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Alpha Go: Künstliche Intelligenz und große Gefühle

360 schwarze und weiße Steine auf einem Brett, einer der weltbesten Go-Spieler, eine künstliche Intelligenz und im Hintergrund eine Schar Entwickler - das sind die Protagonisten von Googles Film Alpha Go. Er zeigt den großen Moment der Niederlage von Mensch gegen Maschine aus neuen Blickwinkeln - und fast zu berührend.

Eine Rezension von veröffentlicht am
Lee Sedol bei einem seiner Spiele gegen Alpha Go
Lee Sedol bei einem seiner Spiele gegen Alpha Go (Bild: alphagomovie.com)

Nicht immer ist jemand dabei, wenn Geschichte geschrieben wird, und noch seltener hält jemand eine Kamera bereit. So gesehen war der Tag, an dem Googles künstliche Intelligenz Alpha Go erstmals einen der weltbesten Spieler in dem aus China stammenden Brettspiel Go besiegte, eine Ausnahme. Kameras von Journalisten fingen das Geschehen für die Öffentlichkeit ein und übertrugen es live über Fernsehen und Internet.

Inhalt:
  1. Alpha Go: Künstliche Intelligenz und große Gefühle
  2. Nervöse Ingenieure und ein guter Verlierer

Knapp zwei Jahre nach den Spielen zeigt Google mit Alpha Go einen Dokumentarfilm, der den Erfolg der KI zelebriert und den Zuschauern die Faszination des alten asiatischen Brettspiels näherbringen soll. Er ist auf Netflix zu sehen und anderswo käuflich zu erwerben. Interviews mit Spielern und Entwicklern sowie bis dahin unveröffentlichte Aufnahmen des Geschehens hinter den Kulissen der legendär gewordenen Spiele ermöglichen Einblicke, die Anfang 2016 kein Medienbericht geben konnte - streckenweise durchaus berührend. Wer nicht nur auf Emotionen, sondern auch auf tiefergehende Informationen hofft, wird allerdings enttäuscht.

Herzklopfen und Hypnose

180 schwarze Steine, 180 weiße Steine, 361 Felder auf einem Holzbrett - und eine riesige Zahl möglicher Spielzüge. Das Geräusch eines Herzschlags. Und eine Stimme. So beginnt der Film. "Es ist fast hypnotisch", sagt die Stimme. "Es ist, als würde man seine Hand ans dritte Rad des Universums legen." Als zutiefst menschlich beschreibt sie das Tausende Jahre alte asiatische Spiel Go. Es ist ein Spiel mit trügerisch einfachen Regeln, bei dem der Versuch, es zu verstehen, zu der Frage führt, was Verstehen eigentlich bedeutet. Mit dem Sieg über einen der besten menschlichen Spieler hofft Googles Deep-Mind-Team, das Alpha Go entwickelt hat, der Antwort etwas näher zu kommen.

Noch ein Jahr vor dem Turnier haben die besten Go-Programme weltweit weit unterhalb des professionellen Niveaus gespielt - es ist das letzte klassische Brettspiel, bei dem Menschen noch die Oberhand haben. Auf Basis der bisherigen Entwicklung nehmen die meisten Spieler an, dass ein Computerprogramm auf Profiniveau noch mindestens zehn Jahre entfernt ist. Und so geht Lee Sedol mit viel Selbstbewusstsein in die fünf Spiele gegen Alpha Go. Er hat die Spiele zwischen Alpha Go und Fan Hui gesehen, der als erster Profispieler in Go von einer KI besiegt wurde. Lee Sedol jedoch ist wenig beeindruckt: Er ist besser. Noch kurz vor Spielbeginn geht er davon aus, dass er 5:0 oder mindestens 4:1 gewinnen und dafür die eine Million US-Dollar Preisgeld erhalten wird.

Laienschauspiel und große Anstrengung

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Googles Film lässt erahnen, wie intensiv die Entwickler von Deep Mind in der Zwischenzeit gearbeitet haben. Mit Hilfe von Fan Hui haben sie ihre KI weiterentwickelt - in einer Anstrengung, die der Chefentwickler mit dem Apollo-Raumfahrtprogramm vergleicht. Leider hatte Google zu dieser Zeit das Filmteam noch nicht engagiert. Wie in US-TV-Dokus üblich, wurden daher etliche Szenen mit den Protagonisten nachgestellt - inklusive gequälter Szenen von Meetings im Büro, die selbst für echte Schauspieler eine Herausforderung gewesen wären.

Um so weniger Zeit bleibt für echte Inhalte. Die Zuschauer erfahren nicht, wie Fan Hui es geschafft hat, die Schwächen der KI zu finden. Auch die etwas feineren Details und die Tiefe der komplexen Taktik und Strategie in dem Spiel werden nicht einmal angedeutet. Die Anime-Serie Hikaru no Go zeigt, dass mit etwas Aufwand in der Präsentation selbst Laien die Dramatik und Faszination bestimmter Spielzüge und Strategien begreiflich gemacht werden kann. Darauf verzichtet Googles Film, und so ist nach einer halben Stunde die Hintergrundgeschichte erzählt und die Spiele gegen Lee Sedol können beginnen.

Nervöse Ingenieure und ein guter Verlierer 
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