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Allison Road: Das geistige Erbe von Silent Hills entwickelt ein Deutscher

Allison Road ist eines der vielversprechendsten Indie-Projekte des Jahres: Spieler hoffen auf einen inoffiziellen Nachfolger von P.T. und Silent Hills, Microsoft und Sony umschmeicheln die Entwickler. Der aus Deutschland stammende Projektleiter Christian Kesler kann all den Trubel gar nicht fassen. Golem.de hat mit ihm gesprochen.

Artikel von Benedikt Plass-Fleßenkämper und Michael Förtsch veröffentlicht am
Allison Road ist eines der vielversprechendsten Indie-Projekte des Jahres.
Allison Road ist eines der vielversprechendsten Indie-Projekte des Jahres. (Bild: Lilith Ltd)

Die Enttäuschung der Fans sitzt immer noch tief: Am 27. April 2015 gab der japanische Videospielhersteller Konami bekannt, dass die Entwicklung von Silent Hills eingestellt sei. Nur zwei Tage später wurde der für seine Originalität und Atmosphäre gefeierte spielbare Teaser P.T. aus dem Playstation Store entfernt. Dabei schienen Metal-Gear-Erfinder Hideo Kojima und Kultregisseur Guillermo del Toro der Survival-Horror-Reihe Silent Hill damit gerade zu einem glorreichen Neustart zu verhelfen. Ein firmeninterner Disput soll Grund für den Entwicklungsstopp sein. Nun aber könnte Allison Road, das Projekt des nur sechs Personen starken Studios Lilith Ltd., das Werk des japanischen Spielemachers beerben.

Horror aus deutscher Hand

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Dass es Allison Road ohne Silent Hills und P.T. vielleicht gar nicht gäbe, daraus macht Christian Kesler keinen Hehl. "Ich hatte schon sehr lange mit dem Gedanken gespielt, ein Videospiel zu machen", erklärt der in Großbritannien lebende Deutsche. Doch habe er stets Open-World-Szenarien erschaffen wollen, die er alleine aber nicht hätte realisieren können.

"Da ich ja schon einige Jahre Erfahrung im Erstellen von computergenerierten Umgebungen habe, machte ich mir da überhaupt keine Illusionen", erzählt Kesler, der als CGI-Künstler unter anderem an den virtuellen Kulissen von Avatar, Guardians of the Galaxy, Transformers 3 und Der Hobbit mitgewirkt hat. "Aber dann kam P.T., und ich war völlig begeistert von der Grafik und der ganzen Atmosphäre." Ein Appartement oder ein kleines Haus, so seine Überlegung, könne er durchaus alleine kreieren - und das tat er dann auch.

  • Die Entwicklung von Allison Road hat einige Zeit nach der Veröffentlichung von P.T., dem spielbaren Teaser zu Silent Hills, begonnen. Es soll fünf Stunden Spielzeit bieten und Ende 2016 erscheinen. (Bild: Lilith Ltd.)
  • Falls Hideo Kojima und Guillermo del Toro mitarbeiten wollen, würde Projektleiter Christian Kesler ganz sicherlich nicht Nein sagen. Davon ist aber nicht auszugehen. (Bild: Lilith Ltd.)
  • Die Grafik von Allison Road soll so realistisch wie möglich ausfallen. Das digitale georgianische Stadthaus hat Christian Kesler daher auf Basis von realen Bauplänen und Fotos entworfen. (Bild: Lilith Ltd.)
  • Aus der Inspiration durch P.T. und Silent Hills macht das Entwicklerteam keinen Hehl. Im ersten Trailer finden sich für Fans leicht zu erkennende Anspielungen auf das eingestellte Kojima-Spiel. (Bild: Lilith Ltd.)
  • Blut strömt von den Wänden, eine verdrehte Gestalt kriecht durch den Korridor: Solche Szenen sollen in Allison Road eher die Ausnahme sein. Der Horror soll ansonsten eher subtil und schleichend kommen. (Bild: Lilith Ltd.)
  • Das kleine Allison Road könnte letztlich ganz groß werden. Angeblich sind nach dem Abbruch von Silent Hills sowohl Microsoft als auch Sony daran interessiert, sich das Werk für ihre aktuellen Konsolen als Exklusivtitel zu sichern. (Bild: Lilith Ltd.)
Die Entwicklung von Allison Road hat einige Zeit nach der Veröffentlichung von P.T., dem spielbaren Teaser zu Silent Hills, begonnen. Es soll fünf Stunden Spielzeit bieten und Ende 2016 erscheinen. (Bild: Lilith Ltd.)


Die Handlung des spielbaren Horrors ist noch größtenteils geheim. Jedoch soll der Spieler in Gestalt eines namenlosen Helden nachts und ohne Erinnerung in einem kleinen britischen Reihenhaus in der namensgebenden Allison Road erwachen. Schnell stellt sich heraus, dass in den weißen Wänden ein Mord geschehen sein muss. Dieser soll vom Spieler über fünf Nächte hinweg aufgeklärt werden. Aber auch sonst stimmt etwas ganz und gar nicht dort: Ein bizarres Flüstern durchdringt die Räume, Türen schlagen zu, der Strom fällt aus und Blut fließt von den Wänden. Und dann wäre da auch noch Lily - der Geist einer verstümmelten Frau, der plötzlich erscheint. "Aber sie ist nicht die einzige dunkle Macht, um die man sich sorgen muss", deutet Kesler an. "Das Haus selbst wird eine wichtige Rolle spielen. Man könnte es fast als eigenen Charakter bezeichnen."

Wie P.T., trotzdem anders

Der Spielfluss und auch die Atmosphäre orientieren sich letztlich nur oberflächlich an der Silent-Hills-Demo. So wird der Held etwa auch in Allison Road aus der Ich-Perspektive gelenkt; die Aktionsmöglichkeiten sind ebenfalls ähnlich reduziert. Beim Gang durch die Korridore, Zimmer und einen Garten finden sich Hinweise auf das Geschehen: Tablettenpackungen, bekritzelte Magazine und Blutflecken an der Wand. Was sie bedeuten, muss selbst kombiniert werden.

Dazu können wie beim Ego-Abenteuer Gone Home Fotos, eine Fernbedienung und andere Gegenstände aufgehoben, inspiziert und eingesteckt werden. Subtile Gruseleffekte und eine bedrückende Klangkulisse sollen über die fünf Stunden Spielzeit eine stetig bedrohlicher werdende Stimmung schaffen. Ob es ähnlich wie bei Alien: Isolation im finalen Spiel auch Waffen geben wird, ist noch unsicher. "Wir testen das gerade, um zu sehen, ob das Spiel davon profitiert", sagt Kesler. "Messer, ein Beil vielleicht, solche Sachen."

Die Optik von Allison Road ist schon jetzt beeindruckend, wie ein Gameplay-Trailer aus einer frühen Fassung zeigt.

Noch realistischer als beim Vorbild erscheint die Szenerie, die Christian Kesler unter Verwendung von echten Bauplänen in der Unreal Engine 4 erstellt hat. "Ein Haus ist etwas, das jeder kennt, mit dem jeder vertraut ist", begründet er die detaillierte Umgebung. "Wenn da etwas nicht stimmt, sticht das sofort heraus."

Auch Texturen für Wände, Decken, Böden und Ähnliches hat er daher eigens fotografiert. Jedoch ist Christian Kesler mit dem Projekt nicht mehr ganz alleine, zwischenzeitlich hat sich mit Lilith Ltd. ein international verstreutes Team gebildet. Dazu zählen unter anderem der Konzeptzeichner Jonas De Ro aus Tokio, der an Magic: The Gathering und Terminator Genisys mitarbeitete, oder auch der US-Animationskünstler Gareth Fann, der das Remake von Gabriel Knight mitverantwortet.

Die neue Horror-Hoffnung

Mittlerweile ist Allison Road kein unbekanntes Indie-Spiel mehr. Denn geradezu viral verbreitete sich Anfang Juli die Meldung über den "spirituellen Silent-Hill-Nachfolger", wie Fans und Presse das Schauerwerk charakterisierten. Selbst Hideo Kojima verwies per Twitter auf das Spiel.

"Das ist echt unglaublich", sagt Kesler begeistert. Derweil sind sogar Microsoft, Sony und weitere bekannte Namen mit Lilith Ltd. in Kontakt. "Im Moment ist es ziemlich aufregend", sagt Kesler, möchte Gerüchte über Exklusiverträge mit Konsolenherstellern aber nicht kommentieren.

Zukunftspläne haben die Macher von Allison Road jedenfalls schon. "Ich hoffe, sollte Allison Road wirklich ein Erfolg werden, dass ich ein kleines Entwicklerstudio in Deutschland eröffnen kann", sagt der CGI-Künstler. "Es wäre schön, wieder in Deutschland zu wohnen."

Allison Road soll Ende 2016 für PC und eventuell für Playstation 4 und Xbox One erscheinen.



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diclonyuus 30. Jul 2015

Kreuzberg ist auch so schon Horror genug!

igor37 30. Jul 2015

Dir ist anscheinend nicht bewusst, dass GOG mittlerweile ebenfalls einen Launcher namens...

jg (Golem.de) 29. Jul 2015

Ja, richtig. Jetzt dürfte überall die richtige Variante stehen, danke für den Hinweis!

Urishima 29. Jul 2015

Also da Kojima und del Toro bereits angekündigt haben dass sie außerhalb von Silent Hill...


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