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Alternative zu IPS: Sind OLED-Monitore mittlerweile im Büro gut nutzbar?

Gaming, Heimkino – und vielleicht sogar Büro? Das OLED -Sortiment ist inzwischen so groß, dass ein genauerer Blick auf mögliche Einsatzszenarien lohnt. Dabei zeigen sich ungelöste Probleme.
/ Oliver Nickel
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OLED oder IPS? Das ist durch die immer bessere Auswahl an OLED-Bildschirmen eine interessante Frage. (Bild: Oliver Nickel/Golem.de)
OLED oder IPS? Das ist durch die immer bessere Auswahl an OLED-Bildschirmen eine interessante Frage. Bild: Oliver Nickel/Golem.de

Seitdem es OLED-Fernseher gibt, wird auch gefragt: Wäre es nicht sinnvoll, OLED-Panels auch für kleinere Bildschirme zu entwickeln? Bei einigen Produkten gab es eine schnelle Antwort: Seit vielen Jahren gibt es sie etwa in High-End-Smartphones. Monitore, die für den Computerarbeitsplatz taugen, sind allerdings erst in den letzten Jahren in Mode gekommen.

Mit Samsungs QD-OLED-Panels und LGs länger bekanntem W-OLED herrscht aktuell ein Konkurrenzkampf, wer die besten Monitore mit OLED baut. Doch kann die Technik mit den gerade hier weit verbreiteten LC-Panels und speziell IPS mithalten? Golem.de hat dafür zwei Monitore vom Hersteller Asus gestellt bekommen. Der ROG Swift PG42UQ(öffnet im neuen Fenster) mit OLED-Panel und der Proart PA32UCG(öffnet im neuen Fenster) mit IPS-Display decken unterschiedliche Einsatzzwecke ab: Entertainment und Gaming (PG42UQ) und Grafik- und Videobearbeitung (PA32UCG). Aus unserer Erfahrung können wir allgemeine Schlüsse ziehen und beantworten, warum OLED am Arbeitsplatz teils noch immer umstritten ist.

Das liegt vor allem daran, dass OLED-Bildschirme durch ihre vielen Selbstschutzmechanismen nicht in allen Situationen die gleichen Farben und Helligkeiten anzeigen. Stattdessen dunkelt das System ab, wenn beispielsweise zu große hellleuchtende Flächen eingeblendet sind. Das ist bei den meisten Webseiten, E-Mails oder Bürodokumenten der Fall.

Burn-in als offensichtlicher Nachteil

Der Grund für diesen Schutz ist simpel: Werden helle Flächen zu lang auf einer Stelle angezeigt, nutzen sich die OLEDs schneller ab und erzeugen den berüchtigten Burn-in-Effekt . Der lässt sich bei der Nutzung eines OLED-Panels als PC-Bildschirm über kurz oder lang nicht vermeiden, da einige statische Elemente wie die Windows-11-Taskleiste oder die MacOS Menüleiste permanent eingeblendet werden.

Einige Hersteller verbauen in ihren OLED-Panels Anzeigemodi, die eine konstante Helligkeit unabhängig von den gezeigten Farben zeigen. Der Bildschirm begrenzt sich dabei meist auf eine Helligkeit von 200 cd/m² oder weniger. Das ist auch beim Testmuster des PG42UQ der Fall. Schalten wir die konstante Helligkeit ein, pendelt sich das Panel bei knapp unter 200 cd/m² (198 cd/m²) ein.

Dabei kann der Monitor an sich lokal wesentlich heller leuchten, wenn wir ein recht kleines weißes Quadrat auf ansonsten schwarzem Hintergrund messen. In unserem Testszenario nimmt dieses Quadrat etwa vier Prozent der Bildschirmfläche ein. Hier messen wir maximale Helligkeitswerte von 437 cd/m². Im Mittel sind noch 427 cd/m² drin.

Übrigens erreicht auch unser Vergleichsmodell mit IPS-Panel ähnliche Werte. Der Proart-Monitor leuchtet mit maximal 470 cd/m² und kommt im Durchschnitt über neun Messfelder auf 447 cd/m². Bei eingeschaltetem HDR können wir sogar Spitzen von bis zu 1.830 cd/m² messen. Wir sehen also: Asus hat das Modell speziell für Profis gebaut, die unter anderem mit High-Definition-Inhalten arbeiten.

Spiel oder Büro

Gerade im TV-Bereich gibt es auch Bildschirme, die in HDR-Spitzen von 1.000 cd/m² und mehr erreichen. Das messen wir hier beim 41,5 Zoll großen OLED-Monitor nicht. Generell ist eine so helle dauerhafte Beleuchtung auch unangenehm für die Augen.

Für das Anzeigen von Filmen ist das Panel auch nicht primär ausgelegt. Der PG42UQ soll sich mit seinem großen OLED-Panel mit 41,5 Zoll Diagonale und 4K-Auflösung größtenteils an Spiele-Enthusiasten richten. Das wird vor allem durch die sehr guten Kontraste, die hohe Bildfrequenz, Zusatzfunktionen wie G-Sync und die schnelle Pixelreaktionszeit sichtbar.

Übrigens können wir in der Theorie auch mit dem Proart-Panel spielen, da es als IPS-Gerät gute Pixelreaktionszeiten und mit 120 Hz eine schnelle Bildfrequenz bieten kann. An das OLED-Display kommt es in dieser Disziplin nicht heran.

OLED für schnelle Panels

Unsere beiden Testmuster sind zwar in ihrer Zielgruppe bereits sehr unterschiedlich aufgestellt, beispielsweise ist der PG42UQ mit 41,5 Zoll viel größer als der Proart PA32UCG mit 32-Zoll-Panel. Auf dem Papier sind sie abseits davon aber einigermaßen gut vergleichbar. Beide Monitore lösen mit 3.840 x 2.160 Pixeln auf und bieten wie erwähnt eine ähnliche Ausleuchtung bei SDR-Content.

Die reinen Leistungswerte sind aus den eher versteckten Unterschiede zwischen IPS und OLED also nur schwer ersichtlich. Schauen wir uns die Pixelreaktionszeiten an, dann sehen wir den OLED-Monitor als Vertreter einer immer weiter wachsenden Produktklasse klar vorn. Im UFO-Benchmark zieht das Panel kaum sichtbare Schlieren und Objekte sind auch in kompetitiven Games bei schnellen Bewegungen erkennbar.

Getestet haben wir das in Valves Shooter CS:GO und im Battle-Royale-Spiel Apex Legends. In beiden Spielen kommt es auf eine schnelle Reaktionsfähigkeit und ebenso schnelle Bewegungen an. Zieht das Panel hier sichtbare Schlieren, können wir das Fadenkreuz und unser Ziel schneller aus den Augen verlieren. Sehr deutlich sichtbar wird das etwa bei Monitoren mit VA-Technik, einer LCD-Alternative zu IPS. So bemerkten wir etwa beim Test des ebenfalls sehr großen Asus PG43UQ enormes Ghosting und Schlieren – selbst beim simplen Verschieben von Fenstern in Windows.

OLED bei großen Monitoren gute Wahl

Der nahezu gleichgroße PA42UQ mit OLED-Panel behebt dieses Problem fast komplett. Und auch im Vergleich zum IPS-Panel im Proart-Monitor sehen wir merklich bessere Ergebnisse sowohl im UFO-Benchmark als auch in den von uns getesteten Multiplayer-Shootern.

In Games sind zudem eine dynamische Helligkeit oder andere Probleme wie Burn-in kaum ein Problem. Wir sehen Helligkeitsunterschiede bei bewegten Bildern nur, wenn wir uns wirklich darauf konzentrieren. Burn-in wird währenddessen durch den sich ständig ändernden Bildschirminhalt vermindert.

Wir sehen OLED-Panels deshalb gerade bei Gaming-Monitoren als noch besser abschneidende Alternative zu IPS. Dabei sollten wir beachten, dass die Auswahl an OLED-Monitoren aktuell noch nicht so vielfältig ist. Schauen wir auf das Sortiment, fehlen beispielsweise Geräte mit enormen Bildfrequenzen von mehr als 240 Hz (obwohl einige Hersteller wie Dell daran arbeiten). Diese Kategorie der E-Sport-Monitore bleibt aktuell noch IPS- und TN-Panels vorbehalten.

Auch Fans kleinerer Bildschirme von unter 27 Zoll werden im OLED-Bereich nicht fündig. Aktuell konzentrieren sich Hersteller wie Asus, Samsung, LG und Corsair eher auf die größeren Displays. Formate wie beim 45 Zoll großen Corsair Xeneon Flex (Test) sind dafür nur OLED-Panels vorbehalten. Bei manchen Anforderungen bleibt also nicht die Wahl zwischen LCD und OLED.

IPS für alle Situationen gut geeignet

Ist dies doch einmal der Fall, dann stellen sich IPS-Panels wie der PA32UCG von Asus als bessere Allround-Lösungen heraus. Hier müssen wir uns keine Gedanken um die Langlebigkeit der Panels machen. Auch Golem.de nutzt teilweise zehn Jahre alte Monitore für Tests oder als Backuplösungen, während einige Langzeittests von OLED-Fernsehern und Monitoren eher gegen OLED als echten LCD-Ersatz in allen Bereichen sprechen.

Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass etwa im Profibereich fast ausschließlich IPS zum Einsatz kommt. Die Technik bietet helle und vor allem sehr genaue und konstante Farben und unterbricht den Arbeitsfluss nicht durch OLED-Wartungsfunktionen wie Pixel Shifting.

Farben können beide Techniken gut darstellen

In unserem konkreten Vergleich schneiden beide Monitore in Sachen Farbraumabdeckung gut ab. Der OLED-Monitor erreicht bei eingeschaltetem Helligkeitsstabilisator immerhin 92,8 Prozent des DCI-P3-Farbraumes. Das Panel hat dafür ein integriertes separates DCI-P3-Profil, durch das wir überraschend gute Farbwerte erreichen. Im Gaming-Bereich werden wir kaum besser ab Werk kalibrierte Panels finden.

Als dedizierter Studiomonitor ist der Proart PA32UCG natürlich trotzdem noch einmal besser aufgestellt. Der integriert ebenfalls vorkalibrierte Farbprofile, die sich nach gängigen Standards wie DCI-P3, SRGB und Adobe RGB richten. Im Standard-Profil konzentriert sich der Monitor auf den im Profibereich oft genutzten Adobe-RGB-Farbraum. Der wird hier zu 97,4 Prozent abgedeckt, wobei der DCI-P3-Farbraum etwas vernachlässigt und nur zu 84,9 Prozent abgedeckt wird.

Bei diesem Monitor liefert der Hersteller auch ein separates Kalibrierungsgerät von X-Rite mit. User können sich ihren Monitor also so kalibrieren, wie sie möchten.

OLED auch im Profi-Bereich

Die Einschränkungen von OLED halten Asus nicht davon ab, auch Monitore mit dieser Technik für Medienprofis auf den Markt zu bringen. In der Proart-Reihe gibt es etwa den Proart PA32DC(öffnet im neuen Fenster) , dessen Daten denen unseres Testmusters ähneln. Ein Vorteil von OLED kann auch im Profibereich der im Vergleich zu IPS wesentlich bessere Kontrast sein. Da OLED-Subpixel selbst leuchten, können sie sich bei absoluten Schwarzwerten auch komplett ausschalten. Das Kontrastverhältnis zwischen hellen und dunklen Werten beträgt deshalb praktisch nahezu unendlich:1.

Ein typisches IPS-Panel kommt hingegen auf vergleichsweise geringe 1.000:1, da Subpixel stets aktiv von weißen Hintergrund-LEDs beleuchtet werden müssen. Mittels Mini-LEDs wird bereits ein Kompromiss genutzt. Dabei handelt es sich um eine besonders präzise Hintergrundbeleuchtung. Eine solche feinkörnige Matrix vermindert leuchtende Ringe um helle Objekte wie beispielsweise den Mauscursor. Bei unserem Testmuster sind es 1.152 Local-Dimming-Zonen.

Unser Proart-Display kann vor allem in HDR sehr gute Kontraste erreichen. Wir messen einen maximalen Schwarz-Weiß-Kontrast von überdurchschnittlich guten 4.662:1. Dabei leuchtet die dunkelste Stelle mit 0,32 cd/m² und die hellste Stelle mit 1.492 cd/m². Nur in unrealistischen Situationen sehen wir dabei einen leichten Halo-Effekt um helle Elemente. Bei normaler Nutzung und in Spielen dürfte das nicht ins Gewicht fallen.

OLED-Displays haben aber einen Vorteil, den LCD-Panels wohl allein durch ihre Bauweise niemals erreichen können.

OLED oder nicht OLED, das ist die Frage

Schon in Smartphones und Tablets probieren einige Hersteller die relativ flexiblen Eigenschaften von OLED-Panels aus. Foldables, Rollables und andere besondere Gerät sind ein Beweis dafür. Auch Corsair hat mit dem Xeneon Flex ein interessantes Konzept geschaffen: einen Gaming-Monitor, dessen Krümmung sich manuell einstellen lässt. Die selbstleuchtenden OLEDs lassen sich eben auch auf flexible Materialien verbauen. Die ermöglichen einige interessante Konzepte, die so mit LC-Panels bisher nicht umgesetzt werden konnten.

Beim Thema Energiebedarf nehmen sich beide Techniken nicht viel. OLED-Panels können gerade bei dunklen Inhalten mit merklich weniger Energie auskommen, da sich Teile des Panels komplett abschalten oder abdimmen. IPS und andere LC-Techniken sind in ihrem Energiebedarf konsistenter. Insgesamt kommt es hier auf die Displaygröße und die verwendete Helligkeit an. Es wundert etwa nicht, dass der PG42UQ mit 41,5-Zoll-Panel etwa 220 Watt benötigt, während der Proart PA32UCG mit 55 Watt auskommt.

Fassen wir also zusammen: Trotz einiger Nachteile ergänzen sie das verbreitete LCD doch recht gut. Vor allem im Entertainment-Bereich profitieren User von den sehr starken Kontrasten und daraus resultierenden stark wirkenden Farben. OLEDs sind zudem sehr reaktionsschnell und können deshalb besonders in Gaming-Szenarien klar vor IPS, VA und TN bleiben.

Noch immer nicht die beste IPS-Alternative

Die Nachteile sind aktuell allerdings noch sehr offensichtlich: Primär sind OLEDs für das Anzeigen statischer Inhalte und damit für die meisten Büroarbeitsplätze noch immer nicht so gut geeignet. Die Gefahr von Burn-in und einem starken Verschleiß ist aktuell noch recht groß.

Zum Selbstschutz blenden OLED-Panels homogene helle Flächen deshalb selbstständig ab, was gerade im Arbeitsalltag stark nerven kann. Hersteller ermöglichen bei den meisten OLED-Panels wie etwa dem hier gezeigten Asus PG42UQ zwar einen Helligkeitsstabilisator. Dann beschränken sich OLED-Panels aber in der Regel auf eine geringe Ausleuchtung von nur 200 cd/m². Das reicht für den düsteren Spielekeller, könnte im lichtdurchfluteten Büro aber schnell nicht mehr ausreichen.

IPS-Panels sind hier noch immer die beste Alternative. Unser Beispiel zeigt zudem, wie enorm hell und farbgenau Monitore mit LC-Panel sein können. Der PG32UCG eignet sich mit 120 Hz sogar für Spiele, auch wenn die Pixelreaktionszeiten nicht ganz an die eines OLED-Panels heranreichen.

Kleinere Diagonalen nur mit LCD

Die Auswahl an IPS-Monitoren ist aktuell zudem gerade im kleineren Zoll-Bereich viel größer, so dass wir hier öfter fündig werden. OLED-Panels haben sich derweil ungewöhnlichere und größere Formate reserviert. Einen besseren 42-Zoll-Monitor als den PG42UQ werden wir beispielsweise aktuell kaum finden, da die meisten LC-Panels in dieser Größe auf dem zwar farbstarken, aber sehr langsamen VA basieren.

Mit Samsungs QD-OLED (Test des Alienware AW3423DW) , das ausschließlich auf den energetischeren blauen OLEDs basiert, sollen Probleme wie Burn-in verringert werden. Aktuell ist der Hersteller aber noch nicht in vielen Monitoren vertreten.

Das könnte sich im Jahr 2024 ändern, wenn Hersteller wie Alienware und MSI ihre Sortimente um 16:9-Monitore mit QD-OLED ergänzen .

Aktuell ist es ratsam, auf OLED im Büro zu verzichten. Für das heimische Entertainment und im Gaming-Bereich sind sie aber bereits eine solide Alternative zu IPS.


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