• IT-Karriere:
  • Services:

Produktfälschungen: Hunderte Milliarden Euro Umsatz weltweit mit falscher Ware

Birkenstock ist nicht die einzige Firma, die über Produktpiraterie im Onlinehandel, etwa bei Amazon, klagt. Das Netz verschafft Fälschern riesige Umsätze. Neue Gesetze würden helfen.

Artikel von Ulrich Ladurner/Die Zeit veröffentlicht am
Birkenstock verdient am meisten über den Ladenverkauf.
Birkenstock verdient am meisten über den Ladenverkauf. (Bild: Ina Fassbender)

Amazon wird es verschmerzen: Der deutsche Schuhhersteller Birkenstock wird den Internetkonzern nur noch bis zum Jahresende direkt beliefern. Der Grund sind Medienberichten zufolge Produktfälschungen. Amazon kontrolliere zu wenig, was auf seiner Plattform angeboten werde, heißt es. Das schade der Marke.

Stellenmarkt
  1. EnBW Energie Baden-Württemberg AG, Karlsruhe
  2. Stromnetz Hamburg GmbH, Hamburg

Birkenstock kann das verkraften, denn den Großteil seines Umsatzes macht das Unternehmen aus Neuwied gar nicht übers Netz, sondern in Läden und Kaufhäusern. Und über andere Onlinehändler werden seine Sandalen auch künftig auf Amazon erhältlich sein. Doch der Vorwurf, der Onlinehändler dulde den Verkauf von Fälschungen, ist schwerwiegend. Allein ist Birkenstock mit diesem Gefühl nicht. Im November unterzeichneten über hundert Markenunternehmen einen Brief, in dem sie beklagten, dass "sie im Kampf gegen Produktfälschungen alleingelassen werden". Unterschrieben haben unter anderem: Adidas, Basf Bayer, Puma, Lego, Philipps, HP, Apple, Dr. Oetker, Triumph, Miele, Weleda - Unternehmen aus allen Branchen. Adressat des Briefes war Jean-Claude Juncker, Chef der EU Kommission. Die Unternehmen forderten die Kommission auf, etwas gegen die Fälschungen zu unternehmen.

Ihre Klage ist verständlich. Gefälscht wird so gut wie jeder Markenartikel, von der Handtasche bis zum komplizierten medizinischen Gerät, vom Shampoo bis zu Maschinenbauteilen. Es ist ein enorm großes Geschäft: Im Jahr 2005 betrug der Umsatz mit Produktfälschungen 187 Milliarden Euro, 2015 waren es laut OECD 432 Milliarden, und für das Jahr 2022 wird mit einer Steigerung auf 931 Milliarden gerechnet. Das entspricht dem Bruttosozialprodukt der Niederlande, der siebtgrößten Volkswirtschaft der EU.

Der Schaden ist immens. Weil Europa eine sehr markenintensive Wirtschaft hat, sind europäische Unternehmen davon besonders betroffen: 85 Milliarden Euro des weltweiten Umsatzes, der mit Fälschungen 2015 gemacht wurde, entfällt auf die Europäische Union. Das entspricht fünf Prozent des Wertes aller EU-Importe.

Freiwillige Selbstkontrolle funktioniert nicht

Nur, sind Internetplattformen wie Amazon, eBay oder Alibaba wirklich daran schuld? Nein, denn den Handel mit gefälschten Produkten gab es schon lange bevor es das Netz gab. Doch klar ist auch, dass der Umsatz von Produktfälschungen zusammen mit dem Onlinehandel rasant gewachsen ist. Das Netz gibt Anbietern, auch den Fälschern unter ihnen, die Möglichkeit, einen globalen Markt zu bedienen. Die Internetplattformen sind selbst zwar keine Händler, aber sie stellen den Marktplatz zur Verfügung. Damit haben sie Verantwortung für das, was bei ihnen angeboten wird. Natürlich können Amazon oder eBay nicht alles kontrollieren. Der Aufwand wäre zu groß, die Kosten zu hoch. Doch sie könnten das Gröbste aussortieren. Das wäre technisch ohne allzu großen Aufwand machbar.

Amazon hat 2011 sich gemeinsam mit anderen in einem sogenannten Memorandum freiwillig zu einer besseren Kontrolle verpflichtet, aber offensichtlich reicht das nicht aus. Damit ist der Gesetzgeber gefragt. Zwar werden neue Gesetze alleine nicht ausreichen, um den Handel mit Produktfälschungen in den Griff zu kriegen; aber sie wären eine zusätzliches und notwendiges Instrument im Kampf gegen eine Plage, die das Fundament eines jeden Unternehmens untergräbt: Vertrauen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Anzeige
Hardware-Angebote
  1. täglich neue Deals bei Alternate.de
  2. 142,85€

tschackel 06. Jul 2018

Wusste bisher noch gar nicht, dass Birkenstock auch Sandalen herstellt. Kannte die Marke...

Bouncy 14. Dez 2017

Das bei Amazon gekaufte Cloner-Gerät zum selben Preis? Was zum Geier ist das für ein...

SJ 13. Dez 2017

Und wieso sollte Amazon hier etwas tun?

Dungeon Master 13. Dez 2017

Bin auch in etwa zu diesem Schluss gekommen. Auf die Art ist es möglich, eine beliebige...

SvD 13. Dez 2017

Wenn man sich die Mühe macht, Verlinktes auch zu lesen/verstehen, wäre aufgefallen...


Folgen Sie uns
       


Patrick Schlegels Visitenkarte spielt Musik und würfelt

Eine Visitenkarte muss nicht immer aus langweiligem Papier sein. Patrick Schlegels Visitenkarte hat einen USB-Speicher, spielt Musik und kann würfeln.

Patrick Schlegels Visitenkarte spielt Musik und würfelt Video aufrufen
Programmierer als Künstler: Von der Freiheit, Neues in Code zu denken
Programmierer als Künstler
Von der Freiheit, Neues in Code zu denken

Abgabetermine und Effizienzansprüche der Auftraggeber drängen viele dazu, Code nach Schema F abzuliefern. Dabei kann viel Gutes entstehen, wenn man Programmieren als Form von Kunst betrachtet.
Von Maja Hoock

  1. Ubuntu Canonical unterstützt Flutter-Framework unter Linux
  2. Complex Event Processing Informationen fast in Echtzeit auswerten
  3. Musik Software generiert Nirvana-Songtexte

Kontaktlos: Eine deutsche Miniserie unter Pandemie-Bedingungen
Kontaktlos
Eine deutsche Miniserie unter Pandemie-Bedingungen

Weltweit haben Künstler unter Corona-Bedingungen neue Projekte angestoßen. Nun kommt mit Kontaktlos auch eine interessante sechsteilige Serie aus Deutschland.
Eine Rezension von Peter Osteried

  1. Corona Telekom und SAP sollen europaweite Warn-Plattform bauen
  2. Universal Kinofilme kommen früher ins Netz
  3. Messe nur digital Die Corona-Realität holt die CES ein

Funkverschmutzung: Wer stört hier?
Funkverschmutzung
Wer stört hier?

Ob WLAN, Bluetooth, IoT oder Radioteleskope - vor allem in den unlizenzierten Frequenzbändern funken immer mehr elektronische Geräte. Die Folge können Störungen und eine schlechtere Performance der Geräte sein.
Ein Bericht von Jan Rähm

  1. 450 MHz Bundesnetzagentur legt sich bei neuer Frequenzvergabe fest
  2. Aus Kostengründen Tschechien schafft alle Telefonzellen ab
  3. Telekom Bis Jahresende verschwinden ISDN und analoges Festnetz

    •  /