Amazon: Mitarbeiter sehen Alexa-Befehle mit verknüpften Kundendaten

Amazon-Mitarbeiter lauschen aufgenommenen Alexa-Sprachbefehlen - und erhalten dazu das passende Amazon-Konto samt Vorname des Kunden. Damit können Menschen die Sprachbefehle in Grenzen bestimmten Personen zuordnen. Apple und Google versprechen einen besseren Schutz der Privatsphäre.

Artikel veröffentlicht am ,
Wenn die Mikrofone am Echo-Lautsprecher aus sind ...
Wenn die Mikrofone am Echo-Lautsprecher aus sind ... (Bild: Martin Wolf/Golem.de)

Noch sind digitale Assistenten weit davon entfernt, ganz ohne menschliche Eingriffe auszukommen. Amazon hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass viele Menschen an Alexa arbeiten und dass die Alexa-Reaktionen auch von Menschen ausgewertet werden. Auch bei Apple und Google sitzen Menschen und analysieren die Reaktionen von Siri oder Google Assistant. Wie ein aktueller Bericht von Bloomberg belegt, sind die Alexa-Sprachaufzeichnungen aber immer mit den Kontodaten des Amazon-Kunden verknüpft.

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Ein Bloomberg vorliegender Screenshot zeige, dass Amazon-Mitarbeiter Aufzeichnungen erhalten, zu denen eine Nummer des Amazon-Kontos, der Vorname des Benutzers sowie die Seriennummer des Geräts eingeblendet sind. Die Amazon-Mitarbeiter erhalten zwar nicht den vollen Namen oder die Anschrift des Kunden. Aber wenn sie etwa mehrere Sprachaufzeichnungen eines Kunden erhalten, könnten sie diese Informationen einem Menschen oder zumindest einem Haushalt zweifelsfrei zuordnen.

Amazon bestreitet in einer Stellungnahme, dass die Alexa-Sprachaufzeichnungen von Mitarbeitern mit einem bestimmten Amazon-Kunden in Verbindung gebracht werden könnten. "Wir nehmen die Sicherheit und den Schutz der personenbezogenen Daten unserer Kunden ernst", äußerte sich das Unternehmen in einer Golem.de vorliegenden Stellungnahme. "Wir versehen nur eine extrem geringe Anzahl von Interaktionen einer zufälligen Gruppe von Kunden mit Anmerkungen, um die Nutzererfahrung zu verbessern. Zum Beispiel helfen uns diese Informationen, unsere Systeme zur Spracherkennung und zum Verständnis natürlicher Sprache zu trainieren. So kann Alexa Anfragen besser verstehen und sicherstellen, dass der Dienst für alle gut funktioniert."

Apple und Google verknüpfen Sprachbefehle nicht mit Kundendaten

"Bei uns gelten strenge technische und betriebliche Sicherheitsvorkehrungen und wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik, was den Missbrauch unseres Systems betrifft. Im Rahmen dieses Ablaufs haben Mitarbeiter keinen direkten Zugriff auf Informationen, die die Person oder das Konto identifizieren können. Wir behandeln Informationen mit hoher Vertraulichkeit, setzen auf eine Multi-Faktor-Authentifizierung zur Zugriffsbeschränkung, eine Verschlüsselung des Dienstes sowie Audits unserer Kontrollumgebung zum Schutz der Daten. Darüber hinaus können unsere Kunden ihre Sprachaufzeichnungen jederzeit löschen."

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Auch Apple und Google versprechen, dass ihre Mitarbeiter die Sprachbefehle ohne Zuordnung persönlicher Daten durcharbeiten. Sie versprechen also das Gleiche wie Amazon. Ob dies bei der Konkurrenz mehr eingehalten wird als bei Amazon, ist offen. Alle drei Unternehmen begründen dieses Vorgehen damit, so die jeweiligen digitalen Assistenten verbessern zu wollen.

Bei Amazon ist der Ablauf so, dass die Aufnahmen von Menschen transkribiert, kommentiert und wieder in das System zurückgespielt werden. Damit sollen falsch erkannte Ansagen erkannt und solche Vorkommnisse minimiert werden. Dies passiere in Amazon-Außenstellen in Boston, Costa Rica, Indien und Bukarest, heißt es in dem Bericht.

Amazon-Mitarbeiter bearbeiten knapp zwei Anfragen pro Minute

Jeder Mitarbeiter würde pro Arbeitstag bis zu 1.000 Sprachaufzeichnungen pro Tag analysieren - bei einem Neunstundentag. Die Mitarbeiter bearbeiten also knapp zwei Sprachaufzeichnungen pro Minute. Dabei erhalte jeder Mitarbeiter bis zu 100 Sprachaufzeichnungen pro Tag, die versehentlich ausgelöst werden. Alle digitalen Assistenten in smarten Lautsprechern haben damit zu kämpfen, dass diese sich immer wieder ungewollt aktivieren, weil sie ein Signalwort verstehen, obwohl es nicht gesagt wurde.

Daher ist es bei smarten Lautsprechern wichtig, dass diese so eingestellt werden können, bei einer Aktivierung einen Signalton abzuspielen und parallel dazu auch eine gut sichtbare optische Rückmeldung zu geben. Vor allem bei der optischen Rückmeldung schneiden die Echo-Lautsprecher von Amazon am besten ab. Die Google-Home-Lautsprecher, der Homepod und auch viele Lautsprecher von Drittanbietern liefern keine vergleichbar gute optische Rückmeldung. Bei so manchem Alexa-Lautsprecher von Drittanbietern gibt es keine Möglichkeit, einen Signalton dazuzuschalten, wie etwa bei Boses Home Speaker 500.

Wenn der smarte Lautsprecher versehentlich lauscht

Vor allem, wenn ein digitaler Assistent versehentlich anspringt, können immer wieder ungewollt private Daten an die jeweiligen Anbieter gelangen. Die Amazon-Mitarbeiter schildern, dass sie dabei einer Frau gelauscht hätten, die sichtlich falsch unter der Dusche gesungen hat, oder einem Kind, das um Hilfe geschrien hätte. Wenn ein Amazon-Mitarbeiter vertrauliche Daten wie Kreditkartennummern oder Ähnliches mithört, sollen diese Aufnahmen gekennzeichnet werden und gleich mit der nächsten Aufzeichnung weitermachen. Wie oft so etwas vorkommt, verrät der Bloomberg-Bericht nicht.

Es sei auch vorgekommen, dass sie quasi zeitverzögert Zeuge eines Verbrechens werden. Zwei der befragten Mitarbeiter gaben an, dass sie etwas gehört hätten, das sich nach einem sexuellen Übergriff angehört habe. Nach Angaben von Amazon gebe es in einem solchen Fall klare Vorgaben. Wie die aussehen, bleibt unklar. Dem widersprechen Amazon-Mitarbeiter, die sich bei einem solchen Fall an die Vorgesetzten wandten und es nur hieß, dass es nicht Amazons Aufgabe sei, sich da einzumischen.

Abgesehen davon würden die Mitarbeiter Routineaufgaben erledigen. Wenn eine Anfrage nach Taylor Swift komme, solle geprüft werden, ob der Nutzer tatsächlich die Sängerin meinte oder doch etwas anderes.

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LinuxMcBook 13. Apr 2019

Link fehlt immer noch.

heikom36 12. Apr 2019

Ich finde es gut, dass die Fanboys bei der Gesetzgebung zum Glück nichts mitzureden...

Insomnia88 12. Apr 2019

Wenn du diese Assistenten für rückständig hältst - kannst du mir dann eine "modern...

Anonymer Nutzer 12. Apr 2019

Dann brauchst du mich nicht besuchen. Ist auch völlig okay. Aber dann bitte mit dem...

ConstantinPrime 12. Apr 2019

Nein, nein, er ist doch eher so der Typ der diesen aroganten und engstirnigen...



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