Kleinigkeiten werden zur Nervenprobe
Überraschend für die wissenschaftlichen Beobachter war, dass die Besatzungen autonomer wurden, je länger der simulierte Flug dauerte. Die Teilnehmer mussten dieselben Aufgaben lösen wie Astronauten auf einer echten Mission. Dabei wurden sie natürlich geschickter. Erst, als sie eine Planetenlandung simulieren sollten, sprachen die Studienteilnehmer wieder intensiver mit der Missionsleitung.
"Die Crews in den simulierten Missionen neigten dazu, ihre Kommunikation mit der Missionsleitung während der Isolation zu reduzieren und ihre Bedürfnisse und Probleme immer seltener mitzuteilen" , schrieb die Wissenschaftlerin Natalia Supolkina vom Russischen Institut für Biomedizinische Probleme in der Studie zur Auswertung von Mars 500(öffnet im neuen Fenster) .
Im realen Leben kann das ein Zeichen von wachsender Spannung und nicht von Routine sein. So ärgerten sich ISS-Astronauten immer wieder über Arbeitspläne der Missionsleitung am Boden, die die Schwierigkeiten, sich in der Schwerelosigkeit zu bewegen und händisch zu arbeiten, ignorierten. Selbst das Sortieren von Knöpfen oder Kugelschreibern kann zur Nervenprobe werden. Auf der ISS schweben sie gerne mal davon, während sie hier unten einfach liegen bleiben. Deswegen dauert das Sortieren im All eine Stunde, auf der Erde vielleicht zehn Minuten.
Erfahrungen irdischer Expeditionen
Ständige Schwerelosigkeit ist das einzige, das in Versuchen auf der Erde nicht simuliert wird. In vieler Hinsicht ähneln die Erfahrungen von Studienteilnehmern und Astronauten auf der ISS jedoch den Erlebnissen von U-Boot-Besatzungen oder den Teilnehmern von Polarexpeditionen. Monotonie, Stress, Isolation und der Abschluss von der Außenwelt belasten alle.
Hier ähneln sich die Situationen von U-Boot-Fahrern, Astronauten im All und von Forschern, die in der Antarktis überwintern, noch am meisten. Keiner kann zum Luftschnappen vor die Tür gehen. Und bei medizinischen Notfällen ist jede Hilfe erst mal weit weg. Eine Marsexpedition wäre sogar komplett auf sich gestellt.
Auch psychische Ausnahmesituationen können alle in Gefahr bringen. So mussten Teilnehmer einer britischen Antarktisexpedition zu Beginn des vorigen Jahrhunderts einen einfangen, der beschlossen hatte, zu Fuß nach Hause zu gehen. Der britische Polarforscher Shackleton ließ alle Teilnehmer seiner Unternehmungen an einem Tisch essen. Das war in einer Zeit, in der extreme Standesunterschiede das eigentlich ausschlossen, außergewöhnlich.
Der Norweger Fritjof Nansen nahm keine Taschenmesser mit auf Expedition, sondern nur das Material, um welche herzustellen. Wer eins brauchte, musste es selber anfertigen – und hatte in seiner Freizeit damit zu tun.