Amazon: Nordkoreanischer Fake-ITler dank Tastatur-Lag enttarnt

Immer wieder versuchen nordkoreanische IT-Arbeiter, unter Fake-Identitäten Positionen in großen Konzernen zu besetzen – etwa zum Zweck der Spionage, Sabotage oder um Geld für die politischen Ziele Nordkoreas zu beschaffen. Einen dieser Betrüger enttarnte der US-Handelskonzern Amazon nun anhand von Verzögerungen bei Tastatureingaben, wie Bloomberg berichtete(öffnet im neuen Fenster) .
Den Angaben zufolge waren die Eingaben des Verdächtigen um mehr als 110 Millisekunden verzögert. Das erschien recht viel für einen Mitarbeiter, der sich angeblich in den USA aufhielt und für die Amazon-Zentrale in Seattle arbeitete. "Die kaum wahrnehmbare Verzögerung deutete darauf hin, dass der Mitarbeiter eine halbe Welt entfernt war" , schrieb Bloomberg.
Der Verdächtige war den Angaben zufolge von einem externen Amazon-Dienstleister als Systemadministrator eingestellt worden. Laut Amazons Sicherheitschef Stephen Schmidt schlug ein Überwachungssystem auf dem Firmenlaptop des Verdächtigen an. Daraufhin leitete Amazon Untersuchungen ein und stellte fest, dass das Gerät ferngesteuert wurde.
Bekannte Unterstützerin aus Arizona
Betrieben wurde der Laptop dem Bericht zufolge im Haushalt einer Frau aus dem US-Bundesstaat Arizona, die bereits im Juli zu einer Haftstrafe verurteilt worden war , weil sie mit einer ganzen Laptopfarm massenhaft betrügerische IT-Arbeiter unterstützt hatte. Darüber soll der Nordkoreaner remote für Amazon gearbeitet haben.
Nachdem das Amazon-Sicherheitspersonal den Betrüger eine Weile bei seiner Arbeit beobachtet hatte, soll eine Einsicht in die Bewerbungsunterlagen des Verdächtigen weitere Erkenntnisse geliefert haben. "Diese Person nutzte, um an diesen Job zu gelangen, dasselbe Vorgehen wie andere von uns beobachtete Nordkoreaner" , erklärte Schmidt und verwies auf Übereinstimmungen im Lebenslauf.
Die Betrüger gäben etwa immer die gleichen Schulen und ehemaligen Arbeitgeber an. Bei letzteren handle es sich oft um ausländische Beratungsfirmen, die von den USA aus schwer zu überprüfen seien. Der Verdächtige soll umgehend aus den Systemen Amazons ausgesperrt worden sein.
Laut einem LinkedIn-Beitrag(öffnet im neuen Fenster) Schmidts hinderte Amazon seit April 2024 mehr als 1.800 mutmaßliche nordkoreanische Agenten daran, einen Job bei dem Handelskonzern zu bekommen.



