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Lee Sedol (links) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel
Lee Sedol (links) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel (Bild: Screenshot der Pressekonferenz)

Alpha Go: Einer der weltbesten Go-Spieler verliert wieder gegen die KI

Lee Sedol (links) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel
Lee Sedol (links) auf der Pressekonferenz nach dem Spiel (Bild: Screenshot der Pressekonferenz)

Auch das zweite Spiel zwischen Lee Sedol und dem Programm Alpha Go im chinesischen Traditionsspiel Go hat die künstliche Intelligenz gewonnen. Nach über vier Stunden gab der Südkoreaner auf und lobte das System für ein fast perfektes Spiel.
Von Frank Wunderlich-Pfeiffer

Googles Programm Alpha Go hat zum zweiten Mal gegen Lee Sedol gespielt, einen der besten Go-Spieler der Welt. Bis vor kurzem waren Profispieler in diesem Spiel von Computern ungeschlagen. In einem Match von fünf Spielen geht es nun um eine Million US-Dollar. Aber auch im zweiten Spiel des Matches konnte Lee Sedol keinen Sieg davontragen.

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Alpha Go begann das zweite Spiel mit den schwarzen Steinen. Sie hatte also am Anfang die Initiative - und gab sie bis zum Ende nicht mehr ab. Zum ersten Mal konnte Alpha Go damit die Eröffnung maßgeblich bestimmen.

Hier zeigten sich wesentliche Unterschiede zu den Spielen zwischen Alpha Go und Fan Hui im Oktober. Damals hielt sich die künstliche Intelligenz ganz wesentlich an bekannte Eröffnungen und Abspiele. Sie benutzte im gesamten Spiel eine sehr konservative Spielweise, die einige deutliche Schwächen zeigte. Inzwischen hat das Programm diese Schwächen überwunden.

Der Auftakt von Alpha Go war kreativ: Sie begann zunächst mit einer bekannten Eröffnung, auf den 4-4 und 3-4 Punkten, entlang der oberen Seite des Bretts. Alpha Go griff dann die Ecken des Gegners an und unterbrach den Angriff auf die zweite Ecke um die orthodoxe Eröffnung mit einem weiteren Zug zu einer chinesischen Eröffnung zu verwandeln, die auf starken Einfluss entlang er gesamten Seite abzielt. Im Allgemeinen wird die chinesische Eröffnung gleich im mit dem dritten Spielzug vollendet.

Einen Angriff auf die untere linke Ecke ignorierte das Programm zunächst, um seine Steine vom abgebrochenen Angriff in der rechten Ecke mit einem sehr direkten Angriff zu stärken. Ein ungewöhnlicher neuer Zug, der von typischen Abspielen (Joseki) in der Ecke abweicht, aber eine Antwort erforderte. Michael Redmond kommentierte ihn damit, dass Go-Spieler genau wegen solcher Züge Profis werden. Sie mögen neue Strategien und lieben es, über sie nachzudenken.

Anschließend wandte sich Alpha Go wieder der unteren linken Ecke zu. Dieser Angriff hinterließ aber eine schwache Gruppe, was im Verlauf eines Go-Spiels leicht zu einer Last werden kann, wenn der Gegner mit Angriffen auf eine schwache Gruppe seine eigene Position stärkt.

Ein schlechter Zug wird zum guten Zug

In Erstaunen versetzte die Kommentatoren, wie Alpha Go mit dem Angriff Lee Sedols auf die obere rechte Ecke umging: Lee schloss seinen Angriff so ab, dass er kein Territorium sichern sollte, sondern auf der vierten Reihe vom Rand größeren Einfluss auf das Brett sichert. Alpha Go griff diesen Stein an - auf der fünften Reihe. So weit oben, dass es üblicherweise als schlechter Zug aufgefasst wird, weil er dem Gegner zu viel Territorium gibt.

Etwas Ähnliches passierte auch schon in der Eröffnung des ersten Spiels, und genau wie dort hatte es einen guten Grund. Der zusätzliche Einfluss von Alpha Gos schwarzen Steinen auf der mittleren rechten Seite half dabei, die schwache Gruppe in der unteren linken Ecke abzusichern. Solche Strategien, bei denen Steine auf der einen Seite des Bretts einen starken Einfluss auf eine andere Seite des Bretts haben, gibt es im Go immer wieder. Sie machen einen großen Teil der Faszination des Spiels aus und Alpha Go hat sie hier meisterhaft eingesetzt.

  • Zug 37 versetzte die Experten in Erstaunen. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Nach 210 Zügen gab Lee Sedol auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
Zug 37 versetzte die Experten in Erstaunen. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)

Lee Sedol konnte sich dennoch zur Wehr setzen. Obwohl er größtenteils in der Defensive war, schloss er bis zur Mitte des Spiels wieder auf, was auch die Programmierer in den Programmstatistiken sahen. Gegen Ende des Mittelspiels geriet er aber in Zeitnot. Am Ende der regulären Bedenkzeit hatte jeder Spieler noch eine Minute pro Zug und zweimal die Möglichkeit, eine zusätzliche Minute in Anspruch zu nehmen. Diese beiden Minuten brauchte er fast sofort, in einer sehr unübersichtlichen Situation am rechten Rand.

Das Endspiel war dann geprägt vom Abtausch von Gruppen. Beide Spieler fingen Steine des Gegners, die aber ähnlich viele Punkte wert waren. Später leistete sich Alpha Go reine Sicherheitszüge. Das ist ein typisches Verhalten von Go-Programmen: Sie maximieren die Wahrscheinlichkeit des Sieges, nicht den Vorsprung. Wenn der Computer in Führung ist, führt das im Allgemeinen zu sehr knappen Ergebnissen, die aber nie gefährdet sind. Ein Computer im Rückstand neigt dagegen zu waghalsigen Zügen, die bei einem Fehler des Gegners vielleicht noch einen Sieg möglich machen könnten.

Eine klare Niederlage

Bis zum Ende des Spiels verlor Lee Sedol jeden Vorsprung, den er möglicherweise hatte und gab schließlich auf. Nach dem Spiel sagte Lee, dass er recht sprachlos sei; es sei eine klare Niederlage, bei der er sich nie in einer klaren Gewinnsituation gesehen habe. Er lobte Alpha Gos fast perfektes Spiel ohne schwache Züge. Dennoch werde er nicht aufgeben und vor allem versuchen, eine stärkere Eröffnung zu spielen, nachdem er in diesem Spiel am Anfang einen sehr konservativen Ansatz gewählt habe. Diese Ankündigung sollte nicht unterschätzt werden, denn Lee Sedol ist für seine sehr kämpferischen Spiele bekannt.

  • Zug 37 versetzte die Experten in Erstaunen. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
  • Nach 210 Zügen gab Lee Sedol auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)
Nach 210 Zügen gab Lee Sedol auf. (Screenshot: Frank Wunderlich-Pfeiffer)

Derweil meldete sich ein junger, aufstrebender chinesischer Spieler zu Wort. Der 1997 geborene Ke Jie gilt als äußerst talentiert und wird von vielen Go-Spielern beobachtet, nachdem er seit 2014 eine Reihe sehr guter Spiele gezeigt hat. Er hat 6 von 8 Spielen gegen Lee Sedol gewonnen, wird wegen seiner sehr kurzen Go-Karriere aber noch nicht zur Weltspitze gerechnet. In einem Interview mit der Shanghai Daily sagte er, dass er Alpha Go jetzt noch schlagen könne. Doch auch er räumt sich nur eine 60-Prozent-Chance ein und glaubt, dass er in den nächsten Jahren nicht mehr werde gewinnen können. Demis Hassabis, der CEO von Google Deepmind, hat bereits angedeutet, dass Ke Jie der nächste Gegner von Alpha Go sein könnte.

Das dritte Spiel am Samstag wird über Sieg und Niederlage entscheiden.


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mnementh 15. Mär 2016

Die Anzahl der Atome wird so zwischen 10^84 und 10^89 geschätzt. Lass diese Zahl um den...

mnementh 15. Mär 2016

In Schach hat man Dan- und Kyu-Grade? Man braucht keine 5000 Züge, um festzustellen dass...

DrWatson 12. Mär 2016

Warum, dass können Computer jetzt doch besser? Würde ich nicht behaupten. Welcher...

Nogul 12. Mär 2016

Such nach AlphaGo. Sobald verfügbar, wird ein Livestream angeboten. Sonst gibt es die...

Nogul 12. Mär 2016

Ja. Sieht mittlerweile aus wie ein Rennen gegen ein Formel 1 Auto oder Gewichtheben gegen...



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