Allianz-CTO: "Die Trennung von Arbeit und Freizeit ist antiquiert"

Profi-Trompeter war sein Traum - stattdessen wurde Markus Löffler Sysadmin, Physiker, Direktor von McKinsey und der erste CTO der Allianz Versicherung. Wie schafft man als Quereinsteiger so eine Karriere in der IT?

Ein Interview von Maja Hoock veröffentlicht am
Markus Löffler leitet die technische Entwicklung der Allianz SE.
Markus Löffler leitet die technische Entwicklung der Allianz SE. (Bild: Allianz)

In einer Interview-Reihe befragen wir Technikchefs zu ihrer Arbeit, ihren Einstellungskriterien und Trends. Zum Schluss gibt es noch ein Ein-Antwort-Spiel. Lasst uns im Forum wissen, welche Kandidaten und Fragen ihr euch zusätzlich fürs nächste Interview wünscht. Alle CTO-Interviews der Reihe sind hier zu finden.

Bei manchen Lebensläufen fragt man sich, wie ein Mensch das in einem einzigen Leben alles schafft. Markus Löffler, 51 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Stuttgart und arbeitet unter der Woche in München, wo sich der Hauptsitz der Allianz Versicherung befindet. Seit drei Jahren ist er der erste Chief Technology Officer (CTO) der Allianz SE und kümmert sich um die digitale Transformation des Versicherungskonzerns, der mit 100 Millionen Versicherten und 172 Milliarden Euro Umsatz im Jahr einer der größten der Welt ist.

Zuvor war er zwei Jahrzehnte lang Consultant beim Unternehmensberater McKinsey im Business Technology Office und arbeitete sich dort zum Senior Partner und Direktor hoch. Ihn beschäftigten die Modernisierung von IT, die Versicherung smarter Autos und die Digitalisierung von Versicherungen wie die seines Kunden, der Allianz - was ihn später darauf brachte, dort einzusteigen. Ermöglicht hätten ihm diese Karriere sein Faible für Technik und sein nicht linearer Lebenslauf, der ihm ein Out-of-the-Box-Denken beigebracht habe, sagt Löffler.

Als Jugendlicher träumte Markus Löffler noch von einem Leben als Profi-Trompeter, bis er sich für das Programmieren interessierte und begann, erste Programme am Computer zu schreiben. Später arbeitete er als Systemadministrator, studierte Physik und wurde am Max-Planck-Institut für Quantenoptik promoviert, wo er an Quantencomputern, Quanten-Kryptographie und Ein-Atom-Lasern forschte. Seine Stelle als CTO sieht er nun als das Beste aus allen Welten: Coden, Forschung und Entwicklung sowie Unternehmensberatung. "Wobei eine große Portion Umsetzung dabei ist und das macht mir besonders Freude", sagt er.

Stellenmarkt
  1. Testautomatisierer IoT Suite (w/m/d)
    SEW-EURODRIVE GmbH & Co KG, Bruchsal
  2. Entwickler (m/w/d) Business Intelligence / Data Warehouse
    bofrost*, Straelen
Detailsuche

Golem.de: Herr Löffler, haben Sie eigentlich manchmal ein Wochenende?

Löffler: Wenn man wirklich etwas bewegen will, muss man entsprechend Einsatz bringen - das gilt für meine Stationen als Forscher am Max-Planck-Institut genauso wie als Unternehmensberater oder Technologie-Manager. Mir sind aber auch Zeit mit der Familie, Musik und Sport wichtig. Dafür halte ich die Wochenenden weitgehend frei von der Arbeit und habe längere Tage unter der Woche.

Golem.de: Hätten Sie sich manchmal gewünscht, mehr Freizeit gehabt zu haben im Leben?

Löffler: Nein - ich hatte immer eine gute Balance und habe immer selbstbestimmt gearbeitet. Im Übrigen halte ich eine strikte Trennung des Lebens in Arbeit und Freizeit für antiquiert. Ich habe sowohl im Beruf als auch privat immer mehr Ideen, als ich umsetzen kann. Manchmal würde ich mir wünschen, dass der Tag ein paar mehr Stunden hat.

Golem.de: Menschen wie Sie, die in der IT erfolgreich sind, haben oft bereits eine lange Computer-Historie. Haben Sie sich schon immer für Computer interessiert?

Löffler: Für Technik und Naturwissenschaften habe ich mich immer interessiert und ich habe als Schüler mit meinem 286er ein bisschen programmiert. Die große Begeisterung für Computer kam allerdings erst mit der Anwendung für analytische und numerische Verfahren in der Physik.

Coaching und Beratung für IT Profis, die sich beruflich weiterentwickeln wollen

Golem.de: Was haben Sie damals genau programmiert?

Löffler: Ich habe fraktale Strukturen in der Mathematik, der Natur und der Musik verglichen und dazu ein paar Programme geschrieben und eine Bach-Invention analysiert.

Golem.de: Was war Ihr Schlüsselmoment als Jugendlicher, ab dem Sie wussten: Ich gehe in die Physik?

Löffler: Als ich bei Jugend Musiziert gesehen habe, wo die Latte für wirklich gute Profimusiker liegt - und mir klar wurde, dass ich als Physiker auf Top-Niveau an den spannendsten Themen arbeiten kann, die Musikkarriere aber doch keine so gute Idee ist.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Experimentieren an der Grenze des Machbaren und Sinnvollen 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


plutoniumsulfat 22. Sep 2021 / Themenstart

24/7 ist als geflügeltes Wort bekannt - die 365 soll nur die Steigerung verdeutlichen...

bla 22. Sep 2021 / Themenstart

Ich hätte ja gedacht, dass es CTOs nur in Firmen gibt, die auch was mit Technik machen...

GwhE 21. Sep 2021 / Themenstart

Mich hat am meisten die Antwort Tabs verstört. Wie kann er nur, jeder vernünftige Mensch...

Spelter 21. Sep 2021 / Themenstart

Denn das macht so gut wie keiner mehr in der Allianz so wirklich. Die meisten Projekte...

Dakkaron 19. Sep 2021 / Themenstart

Jup, Ähnliches hier. Wer sich als ITler mit miesen Arbeitsumständen zu Frieden gibt...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Amtlicher Energiekostenvergleich  
Benzinkosten mehr als doppelt so teuer wie Ladestrom

Vom 1. Oktober an müssen große Tankstellen einen Energiekostenvergleich aushängen. Dabei schneiden Elektroautos derzeit am besten ab.

Amtlicher Energiekostenvergleich: Benzinkosten mehr als doppelt so teuer wie Ladestrom
Artikel
  1. Bundestagswahl 2021: Laschet und Scholz wollen beide Kanzler werden
    Bundestagswahl 2021
    Laschet und Scholz wollen beide Kanzler werden

    Die Union erzielt bei der Bundestagswahl 2021 ihr bislang schlechtestes Ergebnis. Dennoch will Spitzenkandidat Laschet Kanzler einer "Zukunftskoalition" werden.

  2. Bundesregierung: Erst 11 Prozent der Glasfaserförderung wurden ausgezahlt
    Bundesregierung
    Erst 11 Prozent der Glasfaserförderung wurden ausgezahlt

    Städte- und Gemeindebund verlangt, den Förder-Dschungel für Glasfaser zu beseitigen. Versuche gab es viele.

  3. Diablo 2 Resurrected im Test: Der dunkle Fürst der Zeitfresser ist auferstanden
    Diablo 2 Resurrected im Test
    Der dunkle Fürst der Zeitfresser ist auferstanden

    Gelungene Umsetzung für Konsolen, überarbeitete Grafik und Detailverbesserungen: Bei Diablo 2 Resurrected herrscht Lange-Nacht-Gefahr.
    Von Peter Steinlechner

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • Alternate (u. a. DeepCool Matrexx 55 V3 ADD-RGB WH 49,98€) • Thunder X3 TC5 145,89€ • Toshiba Canvio Desktop 6 TB ab 99€ • Samsung 970 EVO Plus 2 TB 208,48€ • Lenovo-Laptops zu Bestpreisen • 19% auf Sony-TVs bei MM • WISO Steuer-Start 2021 10,39€ • Samsung Odyssey G7 499€ [Werbung]
    •  /