Amazon: Nach Tod eines Arbeiters lief die Schicht offenbar weiter
Nach dem Tod eines Amazon-Lagerarbeiters kritisieren Beschäftigte, dass der Betrieb nicht komplett eingestellt wurde. Das berichtet das Recherchezentrum Correctiv.lokal unter Berufung auf acht Beschäftigte(öffnet im neuen Fenster), die am 15. August 2022 in Leipzig während des tragischen Ereignisses anwesend waren. Der Tod des Arbeiters war laut Angaben der Polizei kein Unfall, sondern er sei eines natürlichen Todes gestorben.
"Wäre ich an ihrer Stelle gewesen, hätte ich den Schichtbetrieb sofort eingestellt", sagte einer der Arbeiter Correctiv.lokal. Laut Angaben von Amazon habe man allen Beschäftigten "dieser und der folgenden Schichten freigestellt", bezahlt nach Hause zu gehen. Das bestätigen die Lagerarbeiter, mit denen Correctiv.lokal sprach, jedoch nicht. Komplett eingestellt wurde der Schichtbetrieb auch nach Aussagen von Amazon nicht. Amazon habe aber dafür gesorgt, dass "psychologisches Personal vor Ort" gewesen sei.
"Sie haben ein falsches Bild von dem tragischen Geschehen, das uns und unser Team in Leipzig nach wie vor sehr bewegt. Einer unserer langjährigen Kollegen ist an diesem Tag verstorben", sagte ein Amazon-Sprecher Golem.de auf Anfrage. "Zusammen mit dem Betriebsrat haben wir intensiv mit den Mitarbeiter:innen kommuniziert und getrauert und das tragische Geschehen auch im Nachhinein vollständig besprochen sowie der Familie sehr weitgehende Hilfsangebote unterbreitet. Wir und das Team in Leipzig trauern immer noch um ihn." Angaben dazu, ob es Beweise dafür gibt, dass allen Beschäftigten angeboten wurde, bezahlt nach Hause zu gehen, wurden nicht gemacht.
Wiederholt Streiks in Leipzig
Zuletzt streikten laut Verdi am 9. Januar etwa 400 Beschäftigte in Leipzig, sagte Verdi-Fachbereichsleiter Jörg Lauenroth-Mago. Der Arbeitskampf dauerte von Sonnabend bis Montag. Auch im Oktober 2022 wurde dort wieder gestreikt. Amazon betreibt nach eigenen Angaben 20 Logistikzentren in Deutschland. In den Warenlagern sind in Deutschland mehr als 20.000 festangestellte Arbeiter tätig. In Leipzig sind es rund 1.000 Lagerarbeiter.
Amazon habe zwar die Stundenlöhne in den vergangenen Jahren wiederholt erhöht und die Anhebung des Mindestlohns auf 12 Euro je Stunde vorweggenommen. Dennoch seien die Einkommen der Beschäftigten durch längere Arbeitszeiten und niedrige oder fehlende Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oft um mehrere Hundert Euro unter denen ihrer Kollegen in vergleichbaren tarifgebundenen Unternehmen geblieben, erklärte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.
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