Altersvorsorge: Wie bei Betriebsrenten und Riester-Rente gekürzt wird

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Wer gut verdient, kann es sich meist leisten, fürs Alter vorzusorgen. Das gilt auch für Arbeitnehmer und Selbständige in der IT-Branche. Viele zahlen in eine Betriebsrente, Riester-Rente oder Rürup-Rente ein.
Doch viele könnten zum Rentenbeginn weniger Zusatzrente bekommen als erwartet. Das liegt am sogenannten Rentenfaktor. Dieser Umrechnungsfaktor legt fest, wie viel Geld eine Vorsorgesparerin oder ein Vorsorgesparer einmal monatlich aus seinem angesparten Guthaben im Ruhestand bekommen wird.
Und diesen Rentenfaktor haben etliche Versicherer in der Niedrigzinsphase gekürzt. Nur, das dürfen sie nicht einfach so, wie mittlerweile ein Urteil des Bundesgerichtshofs zeigt. Wer jetzt auf seine Verträge schauen sollte, was die Verbraucherzentralen raten, um kein Geld zu verlieren – ein Überblick.
Wie fiel einem Informatiker der Schwund bei seiner zukünftigen Betriebsrente auf?
Matthias Häußer, 52, hatte 2002 angefangen, für seine betriebliche Altersversorgung Geld zurückzulegen. Damals führte die rot-grüne Bundesregierung die Riester-Rente und die geförderte betriebliche Altersvorsorge für diejenigen ein, die einen Teil von ihrem Gehalt für eine spätere Betriebsrente abknapsen wollen.
"Ich dachte mir, das ist doch eine gute Sache. Außerdem habe ich von meinem damaligen Arbeitgeber einen kräftigen Zuschuss bekommen," sagt der Diplom-Informatiker. Das Geld zahlte Häußer in die Metallrente ein, Deutschlands größtes Branchenversorgungswerk mit mehr als einer Million Versicherten, gegründet vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall und der Gewerkschaft IG Metall.
Insgesamt waren das inklusive der Zuschüsse seiner Arbeitgeber 18.276 Euro, bis Häußer seinen Vertrag beitragsfrei stellte, aber weiterführte, damit sich das angesparte Guthaben weiter vermehren kann. Sein Geld, das in verschiedene gemanagte Aktienfonds floss, aber nicht in kostengünstigere Aktien-ETFs, legt der Versicherungskonzern Allianz an. Dieser jedoch kürzte den Rentenfaktor mehrmals, zuletzt 2021. "Mir ist das aufgefallen, weil ich auch das Kleingedruckte durchlese," sagt Häußer.
Wie hat sich die Kürzung des Rentenfaktors in Euro und Cent ausgewirkt?
Der Informatiker hat nachgerechnet. Sein Ergebnis: Der Rentenfaktor wurde um etwa ein Drittel gesenkt. Was aber bedeutet das in Euro und Cent?
Mit dem Faktor wird festgelegt, wie viel Geld Kunden pro 10.000 Euro an angesammeltem Kapital später als Rente erhalten. Bei Häußers Vertrag betrug der Rentenfaktor am Anfang 51,43. Pro 10.000 Euro sollte es also 51,43 Euro Rente monatlich lebenslang geben.
Nach insgesamt drei Senkungen 2005, 2017 und 2021 beläuft sich der Rentenfaktor aber bis zuletzt auf nur noch 33,70. Statt einer Rente von 51,43 Euro pro 10.000 Euro Vertragsguthaben würde Häußer also nur noch 33,70 Euro bekommen. Sollte das Guthaben wie prognostiziert bis 2037 beim Rentenantritt und einem Wertzuwachs von zum Beispiel vier Prozent pro Jahr auf mehr als 70.000 Euro gewachsen sein, wären dies pro Monat schon etwa 124 Euro weniger. Und das vielleicht 15, 20 Jahre lang oder länger, je nachdem wie lange Häußer lebt.