Amazon: Nicht immer das beste Angebot im Einkaufswagenfeld

Beim Einkauf bei Amazon kann es sich lohnen, genauer hinzuschauen. Wer gleich das erste Angebot im Einkaufswagenfeld auf der Amazon-Webseite bestellt, zahlt oft mehr. Marketplace-Verkäufer sollen es immer schwerer haben, gegen Amazon zu bestehen.

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Der Kampf um Amazons Einkaufswagenbox hat begonnen.
Der Kampf um Amazons Einkaufswagenbox hat begonnen. (Bild: Leon Neal/AFP/Getty Images)

Übereiltes Bestellen kann Kunden viel Geld kosten. Das gilt vor allem im Amazon-Universum, wie eine aktuelle Studie von Pro Publica belegt. Pro Publica ist eine Journalistenwebseite, die sich auf investigativen Journalismus spezialisiert hat. Die hat sich angeschaut, ob das Einkaufswagenfeld auf der Amazon-Webseite immer das preisgünstigste Angebot enthält. Die Antwort darauf lautet: nein, und es wird wohl auch in Zukunft so bleiben.

Selten zeigt das Einkaufswagenfeld den günstigsten Preis

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In der Untersuchung wurden die Preise von 250 beliebten Produkten stichprobenartig begutachtet. Dabei fiel auf, dass in vielen Fällen Amazon als bester Händler in dem Einkaufswagenfeld (Buy Box) gelistet war, auch wenn das betreffende Produkt bei anderen Händlern für weniger Geld zu haben war. Das war in 75 Prozent der untersuchten Fälle so. Wenn ein Kunde alle beobachteten Produkte direkt über das Einkaufswagenfeld bestellt hätte, hätte er fast 20 Prozent mehr bezahlt, als wenn er bei anderen Anbietern gekauft hätte.

Nur bei 6 Prozent der Produkte kam ein Marketplace-Verkäufer in das Einkaufswagenfeld, obwohl es nicht Amazon war und derjenige auch nicht den Verkauf und Versand über Amazon abwickeln ließ. Letztere Händler zahlen an Amazon einen Anteil von 10 bis 20 Prozent des Umsatzes, dafür übernimmt Amazon alles Weitere wie Rechnungsstellung und den Versand. Umgekehrt bedeutet es, dass in 94 Prozent der Fälle Amazon selbst oder ein Händler, der eng mit Amazon zusammenarbeitet, im Einkaufswagenfeld angezeigt wurde.

Amazon kontrolliert, wer im Einkaufswagenfeld landet

Ein von Amazon kontrollierter Algorithmus entscheidet darüber, welcher Händler prominent in dem Einkaufswagenfeld erscheint. Amazon bietet über die Marketplace-Plattform anderen Händlern an, Produkte über die Amazon-Webseite zu verkaufen. Dafür müssen Marketplace-Händler eine Provision an Amazon bezahlen, so dass Amazon auch dann Geld verdient, wenn ein Produkt bei einem anderen Händler gekauft wird. Marketplace-Händler versuchen mit verschiedenen Methoden, ins Einkaufswagenfeld zu gelangen, damit sie so ihre Umsätze erhöhen oder hoch halten können.

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Viele Kunden von Amazon klicken einfach in das Einkaufswagenfeld, ohne sich vorher zu erkundigen, ob das Produkt bei einem auf Amazon vertretenen Händler günstiger zu bekommen ist. Erst nach einem weiteren Klick sieht der potenzielle Käufer alle Händler des betreffenden Produkts und damit deren Preise und kann sich den günstigsten Anbieter aussuchen.

Amazon selbst nennt keine klaren Kriterien dafür, wie Händler in das Einkaufswagenfeld gelangen. Außer einem konkurrenzfähigen Preis müssen Händler für eine Verfügbarkeit des Artikels sorgen, gute Kundenbewertungen haben, schnelle Lieferzeiten einhalten und möglichst viel Erfahrung vorweisen. Wer hier als neuer Händler einsteigt, hat es also erstmal deutlich schwerer, in das Einkauswagenfeld zu gelangen, weil die Erfahrung und die Bewertungen in jedem Fall fehlen.

Amazons Marketplace-Händler haben es schwer

Die Marketplace-Händler bei Amazon haben es zunehmend schwer, gegen den Anbieter der Plattform zu bestehen. In einem exemplarischen Fall hat Pro Publica den Marketplace-Händler Beauty Bridge beobachtet, der seit vielen Jahren Kosmetikprodukte auf der Plattform verkauft. Seitdem Amazon im Jahr 2011 selbst die gleichen Kosmetikprodukte verkauft hat, war es für Beauty Bridge zunehmend schwieriger geworden, in das Einkaufswagenfeld zu gelangen.

Obwohl Beauty Bridge ein 30-US-Dollar-Produkt fast 3 US-Dollar günstiger als Amazon angeboten habe, kam der langjährige Händler nicht in das Einkaufswagenfeld. Dabei waren die Versandkosten nicht berücksichtigt. Mit Versandkosten habe sich der Preisunterschied auf fast 8,50 US-Dollar erhöht. Die Folge waren sinkende Umsätze für den Händler.

Der Händler war in einem Dilemma. Er sah zwar, dass "Amazon keinen fairen Wettbewerb erlaubt". Aber der Händler habe keine Chance, er müsse dort verkaufen. Einige Jahre hatte Beauty Bridge versucht, trotzdem bestehen zu können. Nach drei Jahren beauftragte es dann Amazon, die Verkaufslogistik zu übernehmen. Dafür muss es einen höheren Umsatzanteil an Amazon bezahlen, aber erst damit sei der Umsatz wieder gestiegen. Die Erlössituation hat sich aber nicht verbessert, weil Amazon jetzt eine höhere Umsatzbeteiligung vom Händler erhält.

Nachtrag vom 21. September 2016, 14:37 Uhr

Amazon hat zu dem Bericht folgende Stellungnahme veröffentlicht: "Mit Prime und Super Saver Shipping (das keine Mitgliedschaft erfordert und für Bestellungen ab 49 US-Dollar kostenfreien Versand bietet) kann die überwiegende Mehrheit bestellter Artikel - 9 von 10 - kostenfrei versandt werden. Die im Artikel benannten Algorithmen beziehen sich auf diese 90 Prozent aller bestellten Produkte, bei denen keine Versandkosten anfallen."

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Kleba 24. Sep 2016

^This! Ich habe mit auch vor einigen Jahren abgewöhnt immer "billig" zu kaufen. Ich sehe...

chefin 22. Sep 2016

Sorry to blow the bubble Amazon ist kein Monopolist, aber er hat sehr starken Einfluss...

RienSte 22. Sep 2016

+1 Und selbst wenn's dann trotzdem noch ein paar Euro teurer sein sollte (ich sag mal 5...

ollyhal 22. Sep 2016

so pauschal gesagt: Blödsinn Ich bestelle viel bei amazon und habe auch schon einige...

PaBa 22. Sep 2016

Ich finde die Diskussion etwas komisch! Zunächst zu den Argumenten, warum Amazon Böse...



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