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Amazfit Balance 2 + Helio Strap: Tolle Solosportler, aber keine perfekten Teamplayer

Zwei Wearables, ein Ziel: Amazfit setzt auf eine smarte Kombination aus der Sportuhr Balance 2 und dem Fitnesstracker Helio Strap.
/ Peter Steinlechner
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Links das Amazfit Helio Strap, rechts die Balance 2 (Bild: Peter Steinlechner / Golem.de)
Links das Amazfit Helio Strap, rechts die Balance 2 Bild: Peter Steinlechner / Golem.de

Als ich vor rund 20 Jahren erstmals eine Sportuhr mit GPS hatte, musste ich bei jedem Lauf und jeder Radtour drei Wearables anlegen: am Handgelenk die RCX5 von Polar, am Brustkorb ein Herzfrequenzband und am Oberarm einen Empfänger für die GPS-Positionsdaten. Was war ich froh, als ich irgendwann eine Smartwatch hatte, die alles konnte!

Nun könnte die Sache wieder in die andere Richtung gehen: Das chinesische Unternehmen Amazfit hat gleichzeitig zwei Wearables veröffentlicht, die zumindest ansatzweise in Kombination zusammenarbeiten.

Das eine ist die Sportuhr Balance 2, eine Konkurrenz etwa für die Garmin Forerunner 970 ( Test auf Golem.de ). Das andere ist ein Fitnessarmband namens Helio Strap. Weil es kein Display hat und wegen einiger smarter Funktionen erinnert der Tracker an Whoop ( Test auf Golem.de ) – aber ohne Abo.

Die beiden Wearables werden einzeln verkauft und funktionieren dann ohne Einschränkungen. Aber: Zusammen bieten sie etwas mehr. Ein praktischer Vorteil ist, dass man die Balance 2 zum Schlafen ablegen kann, um dann nur noch das 20 Gramm leichte Band zu tragen.

Beim Ablegen oder beim Wechsel muss ich mir normalerweise keine besonderen Gedanken machen, anders als bei anderen Herstellern: Bei Garmin etwa muss ich manuell in den Einstellungen der App die "primäre Smartwatch" umstellen, damit Schritte und Kalorien korrekt gezählt werden.

Bei Amazfit ist das nicht nötig, bis auf eine ärgerliche Ausnahme: Wenn ich einmal Balance 2 und Helio Strap gekoppelt habe, erfasst die Uhr bei Aktivitäten ohne das Band keinen Puls; das muss ich erst in den Optionen ändern.

Hoffentlich kümmert sich Amazfit schnell um dieses Detail und bringt dabei auch gerne etwas mehr Transparenz in die App. Ich wünsche mir eine Markierung, welches der Wearables gerade welche Daten beisteuert – das kann man nämlich momentan gar nicht sehen.

Wenn ich beide Wearables trage und diese verbunden sind, steuert das Helio Strap auch die Pulsdaten bei, was momentan der größte praktische Vorteil der Kopplung ist. Die Uhr ermittelt ab dem Moment nämlich nicht mehr sekündlich, sondern aus Energiespargründen nur noch alle fünf Minuten meine Herzfrequenz – quasi zur Kontrolle. Das Band macht das grundsätzlich laufend, also sekündlich.

Wie gesagt, die beiden Wearables funktionieren auch solo. Die Amazfit Balance 2 ist dann eine klassische Sportuhr für rund 170 Aktivitäten, darunter Laufen, Radfahren, Hyrox sowie Golf und Freitauchen bis 45 m Tiefe.

Helio Strap mit Schlafanalyse und Phantomaktivitäten

Das 47,4 x 47,4 x 12,3 mm große Gehäuse besteht aus einer Aluminiumlegierung. Das 1,5-Zoll-AMOLED-Display (480 x 480 Pixel) wird durch Saphirglas geschützt und erreicht bis zu 2.000 Nits. Selbst bei direktem Sonnenlicht ist es hervorragend ablesbar.

Mit 43 Gramm Gewicht ohne Armband trägt sich die Uhr angenehm leicht. Sie hält mit einer Akkuladung bis zu 21 Tage durch. Bei aktiviertem GPS sind bis zu 39 Stunden lange Trainingseinheiten möglich.

Es gibt zahlreiche Erholungs- und Belastungsmetriken: HRV, Ruhepuls, Stresslevel, Schlafanalyse, VO2max, anaerobe und aerobe Anstrengung, Erholungszeit und Fitnesslevel-Werte gehören dazu.

Auch die von Amazfit schon bekannten Offline-Outdoor-Maps sind enthalten, die ich per App als Regionalkarte auf die Uhr laden muss. Neben topografischen Karten lassen sich auch welche für Skipisten und 40.000 Golfplätze direkt auf der Uhr nutzen. Über sechs GNSS-Systeme inklusive GPS und Galileo gelingt die Ortung ohne auffällige Probleme.

Musik und Podcasts lassen sich direkt speichern und offline abspielen. Über Zepp Pay ist kontaktloses Bezahlen möglich, derzeit über die Curve-App und einige Mastercard-Banken. Die Zepp-App ermöglicht zudem die Anbindung an Plattformen wie Strava, Komoot, Apple Health und Training Peaks.

Ergänzt wird die Uhr durch das neue Helio Strap. Das Band lässt sich am Handgelenk ebenso wie am Oberarm tragen, für Letzteres gibt es aber noch keine Bänder.

Das Wearable misst mit einer Akkuladung zehn Tage lang rund um die Uhr zuverlässig und präzise die Herzfrequenz und die HRV sowie den Stress. Dazu kommen Schritte, Schlaf und so weiter. Das Helio Strap arbeitet mit Amazfits eigenem Biotracker-Sensor; das gleiche Modul verwendet die Balance 2.

Ein zentrales Element des Helio Strap ist ein neuer Wert namens Biocharge Energy Score, der an die Body Battery von Garmin erinnert. Er wird kontinuierlich über den Tag hinweg berechnet und auf Basis von Schlaf, Ruhephasen, Puls, HRV und Alltagsaktivität aktualisiert.

Die ermittelten Werte wirken durchgehend stimmig, aber Amazfit hat noch gewisse Probleme mit der Analyse. Das fällt vor allem beim Helio Strap auf, wenn man dort Aktivitäten automatisch erkennen lässt.

Jedenfalls hat das Ökosystem eine merkwürdige Neigung, über den Tag hinweg sehr viele Nickerchen und Aktivitäten automatisch zu erfassen. Teils hatten ich bis zu fünf Nachmittagsschläfchen in der App stehen – dabei war ich die ganze Zeit wach.

Ähnlich ist es mit den automatisch und ohne GPS erfassten Aktivitäten: Eine kurze Fahrt mit dem Rad zum Supermarkt ums Eck (insgesamt 10 bis 15 Minuten) wird dort mit zwei bis drei Sporteinheiten notiert.

Amazfit Balance 2 und Helio Strap: Verfügbarkeit und Fazit

Hier gibt es noch Verbesserungsbedarf, zumal Helio-Konkurrent Whoop in diesen Disziplinen fast perfekt ist. Immerhin kann ich Nickerchen und Aktivitäten löschen und die automatische Erfassung von Letzteren auch ganz deaktivieren.

Im Zusammenspiel mit der Amazfit Balance 2 entfaltet das Helio Strap sein volles Potenzial: Die Uhr liefert visuelle Rückmeldungen, ermöglicht Trainingssteuerung und hat Kartenintegration.

Gleichzeitig liefert das Band im Hintergrund kontinuierliche Daten – auch nachts oder bei Workouts ohne Uhr (bei Tennis und einigen anderen Sportarten sind Uhren eigentlich verboten).

Beide Geräte synchronisieren sich automatisch über die Zepp-App, was in der Praxis gut funktioniert. Weder für die Uhr noch für das Band ist ein Abo erforderlich; das macht das Paket auch preislich attraktiv.

Die Amazfit Balance 2(öffnet im neuen Fenster) kostet 300 Euro. Im Lieferumfang sind ein oranges und ein schwarzes Kunststoffband enthalten, ich finde die Haptik gut. Geladen wird über einen Ladepuk (USB-C, Kabel nicht enthalten).

Das Helio Strap(öffnet im neuen Fenster) ist für 100 Euro erhältlich, hier gibt es außer dem Ladepuk kein weiteres Zubehör. Die leicht unterschiedlichen Puks (extreme Verlier-Gefahr!) passen zwar nur wacklig ans jeweils andere Gerät, geladen wird aber trotzdem.

Fazit

Die Amazfit Balance 2 überzeugt mit starker Hardware, tollem Display und hervorragender Akkulaufzeit. Rund um Regeneration und Training liefert sie eine sehr gute Datenbasis – nicht nur für Läufer und Radfahrer; auch Taucher und Golfer sollten einen Blick auf das Wearable werfen.

Das schicke Gehäuse aus Aluminium wirkt hochwertig, das Saphirglas ist ein Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Zwar leistet sich die Software noch kleinere Schwächen, insgesamt ist die Uhr aber eine klare Empfehlung und im Vergleich mit nahezu allen Wettbewerbern fast schon unverschämt günstig.

Das Helio Strap ist für sich genommen ein ordentlicher Tracker, bequem zu tragen und mit zuverlässiger Erfassung von Puls und HRV. Die Auswertung in der App ist teils allerdings noch fehleranfällig und nicht immer nachvollziehbar, etwa bei Nickerchen und Aktivitäten.

Bei den grundlegenden Funktionen inklusive der wirklich guten Schlafanalyse nachts gibt es aber keine größeren Schwächen. Whoop bietet zwar mehr Analysen und das teils genauer, ist mit seinem Abomodell aber viel teurer.

Der einfache Wechsel zwischen den beiden Wearables funktioniert fast immer problemlos und fühlte sich schnell selbstverständlich an. Allerdings wünsche ich mir in der App mehr Transparenz über die aktuelle Datenquelle sowie eine funktionierende Automatik bei Aktivitäten.

Dennoch: Amazfit bietet mit Balance 2 und Helio Strap ein starkes Gesamtpaket. Jedes Gerät ist für sich überzeugend, im Team gibt es zudem einen gewissen Mehrwert.


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