Am eigenen Körper: Entwickler optimieren sich mit Peptiden aus China

Entwickler hacken sich selbst – so der dramatische Tenor eines Artikels in der New York Times(öffnet im neuen Fenster) . Sie sollen mit aus China eingeführten Peptiden Biohacking betreiben, um ihren Körper zu manipulieren.
US-Zolldaten zeigen einen dramatischen Anstieg: Die Importe von Hormon- und Peptidverbindungen aus China verdoppelten sich von 164 Millionen auf 328 Millionen US-Dollar beim Vergleich der ersten drei Quartale 2024 und 2025. Darin enthalten seien sowohl verschreibungspflichtige GLP-1-Medikamente als auch Graumarktalternativen, wie die New York Times berichtet.
Peptide sind Aminosäureketten, die Hormone regulieren und Entzündungen hemmen. Während GLP-1-Medikamente wie Ozempic für Gewichtsreduktion FDA-zugelassen sind, fehlt bei anderen kursierenden Peptiden jegliche behördliche Freigabe für den menschlichen Gebrauch.
Wachsender Markt für ungeprüfte Substanzen
Nutzer experimentieren dem Bericht nach mit BPC-157(öffnet im neuen Fenster) und TB-500(öffnet im neuen Fenster) zur Heilung nach Verletzungen, Oxytocin(öffnet im neuen Fenster) für verbesserte soziale Interaktion und Retatrutid(öffnet im neuen Fenster) – einem noch in klinischen Studien befindlichen Wirkstoff – für verschiedenste Zwecke. Ein Lieferant, der aufgrund rechtlicher Beschränkungen anonym bleiben möchte, berichtete gegenüber der New York Times, dass häufig Tech-Führungskräfte die Präparate in ihre Unternehmen einführen.
Die Substanzen treffen in den USA als Pulver mit der Aufschrift "nur für Forschungszwecke" ein und kosten etwa ein Fünftel der verschreibungspflichtigen Alternativen.
Dr. Eric Topol, Direktor des Scripps Research Translational Institute, bezeichnet die Praxis als "unbegründet und fahrlässig" . Die US-Zulassungsbehörde FDA warnt vor Kontaminationsrisiken und Immunreaktionen. Im Juli 2025 mussten dem Bericht nach zwei Frauen nach Peptidinjektionen bei einer Veranstaltung in Las Vegas hospitalisiert werden.
Nutzer experimentieren ohne Hintergrundwissen
Anelya Grant, eine 41-jährige Mitgründerin eines KI-Start-ups, habe dem Bericht nach 2023 mit Semaglutid(öffnet im neuen Fenster) begonnen und ihre Nutzung auf fünf weitere Peptide ausgeweitet. Sie bestelle bei chinesischen Herstellern und lasse die Reinheit von einem tschechischen Labor prüfen. Grant räumt ein, keinerlei pharmazeutischen oder medizinischen Hintergrund zu haben, und verlässt sich auf Reddit-Diskussionen, Podcasts und ChatGPT.
Die US-Regierung kündigte bisher keine Pläne zur Deregulierung von Peptiden an, abgesehen von der Zulassung einer oralen GLP-1-Variante(öffnet im neuen Fenster) . Onlinewerbung für nicht zugelassene Peptidwirkstoffe stieg laut Legitscript(öffnet im neuen Fenster) , einer Überwachungsfirma für pharmazeutisches Marketing, von 2022 bis 2024 um fast das Achtfache.