Amazon Rekognition: US-Polizei darf Gesichtserkennung ein Jahr nicht verwenden

Amazon wird die eigene Gesichtserkennungssoftware Rekognition für ein Jahr lang nicht mehr an Polizeibehörden verkaufen. Das gibt das Unternehmen in einem Blogpost an(öffnet im neuen Fenster) . "Wir haben vorgeschlagen, dass Regierungen stärkere Regulierungen für den ethischen Nutzen von Gesichtserkennungstechnik umsetzen sollten" , ergänzt Amazon in der Stellungnahme.
Von der einjährigen Blockade seien Organisationen, welche die Technik für andere Zwecke einsetzen wollen, ausgeschlossen. Rekognition soll etwa weiter dabei helfen, vermisste Kinder und Opfer von Menschenhandel zu finden.
Eine einjährige Sperre ist deshalb aus Amazons Sicht sinnvoll, da der US-Kongress wohl angesichts der aktuellen Proteste im Land und international bereit sei, entsprechende Maßnahmen zum Schutz der Bürgerrechte umzusetzen. Diese drehen sich um den Hashtag #blacklivesmatter, den Tod des Afroamerikaners George Floyd in Polizeihaft und die Gleichberechtigung aller Menschen. Dabei sei Amazon gewillt, Hilfe bei der Formulierung solcher Regeln zu geben, ohne im Detail darauf einzugehen, wie diese aussehen soll.
Amazon gehört zu den Unternehmen, die ihre Gesichtserkennungssoftware Rekognition produktiv für Kunden einsetzen. Wie viele andere Programme dieser Art ist dieses bereits durch Ungenauigkeit aufgefallen – bei Frauen und Menschen mit dunkler Hautfarbe . Das hat zumindest eine Studie im Jahr 2019 ergeben. Die New Yorker Polizei hat auch bereits die Gesichter von Minderjährigen mit der Software analysiert.
Der Autor meint dazu
Im Gegensatz zu IBM, das auch selbst eine Verantwortung eingesteht und deshalb das Entwickeln von Gesichtserkennung eingestellt hat, legt Amazon die Verantwortung in die Hände der Regierung. Dieser Ansatz ist allerdings naiv: In einem Pausenjahr ist nicht nur teilweise noch der konservative Republikaner Donald Trump US-Präsident, es finden zudem auch Wahlen und möglicherweise ein Regierungswechsel oder weitere vier Jahre Trump-Regierung in den USA statt. In dieser Zeit ist es also unwahrscheinlich, dass feste Regeln für alle aufgestellt werden.
Schon bei der Entwicklung von Gesichtserkennungssoftware sollten ein gewisses Eigenbewusstsein und ethische Regeln beachtet werden, die vom Unternehmen selbst ausgehen. Dabei ist es sicherlich auch wichtig, dass Nationen Auflagen für Gesichtserkennung formulieren. Dass Amazon, ein Unternehmen mit nahezu unerschöpflichen Geldmitteln, die Verantwortung einfach abgibt und mit dem Finger auf andere zeigt, sendet ein komplett falsches Signal.
Hoffentlich nutzt das Unternehmen die Jahrespause für ein Umdenken.