Können die deutschen Autobauer Tesla einholen?

Die Antwort lässt sich in einer Aussage finden, die der jüngsten ähnelt, aber in wichtigen Punkten von ihr abweicht. Am 13. November 2018, auf einer Konferenz zu Thema Elektromobilität in Berlin, erklärte Altmaier: "Ich würde mir natürlich auch wünschen, bei all den vielen guten Modellen, die es in der deutschen Automobilindustrie gibt, dass es auch eines für Elektromobilität gibt, das mindestens genau so sexy ist wie das des großen amerikanischen Herstellers. Das mindestens die Reichweite hat dieses Herstellers und das preislich in etwa dort liegt, wo man dieses andere Modell auch kaufen kann."

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Was zuerst auffällt: Aus "mindestens genau so sexy" wurde in wenigen Tagen "nur halb so sexy". Ist Altmaier also innerhalb weniger Tage zu der Ansicht gelangt, dass der Abstand zwischen den deutschen Herstellern und Tesla viel größer ist als zunächst vermutet? Wohl eher nicht. Vielleicht wollte er die Konzernchefs nur ein bisschen mehr provozieren als zuvor die versammelten Journalisten.

Diese Aussage erklärt aber, was Altmaier "sexy" findet: die schnöde Reichweite und das Preis-Leistungs-Verhältnis. Und hier hinken die deutschen Anbieter in der Tat deutlich hinterher. Ein Elektroauto wie das Model 3 mit einer großen Reichweite (500 Kilometer) zu einem vertretbaren Preis (49.000 US-Dollar) haben sie nicht im Angebot. Auch haben sie noch kein Schnellladenetz aufgebaut, mit dem sich ihre Elektroautos mit 120 Kilowatt zügig aufladen lassen. Vor allem aber: Das Model 3 ist schon in großem Umfang lieferbar. Zwar gab es in den ersten Monaten ziemlich große Produktionsprobleme, doch inzwischen laufen mehrere Tausend Exemplare jede Woche vom Band.

  • Das Model 3 ist seit etwa einem Jahr in den USA erhältlich. Häufig schließen die Türen nicht richtig. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Die Limousine ist in vieler Hinsicht kein gewöhnliches Auto. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Im Innenraum gibt es kaum Schalter und Hebel, dafür einen großen zentralen Bildschirm. (Foto: Karin Cooper)
  • Es gibt nur einen Hebel für Blinker (2) und Gangwahl (4) sowie zwei Scroll-Buttons (13, 15) am Lenkrad. (Grafik: Tesla)
  • Der Touchscreen hat zwei Bereiche. Zwei Drittel sind für die Navigation reserviert. (Foto: Karin Cooper)
  • Es gibt keinen Türschlüssel, sondern nur einen dünne Schlüsselkarte. (Foto: Tesla)
  • Zum Losfahren muss die Karte an einen Transponder in der Mittelkonsole gehalten werden. (Foto: Tesla)
  • Der Ladestecker in den USA unterscheidet sich vom europäischen Typ-2-Stecker. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • An einem Supercharger lässt sich mit bis zu 120 kW der 75-kWh-Akku aufladen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Der Supercharger in Petaluma verfügt inzwischen über 20 Ladesäulen. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Ist der Akku noch mehr als halb voll, lädt er nur mit einer deutlich geringeren Leistung. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Model 3 hat acht Kameras, zwei davon an den beiden vorderen Kotflügeln. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Zusätzlich gibt es zwölf Ultraschallsensoren und ein Radar. (Grafik: Tesla)
  • Im vorderen Kofferraum findet sich Platz für die Ladeadapter. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
  • Das Model 3 verfügt über ein Kofferraumvolumen von insgesamt 425 Litern. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)
Das Model 3 ist seit etwa einem Jahr in den USA erhältlich. Häufig schließen die Türen nicht richtig. (Foto: Friedhelm Greis/Golem.de)

Der neue Audi E-Tron muss sich in puncto Fahreigenschaften, Ausstattung und Leistung sicherlich nicht hinter dem Model 3 verstecken. Allerdings ist er mit einem Basispreis von 80.000 Euro auch deutlich teurer. Das liegt auch an den höheren Akkukosten. Laut Audi kostet die Batterie mit ihren 95 Kilowattstunden (kWh) alleine mehr als 25.000 Euro. Das wären rund 250 Euro pro kWh. Nicht viel günstiger dürfte die Batterieherstellung beim neuen Daimler EQC sein.

Tesla baut die günstigsten Batterien

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Einer Analyse der Bank UBS zufolge könne Tesla hingegen seine Batteriezellen für einen Preis von 111 US-Dollar pro kWh in seiner Gigafabrik in Nevada produzieren, berichtete die Financial Times (Paywall). Damit sei das Unternehmen noch deutlich günstiger als die asiatischen Hersteller wie LG Chem, CATL oder Samsung SDI.

Selbst wenn die deutschen Autokonzerne die Zellen möglichst günstig in Asien kauften und hierzulande die Batterien zusammenbauten, hätte Tesla noch einen Preisvorteil. Zudem verfügt das Unternehmen schon über Know-how und muss keine Lieferengpässe in Asien fürchten. Altmaier will hingegen die Batteriezellen in Deutschland fertigen lassen, auch wenn er eingeräumt hat, dass Europa den Wettlauf um die billigste Produktion nicht gewinnen könne.

Bundesregierung könnte Elektroautos sexyer machen

Das alles sollte aber nicht ausschließen, dass die deutschen Hersteller in den kommenden Jahren ein Elektroauto liefern können, das "mindestens so sexy" wie ein Tesla ist. Vor allem Volkswagen will bekanntlich ganz groß in die Elektromobilität einsteigen und 44 Milliarden Euro investieren. Doch ein Elektroauto kann noch so sexy sein: Wer es nicht zu Hause oder unterwegs aufladen kann, wird es dennoch nicht attraktiv finden.

An dieser Stelle ist aber die Bundesregierung selbst in der Pflicht. Der Minister soll den Autochefs ans Herz gelegt haben: "Was die Attraktivität ihrer E-Autos betrifft, könnten Sie tatsächlich noch einige frische Ideen einbringen." Eine frische Idee wäre es auch, wenn die Bundesregierung endlich einen praktikablen Anspruch auf eine Lademöglichkeit bei privaten Stellplätzen auf den Weg bringen würde. Oder wenn das Eichrecht so unbürokratisch wie in anderen Staaten ausgelegt würde, dass eine verbrauchsabhängige Abrechnung an Ladesäulen möglich wäre.

Doch frische Ideen hat die Bundesregierung derzeit vor allem beim Dieselskandal, wie das jüngste Beispiel mit der Videoüberwachung von Kennzeichen zeigt. Dieser Vorschlag war aber wirklich alles andere als sexy.

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 Altmaier-Kritik: Wie sexy muss ein deutsches Elektroauto sein?
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SanderK 02. Dez 2018

HM, wenn ich immer höre, eigene Lade Infrastruktur. Stellt sich mir die Frage, ob die...

waldschote 02. Dez 2018

Die letzte Meldung seitens Mercedes sah eher düster aus. Der Assistent hat sich...

Model3_Driver 29. Nov 2018

Bei der Aussage dass die meisten Karren hier keine Wurst von Teller ziehen gebe ich Dir...

jones1024 28. Nov 2018

Dies habe ich neulich in netter Runde mit meinen Kumpels diskutiert... und wir sind...



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