Allein im All: Wie Esa und Nasa extreme Isolation proben

Inhalt
Expeditionen zu Mond und Mars stehen weiterhin auf der Agenda der großen Weltraumorganisationen. Die europäische Raumfahrtagentur Esa und die US-Raumfahrtbehörde Nasa bereiten derartige Raumflüge in aufwendigen Studien vor.
Das Ziel: Herauszufinden, wie sich Gruppen von Menschen in der extremen Isolation eines langen Raumfluges verhalten und wie möglichst gute Bedingungen an Bord aussehen müssen. Denn praktische Erfahrungen mit Langzeit-Aufenthalten im All gibt es bis heute nur aus dem Betrieb der Internationalen Raumstation ISS und ihrer Vorgänger.
Im Sommer führte die Esa zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine achttägige Isolationsstudie durch. Die Nasa ließ im vergangenen Jahr ein sechsköpfiges Team einen 100-Tage-Aufenthalt auf dem Mars simulieren. Seit Oktober 2025 läuft die zweite Nasa-Studie.
Tagesablauf wie auf der ISS – aber in Köln
Die DLR-Studie Solis8 vom Sommer dieses Jahres dauerte acht Tage, also etwa so lange wie ein Flug zum Mond. Drei Frauen und drei Männer lebten in der :envihab-Anlage des DLR-Instituts für Luft- und Raumfahrtmedizin(öffnet im neuen Fenster) allerdings deutlich komfortabler als die Apollo-Astronauten. Im :envihab gibt es auf 1.500 Quadratmetern einen Aufenthaltsraum, Arbeitsbereiche, sanitäre Einrichtungen, Schlafkapseln, eine kleine Küche und Lager für Bedarfsgegenstände wie Lebensmittel.
Der Tagesablauf orientierte sich an den Abläufen auf der ISS. Dabei verzichteten die sechs Teilnehmer weitgehend auf Tageslicht und Kontakt nach draußen. Selbst Blutproben wurden durch eine Klappe in der geschlossenen Tür gegeben. Für Mahlzeiten, Schlaf und Freizeit gab es eigene Zeitfenster.
Nickerchen während der Arbeitszeit waren verboten. Ausnahme bildeten die eineinhalb freien Tage. Duschen war zweimal fünf Minuten pro Woche erlaubt. Hinzu kam tägliches Fitnesstraining, das im Weltraum den negativen Wirkungen der Schwerelosigkeit wie Muskelabbau oder dem Kalziumverlust in den Knochen entgegenwirken soll.
"Am Wochenende standen neben Freizeit auch das Reinigen und Instandhalten der Station auf dem Plan" , sagte Sarah Paradowski-Worms, die wissenschaftliche Studienleiterin, Golem: "Das wichtigste Ziel für die Crew war das Abschließen aller geplanten Experimente – und nach dem Abschluss der Mission wieder wohlbehalten 'auf der Erde' zu landen."
US-Ausgabensperre blockiert Studie
Die Ergebnisse von Solis8 fließen in die Planung der Solis100-Studie im kommenden Jahr ein. Paradowski-Worms zieht eine positive Bilanz: "Die Teilnehmenden haben sich insgesamt sehr gut auf die limitierten Ressourcen einstellen können. Schwierig war vor allem der reduzierte Kontakt zu Familie und Freunden und – für uns eher unerwartet – der eingeschränkte Zugang zu Musik. Eine Herausforderung war auch, dass es auf der simulierten Raumstation kaum Möglichkeiten gibt, sich auch mal aus dem Weg zu gehen und Zeit alleine zu verbringen."
Insgesamt aber zeigte sich eine überwiegend positive Stimmung. Die Teilnehmer entwickelten einen guten Gemeinschaftsgeist, allerdings dürften nach Paradowski-Worms' Einschätzung schwierige Situationen für den Einzelnen und die Gruppe eher zunehmen.
Während beim DLR in Köln nun die Vorbereitungen für die nächste Isolationsstudie noch laufen, hat die Nasa bei ihrer nächsten Chapea-Studie(öffnet im neuen Fenster) trotz der jüngsten Haushaltskrise im Oktober die zweite Isolationsstudie auf den Weg gebracht. Am 19. Oktober hat die nächste sechsköpfige Crew mit ihrer Arbeit im Nasa-eigenen Raumflug-Simulator begonnen.
Die US-Raumfahrtbehörde verfügt durch ihre lange Präsenz auf der ISS bereits über umfangreiche Erfahrungen mit langen Weltraumflügen. Sie hat auch Einrichtungen, in denen Astronauten etwa auf die Arbeit an Bord der ISS vorbereitet werden.



