Amazon: Alexa+ startet in Deutschland mit einem guten ersten Eindruck
Nach einer Wartezeit von etwas mehr als einem Jahr bringt Amazon Alexa+ mit generativer KI auch nach Deutschland und Österreich. US-Kunden können bereits seit April 2025 darauf zugreifen. Golem konnte die deutsche Version von Alexa+ bereits im ersten Einsatz sehen.
Zunächst startet Alexa+ in den beiden Ländern als sogenannter Early Access(öffnet im neuen Fenster). Das ist ein offener Betatest für den erweiterten digitalen Assistenten von Amazon. Interessenten können sich anmelden und dann hoffen, so bald wie möglich von Amazon ausgewählt zu werden.
Wer partout nicht warten möchte, bestellt sich ein aktuelles Echo-Produkt aus dem Amazon-Sortiment und erhält damit direkt Zugriff auf Alexa+, ohne auf eine Einladung warten zu müssen. Während des Early-Access-Programms ist das Angebot für alle Kunden kostenlos.
Alexa+ wird Bestandteil von Amazon Prime
Sobald der Assistent in einigen Monaten für die Allgemeinheit regulär verfügbar ist, verlangt Amazon dafür 22,99 Euro pro Monat. Ein Jahresabo wird nicht angeboten. Dabei stellt sich die Frage, wer Alexa+ jemals zu diesem vergleichsweise hohen Preis einzeln buchen wird, denn wie in anderen Ländern wird es auch in Deutschland und Österreich Bestandteil des Prime-Abos.
In Deutschland kostet ein Prime-Abo 8,99 Euro monatlich, so dass Alexa+ ohne alle Prime-Leistungen 14 Euro teurer ist. Zudem gibt es Prime als Jahresabo für 89,90 Euro. Damit erhöht sich die Preisdifferenz zur Einzelbuchung von Alexa+ auf 15,50 Euro monatlich.
Alexa+ soll Amazon mehr Prime-Abonnenten bringen
Mit dieser Art der Preisgestaltung ist Amazons Ziel offensichtlich: Alexa+ soll dem Unternehmen zusätzliche Prime-Abonnenten bescheren. Auf die Frage von Golem, welche Kundengruppe einzeln für das Angebot zahlen würde, gab es von Amazon den Hinweis auf das Prime-Abo.
Auf Echo-Show-Geräten zeigt Amazon seit Langem bildschirmfüllende Werbung auf dem Startbildschirm, das wird auch bei Buchung von Alexa+ so bleiben. Wer also hofft, mit dem Zusatzangebot solche Werbeschaltungen wegzubekommen, sollte sich keine falschen Hoffnungen machen. Begründet wird das von Amazon damit, dass dadurch kostenlos angebotene Funktionen finanziert würden.
Alexa+ nutzt das Alexa-Ökosystem
Alexa+ verwendet weiterhin das Alexa-Ökosystem, so dass Bestandskunden bisherige Konfigurationen weiter nutzen können. Allerdings gibt es keine Garantie, dass alle bisherigen Skills weiterhin mit Alexa+ laufen, schränkt Amazon ein. Die wichtigsten Skills sollen aber bereits angepasst worden sein, heißt es von Amazon.

Alexa+ läuft auf den Echo-Produkten von Amazon, für andere Alexa-fähige Geräte von Drittherstellern wie etwa Sonos-Produkten ist die Option nicht verfügbar. Amazon macht keine Angaben dazu, ob das nachgereicht wird. Zudem ist das Angebot auf Fire-TV-Produkten, in der Alexa-App und demnächst auch im Browser nutzbar. Die Browser-Integration hat noch kein genaues Datum.
Für Alexa+ wurde eine neue weibliche Stimme entwickelt. Alternativ dazu soll sich die bisherige Alexa-Stimme aktivieren lassen, die wahlweise als weibliche oder männliche Variante angeboten werden soll. Mehr als diese drei Stimmen gibt es in Deutschland und Österreich zunächst nicht.
Bei der Nutzung soll der digitale Assistent aber ganz anders reagieren, indem moderne KI-Systeme verwendet werden.
Erste Eindrücke mit Alexa+
Golem bekam von Amazon die Möglichkeit, bei einer Präsentation erste Eindrücke zu Alexa+ zu sammeln. Diese sind überwiegend vielversprechend. Als Amazon Alexa vor rund neun Jahren nach Deutschland brachte, hieß es, die Sprachsteuerung befinde sich noch am Anfang und werde schrittweise verbessert.
Bei der Nutzung der normalen Alexa-Version müssen sich Kunden sehr genau an die von der Software erwartete Syntax bei den Sprachbefehlen halten. Bereits leichte Abweichungen bei der Steuerung von Smart-Home-Geräten werden oft nicht erkannt, so dass der gewünschte Befehl nicht ausgeführt wird. Das führt immer wieder zu Frust bei Kunden. Substanzielle Verbesserungen gab es in den vergangenen neun Jahren kaum.
Bei etlichen Präsentationen durch Amazon-Mitarbeiter vermittelte Alexa+ den Eindruck, dass die Menschen keine Syntax mehr erlernen müssen. Der Assistent versteht Sprachbefehle deutlich besser. Viele Befehle können in den Kontext einer laufenden Unterhaltung eingebunden werden. Wenn dabei der Wunsch nach mehr Licht geäußert wird, wird eine Lampe hochgeregelt, ohne dass die exakte Bezeichnung des Geräts angesagt werden muss, wie es bei Alexa noch der Fall ist.
Alexa+ erlaubt Unterhaltungen
Die Interaktion mit Alexa+ ist dabei komplett anders als mit Alexa. Zur Aktivierung muss nicht für jeden neuen Befehl das Signalwort gesprochen werden. Eine laufende Unterhaltung wird erkannt, so dass ein Bezug zu bereits Gesagtem möglich ist. Eine Unterhaltung kann auch auf einem Gerät begonnen und auf einem anderen weitergeführt werden.
In einem Beispiel wurde auf einem Smart-TV von Amazon nach dem Film Barbie gesucht und direkt danach auf einem Echo Show nach dem Titellied zum Film. Das System erkannte den Zusammenhang und lieferte die passenden Ergebnisse.
Anders als bei Alexa können Alexa+ Dinge beigebracht werden. Wenn es um Kochrezepte geht, können etwa Zutaten ausgeschlossen werden. Dann werden bei einer Suche keine Rezepte ausgewählt, die solche unerwünschten Lebensmittel enthalten.
Diese Funktionen fehlen Alexa weiterhin
Mit Alexa+ ist es möglich, Routinen auf Zuruf anzulegen oder nachträglich anzupassen. Bei der Smart-Home-Steuerung sollen sich mehrere Geräte mit einem Sprachkommando steuern lassen. Dabei sollen indirekte Hinweise immer verstanden werden. Ist es zu dunkel, soll das Licht automatisch eingeschaltet werden.
Im Unterschied zu klassischen Chatbots anderer Anbieter soll Alexa+ Aufgaben übernehmen können. So lässt sich in einem Restaurant ein Tisch bestellen, sofern dieses bei Opentable mitmacht. Zudem gibt es auch bei Alexa+ die Anbindung an Amazons Onlineshop, so dass auf Zuruf dort eingekauft werden kann. Dabei werden auch Kundenbewertungen herangezogen, aber meist nur die Anzahl der Sterne berücksichtigt.
Wie bei der normalen Alexa-Version lassen sich Smart-Home-Geräte per Sprache steuern – im Idealfall, ohne sich sklavisch an die vorgegebene Syntax halten zu müssen. Ebenfalls von der normalen Alexa-Funktion wurde die Fähigkeit übernommen, Termine in Kalender eintragen zu lassen.
Amazon betont, dass die deutsche Version von Alexa+ nicht nur an die Sprache und deutsche Dialekte angepasst worden sei, sondern auch lokale Eigenheiten und kulturelle Besonderheiten verstehe. In Deutschland unterstützt Alexa+ derzeit neben Amazon Music noch die Musikstreamingabos Apple Music und Spotify sowie Audible.
Ansonsten ist Prime Video nutzbar, weitere Videostreamingabos nennt Amazon nicht. Zudem sollen sich Smart-Home-Geräte etwa von Signify, Ring oder Bosch über Alexa+ steuern lassen. Im Laufe des Jahres sollen die Dienste The Fork, Tripadvisor, Kinoheld, GMX und Web.de angebunden werden.
Alexa+ kann mit Daten gefüttert werden
Alexa+ besitzt eine Bilderkennung und mit einem Echo Show kann etwa die Kamera genutzt werden, um Gegenstände oder Umgebungen zu identifizieren. Ansonsten können Dokumente per E-Mail an den Assistenten geschickt werden, deren Inhalte dann von dem System berücksichtigt werden. Bei einer Amazon-Präsentation kam es immer wieder zu Wartezeiten, in denen die KI Aufgaben erledigte.
Wie bei Alexa hören Menschen Anfragen von Alexa+ mit, falls das nicht in den Einstellungen untersagt wird. Solche Mitschnitte werden zur Verbesserung des Dienstes verwendet; dabei werden die Anfragen auf mögliche Fehler hin analysiert.
Den Early Access begründet Amazon damit, dass der Dienst in der jetzigen Form nicht ganz fertig sei. Außerdem sollen alle erdenklichen Szenarien geprüft werden, die bei Kunden vorkommen können, aber möglicherweise eher unüblich sind. Dadurch sollen Probleme vor einer offiziellen Markteinführung abgefangen werden.
Early Access soll kürzer als in den USA sein
Amazon macht noch keine Angaben dazu, wie lange die Early-Access-Phase in Deutschland und Österreich dauern wird. Das Unternehmen geht aber von einer kürzeren Phase als in den USA aus, wo Alexa+ weltweit das erste Mal überhaupt angeboten wurde. In den USA wurde der Early Access nach zehn Monaten beendet. Für Deutschland ist damit eine allgemeine Verfügbarkeit Ende 2026 oder Anfang 2027 denkbar.
Nicht alle Echo- und Fire-TV-Geräte funktionieren mit Alexa+
Alexa+ funktioniert auf mehreren älteren Echo-Produkten nicht. Dazu zählen der erste Echo-Lautsprecher und das erste Echo-Dot-Modell, der erste Echo-Plus-Lautsprecher (g+), der ursprüngliche Alexa-Wecker Echo Spot (g+) und die ersten beiden Generationen (g+) des smarten Displays Echo Show (g+).
Auch auf etlichen älteren Fire-TV-Geräten kann Alexa+ nicht verwendet werden. Amazon setzt mindestens die jeweils zweiten Generationen des Fire TV Stick HD, des Fire TV Stick 4K Max oder des Fire TV Stick 4K Plus voraus. Zudem wird beim Fire TV Cube die aktuelle dritte Generation (g+) benötigt und der Fire TV Stick 4K Select mit Vega OS (g+) wird unterstützt.
Wenn ein Gerät nicht Alexa+-fähig ist, läuft darauf die normale Version von Alexa. Da dabei das gleiche Kern-Ökosystem verwendet wird, stehen etwa Erinnerungen oder Routinen immer bereit.
Kunden stehen dann aber vor der Herausforderung, sich genau zu merken, welches Amazon-Gerät schon Alexa+-fähig ist und welches Gerät noch auf herkömmliche Weise mit möglichst exakten Sprachbefehlen gefüttert werden muss. Generell können in einer solchen Konstellation keine auf Alexa+ begonnenen Unterhaltungen auf einem normalen Alexa-Gerät fortgesetzt werden.
Erste Einschätzung
Noch konnten wir Alexa+ nicht selbst ausprobieren, Amazon zeigte lediglich ausgewählten Journalisten die KI-Version von Alexa. Die ersten Eindrücke sind überzeugend: Alles deutet darauf hin, dass das mühsame Syntax-Lernen bei Alexa endlich nicht mehr erforderlich ist. Alexa+ verhält sich endlich so, wie es Kunden von Alexa beim Verstehen von Befehlen seit Jahren erwarten.
Bleibt der schale Beigeschmack, dass Amazon-Kunden ohne aktives Prime-Abo für diese Leistung künftig bezahlen müssen. Dieser natürliche Umgang mit Amazons digitalem Assistenten wurde in den vergangenen Jahren immer wieder von Amazon in Aussicht gestellt, ohne zu erwähnen, dass dafür dann ein kostenpflichtiges Abo nötig sein wird.
Wer einen Echo Show einsetzt, wird kaum Verständnis dafür haben, dass weiterhin Werbung auf dem smarten Display erscheint, obwohl Kunden das Gerät nicht nur bezahlt, sondern sogar ein kostenpflichtiges Abo dafür gebucht haben. Bis heute informiert Amazon auf den Echo-Show-Produktseiten nicht darüber, dass es sich dabei um ein werbefinanziertes Produkt handelt.
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