Hohe gesundheitliche Belastung
Nicht zu unterschätzen sind die gesundheitlichen Risiken für die Astronauten. Auf der ISS befinden sie sich innerhalb des irdischen Magnetfeldes, sind also vor kosmischer Strahlung und Strahlungsausbrüchen der Sonne geschützt. Draußen im All, auf Mond und Mars wäre das nicht so. Im freien Raum gibt es diesen Schutz nicht. Der Mond hat kein Magnetfeld. Und das marsianische Magnetfeld ist zu schwach, um Schutz zu bieten.
Die Apollo-Missionen wurden daher in Phasen niedriger Sonnenaktivität durchgeführt. Trotzdem war das gesundheitliche Risiko wegen der kurzen Flugdauer von sieben Tagen gering. Bei längeren Flügen steigt jedoch das Risiko, etwa bei unerwarteten Sonnenstürmen zu viel Strahlung aufzunehmen.
Das Leben in Schwerelosigkeit kann zudem zu Nierenschäden und dem Rückgang der Knochendichte führen. ISS-Astronauten berichteten von Problemen mit der Blutzirkulation und Sehstörungen. Regelmäßiges Training kann vielen Problemen zwar entgegenwirken. Aber trotzdem bleiben lange Aufenthalte im Weltraum für Menschen ziemlich ungesund.
Private Studien mit Freiwilligen
Die europäische Solis100-Studie und das amerikanische Chapea-Programm sind nicht die einzigen Mars-Analog-Studien. Aktuell üben auch private Organisationen mit Freiwilligen für einen langen Marsaufenthalt. Außerdem hat es bereits in der Vergangenheit ähnliche Langzeitstudien gegeben.
So fand zwischen dem 13. und dem 26. Oktober 2025 die bislang größte nicht-staatliche Mond/Mars-Analog-Studie statt. Unter der Ägide des ÖWF (Österreichisches Weltraumforum) arbeiteten Freiwillige in 16 Habitaten auf der ganzen Welt unter marsähnlichen Bedingungen, um Erfahrungen für eine künftige Expedition zu sammeln. Die Analog-Stationen standen in so unterschiedlichen Ländern wie Armenien, Australien, Frankreich, Indien oder den USA.
Insgesamt beteiligten sich 200 Menschen an den Analog-Missionen. Die Ziele waren ähnlich denen staatlich organisierter Projekte: Erkenntnisse über Psychologie, Arbeiten unter Stress und das Zusammenleben in beengten Verhältnissen sammeln; Versuche mit Pflanzen und Mikroorganismen sowie Mini-Gewächshäusern durchführen(öffnet im neuen Fenster) .
Mond- und Marssimulationen in Moskau
Zwischen 2007 und 2011 arbeiteten Russland, die Europäische Union und China bei der Mars-500-Studie(öffnet im neuen Fenster) zusammen. Drei Besatzungen lebten nacheinander in einem Simulationskomplex im Moskauer Institut für Biomedizinische Fragen der Russischen Akademie der Wissenschaften zusammen. Der Komplex umfasste ein Erde-Mars-Transferraumschiff, eine Landefähre und ein Stück Marsgelände.
Mars 500 simulierte längere Flüge zu Mond und Mars. Die erste Besatzung lebte 15 Tage im Komplex, die zweite 105 Tage. Beide stellten einen Mondflug nach. Die dritte Besatzung schließlich simulierte einen kompletten Marsflug von 520 Tagen, einschließlich einer Landung und drei Oberflächeneinsätzen.
Gerade die dritte Besatzung hatte mit der Isolation und Monotonie ihres Aufenthalts zu kämpfen. Alle hatten Schlafstörungen und litten an einer Art psychischer Erschöpfung, die aber verschwand, sobald der simulierte Einsatz auf der Marsoberfläche zu bewältigen war.