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Amazfit Balance im Kurztest: Das Möchtegern-Wohlfühl-Wearable

Nicht knallharte Leistung, sondern ein ausgeglichenes Verhältnis aus Sport und Entspannung will die Amazfit Balance vermitteln.
/ Peter Steinlechner
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Die Herzfrequenzanzeige auf der Amazfit Balance (Bild: Peter Steinlechner / Golem.de)
Die Herzfrequenzanzeige auf der Amazfit Balance Bild: Peter Steinlechner / Golem.de

Es gibt Sportuhren, bei denen der nach dem Aufwachen eingeblendete Morgenbericht für Leistungsdruck sorgt: Zu wenig anaerobes Training die letzten Tage, steht da. Der Ruhepuls ist zu hoch, und überhaupt ist noch kein einziger der nötigen 10.000 Schritte getan. Aufstehen, aber dalli!

Bei der Balance von Amazfit soll das etwas anders laufen – zumindest theoretisch. Das dünne und sehr komfortable Wearable stuft unsere Bereitschaft eher mal als "Gut" ein und lobt (dank integrierter Oberkörperanalyse) unsere Muskel- und Knochenmasse sogar als "Hervorragend" .

Allerdings: Diese Wohlfühlelemente sind auf der Sportuhr relativ dezent umgesetzt – letztlich ist das Ding dann halt doch eher eine klassische Sportuhr. Einige entspannte Besonderheiten können im Abo gegen Bezahlung dazu gebucht werden, etwa per KI erstellte Geräusche, die angeblich auf Basis biometrischer Daten generiert werden, als Einschlafhilfe – für ungemütliche 50 Euro pro Jahr.

Kostenlos enthalten sind unter anderem die schon genannte Bereitschaft, die primär auf Basis der Herzfrequenzvariabilität ermittelt wird. Die nutzen auch andere Hersteller, auf der Balance wird daraus aber unter anderen eine "mentale Erholung" abgeleitet. Das ist ein durchaus interessanter Wert, den man aber mit einer gesunden Portion Skepsis einordnen sollte – wie generell viele Daten von Sportuhren.

Das gilt im Fall der Balance besonders für die eingebaute Körperanalyse, die Daten über Knochen- und Muskelmasse, Fett, Wasser, Protein und Grundstoffwechsel bietet will. Allerdings nur für den Oberkörper, für unsere untere Hälfte ist eine Amazfit Body Composition Analysis Mat nötig.

Ob es die in Europa gibt und was sie kostet, haben wir nicht herausgefunden. Wir würden dafür kein Geld ausgeben – uns ist jedenfalls keine Haushalts-Körperfettwaage bekannt, die sinnvolle Daten liefert. Auch die Daten aus der Balance über den Oberkörper halten wir für nutzlos.

Die Balance bietet eines der größten Sportuhren-AMOLED-Displays überhaupt: 480 x 480 Pixel auf 1,5 Zoll und mit einer Leuchtstärke von 1.500 Nits, was auch bei direkter Sonneneinstrahlung für eine gute Ablesbarkeit sorgt.

Das Gehäuse aus Aluminium hat eine Größe von 46 × 46 × 10,6 mm und wiegt 35 Gramm ohne Armband. Mit dem Band aus Silikon kommt die gesamte Uhr auf 52 Gramm; das Stoffband lag uns nicht vor. Die Bedienung erfolgt per Touch, sowie über eine gefühlt etwas wacklige Drehlünette und eine Seitentaste. Eine dezidierte Zurück-Taste gibt es nicht, die Hand auf das Display zu legen schaltet den Bildschirm aus beziehungsweise in den Always-on-Modus.

Der Akku hat eine Kapazität von 475 mAh. Laut Hersteller hält er im Smartwatch-Modus rund 14 Tage lang durch. Mit aktiviertem Always-on-Display sollen es nach Angaben von Amazfit rund fünf Tage sein – diesen Wert haben wir beim Tragen auch mit GPS-Sporteinheiten erreicht.

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Es gibt die üblichen Aktivitäten wie Laufen und Radfahren. Im Freien können wir neben der Herzfrequenzmessung auch die Positionsdaten per GPS aufzeichnen, beides hat durchgehend stimmige Werte ermittelt. Auch ein Schritt- und Kalorienzähler, eine sehr gute Schlafanalyse, Benachrichtigungen, die üblichen Sensoren (inklusive Temperatur), Wetter und Trainingsberater sind vorhanden.

Die Balance hat keine Offlinekarten und unterstützt weder Mobilfunk noch WLAN, sondern muss mit einem Smartphone (Android und iOS) gekoppelt werden. Musik kann auf dem Wearable abgespeichert und mit Bluetooth-Headsets oder dem relativ (!) guten eingebauten Lautsprecher angehört werden. Kontaktloses Zahlen per NFC ist nur mit einigen Karten von Mastercard möglich.

Die Amazfit Balance gibt es wahlweise mit Silikon- oder mit Stoffband, beide Versionen kosten rund 250 Euro. Das Gehäuse ist laut Hersteller wasserdicht bis 5 ATM.

Fazit

Im Portfolio von Amazfit sticht die Balance durch ihr zurückhaltendes Design heraus – uns ist das ein bisschen zu langweilig, so ganz ohne die markentypischen Spoiler und Spielereien. Die inneren Werte der Sportuhr überzeugen aber: Display, Akkulaufzeiten und allgemeiner Funktionsumfang sind gelungen und für den Preis sehr konkurrenzfähig.

Die Idee einer Uhr, die eher das allgemeine Wohlbefinden anstelle von sportlichen Leistungen optimiert, finden wir spannend. Bei der Balance finden sich dafür Ansätze wie die Anzeige der Bereitschaft, richtig konsequent umgesetzt ist das Konzept leider nicht.

Ein kleines Manko ist die Bedienung: Zumindest wir hätten gerne eine echte Zurück-Taste und eine etwas weniger weit herausstehende und etwas stabiler wirkende Drehlünette. Davon abgesehen ist die Balance aber eine rundherum gelungene Sportuhr – nur eben nicht ganz tiefenentspannt.


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