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Altlasten: Portugals Bahn setzt noch auf Windows 2000

Ein Fahrkartenautomat in Portugal nutzt noch Windows 2000 . Der Fund bei Wartungsarbeiten zeigt, wie lange IT-Altlasten überleben.
/ Przemyslaw Szymanski
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Verpackung von Microsoft Windows 2000 (Symbolbild) (Bild: HENNY RAY ABRAMS/AFP via Getty Images)
Verpackung von Microsoft Windows 2000 (Symbolbild) Bild: HENNY RAY ABRAMS/AFP via Getty Images

Mitten im laufenden Betrieb des portugiesischen Bahnverkehrs ist ein technisches Relikt sichtbar geworden: Wie The Register(öffnet im neuen Fenster) unter Berufung auf einen Leser berichtet, zeigte ein Fahrkartenautomat beim Neustart nicht eine moderne Oberfläche, sondern den Ladebildschirm von Windows 2000 – ein Betriebssystem, das im weltweiten Desktop-Umfeld heute praktisch keine Rolle mehr spielt.

Der Automat gibt im Alltag keinen Hinweis auf sein Innenleben. Er verkauft Tickets, nimmt Zahlungen entgegen und fügt sich unauffällig in den Stationsbetrieb ein. Erst im Zuge von Wartungsarbeiten, als Techniker das Gerät öffneten und das System neu starteten, wurde sichtbar, welche technische Basis hier tatsächlich arbeitet. Für Fahrgäste bleibt diese Ebene normalerweise verborgen.

Windows 2000 wurde im Jahr 2000 als Nachfolger von Windows NT 4.0 vorgestellt und sollte Stabilität und Mehrbenutzerfähigkeit in die damalige Windows-Welt bringen. Das System war vor allem in Unternehmen verbreitet, galt als vergleichsweise robust und bildete die Grundlage für spätere Versionen wie Windows XP.

Der reguläre Support endete 2005, Sicherheitsupdates stellte Microsoft 2010 ein – seitdem wird die Software nicht mehr gepflegt und gilt aus heutiger Sicht als sicherheitstechnisch überholt.

Altlasten in der IT-Infrastruktur

Nichtsdestotrotz wird das System immer noch verwendet. So wurde nach dem Raubüberfall auf den Louvre im Oktober 2025 beispielsweise bekannt, dass im Bürokommunikationsnetz des Pariser Kunstmuseums noch mehrere veraltete Systeme im Einsatz waren – darunter auch Windows 2000.

Der Vorfall rückte schlagartig ins öffentliche Bewusstsein, dass selbst renommierte Institutionen ihre internen IT-Strukturen teils seit Jahren nicht grundlegend modernisiert haben. Solche Altlasten finden sich vor allem dort, wo IT über lange Zeiträume gewachsen ist und einzelne Anwendungen nie ersetzt wurden. In Verwaltungen, Verkehrsbetrieben oder Kultureinrichtungen laufen häufig spezialisierte Programme, die auf alten Plattformen basieren und eng mit der jeweiligen Infrastruktur verzahnt sind.

Im breiten Desktop-Markt ist das System längst verschwunden. Aktuelle Marktanalysen(öffnet im neuen Fenster) zeigen, dass nahezu alle Windows-Rechner heute mit Windows 10 oder Windows 11 betrieben werden, während ältere Versionen nur noch statistische Randerscheinungen sind. Windows 2000 taucht in diesen Auswertungen nicht einmal mehr als messbare Kategorie auf – ein deutliches Zeichen dafür, wie vollständig die Plattform aus dem Alltag verschwunden ist.


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