteller sieht solche Vereinbarungen nach eigenen Angaben nicht gerne. "Ring unterstützt keine Programme, die von den Empfängern verlangen, ein Abo für Videoaufnahmen abzuschließen oder das Material von Ring-Geräten weiterzugeben."

"Ringkunden haben die Kontrolle über ihre Videos und können entscheiden, ob sie diese teilen oder ein Abo abschließen möchten oder nicht. Ring hat Strafverfolgungspartnern Geräte zur Verfügung gestellt, um sie Mitgliedern ihrer Gemeinden zur Verfügung stellen zu können", heißt es weiter in der Stellungnahme von Ring.

Damit die Ring-Kamera Aufnahmen speichert, muss der Kunde ein Abo abschließen. Im Rahmen des Abos werden Videodateien auf Ring-Servern gespeichert. Wer kein Abo abschließt, kann immer nur das Livebild der Kamera ansehen. Wer also den Strafverfolgungsbehörden seine Videoaufnahmen zur Verfügung stellen muss, muss nicht nur die Kamera anschaffen, sondern auch ein entsprechendes Abo abschließen, das mindestens 3 US-Dollar pro Monat kostet.

Datenschützer sehen den Vorfall kritisch

Ring wurde vor einiger Zeit von Amazon übernommen. Auch wenn der Hersteller kostenlos solche Kameras abgibt, könnte das entsprechende Geld schon bald wieder eingespielt werden, wenn entsprechend viele Abos zum Speichern der Videoaufnahmen abgeschlossen werden.

Datenschützer sehen dieses Vorgehen kritisch. "Was wir hier haben, ist eine perfekte Ehe zwischen den Strafverfolgungsbehörden und einem der größten Unternehmen der Welt, die Bedingungen für eine Gesellschaft schafft, in der nur wenige Menschen ein Teil sein möchten", sagte Mohammad Tajsar, ein Anwalt der US-amerikanischen Bürgerrechtsvereinigung ACLU.

"Wenn die Polizei erst einen Plan erstellen müsste, wo sie überall Kameras in der Nachbarschaft platzieren würde, wie viel es kosten würde, und ihn beim Stadtrat beantragen müsste, gäbe es vielleicht eine Debatte", sagte Dave Maass, ein wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Electronic Frontier Foundation (EFF). "Es gibt einen Grund, warum wir auf Verordnungen drängen, die eine Genehmigung der Stadtverwaltung erfordern, bevor sie Überwachungstechnik erwerben."

Im Februar wurde eine Sicherheitslücke in der Ring-App bekannt. Durch diese konnten die übertragenen Videos der smarten Türklingeln abgefangen und ausgetauscht werden. Kurz zuvor wurde Ring vorgeworfen, der Geschäftsführung sowie Entwicklern Zugriff auf die Livestreams der Videoüberwachungskameras und smarten Türklingeln ihrer Kunden zu ermöglichen. Nur eine E-Mail-Adresse eines Kunden sei hierzu nötig gewesen. Ring widersprach den Vorwürfen: Man habe Mitarbeitern keinen Zugriff auf die Livestreams gegeben.

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