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Alle Daten gelöscht: US-Bürger wegen Nutzung einer GrapheneOS-Funktion angeklagt

Ein Mann wurde bei der Einreise in die USA durchsucht. Er trickste die Grenzpolizei mit einem Duress-Passwort aus – und muss sich dafür nun vor Gericht verantworten.
/ Marc Stöckel
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Die Eingabe eines Duress-Passworts löscht alle Daten auf dem Smartphone. (Symbolbild) (Bild: pexels.com / Jakub Zerdzicki)
Die Eingabe eines Duress-Passworts löscht alle Daten auf dem Smartphone. (Symbolbild) Bild: pexels.com / Jakub Zerdzicki

Die US-Regierung hat Anklage gegen einen US-Bürger erhoben, weil er der Grenzpolizei bei der Einreise ein sogenanntes Duress-Passwort genannt haben soll. Durch dessen Eingabe sollen die Inhalte seines Smartphones, welches die Einsatzkräfte vor Ort untersuchen wollten, gelöscht worden sein. Auf dem Gerät kam GrapheneOS zum Einsatz, welches die Vergabe entsprechender Passwörter ermöglicht.

Laut Dokumentation(öffnet im neuen Fenster) können Anwender bei GrapheneOS eine Duress-PIN sowie ein Duress-Passwort vergeben. Werden diese bei entsprechenden Abfragen des Betriebssystems (beispielsweise auf dem Sperrbildschirm) eingegeben, so werden anstelle der erwarteten Freigabe alle auf dem Gerät befindlichen Daten "unwiderruflich gelöscht".

Es handelt sich also um eine Sicherheitsfunktion, die vertrauliche Daten vor möglichen Fremdzugriffen schützen soll. Wie Techcrunch(öffnet im neuen Fenster) unter Verweis auf Gerichtsdokumente(öffnet im neuen Fenster) berichtet, soll der eingangs genannte US-Bürger diese Funktion am 24. Januar 2025 bei seiner Rückkehr in die USA am Hartsfield-Jackson Airport in Atlanta genutzt haben, um der Grenzpolizei den Zugriff auf seine Daten zu verwehren.

Hintergründe der Durchsuchung

Den Angaben zufolge war der Beschuldigte gerade von einer Auslandsreise in die USA zurückgekehrt. Die Grenzpolizei hatte bei ihm eine zusätzliche Kontrolle veranlasst. Dabei wollten die Einsatzkräfte auch Zugriff auf das Smartphone des Mannes, um nach möglichen Kindesmissbrauchsbildern zu suchen. Jedoch behaupten die Anwälte des Beschuldigten, dies sei lediglich ein Vorwand gewesen und die Durchsuchung sei rechtswidrig erfolgt.

Die Grenzbehörde habe dem Mann zudem einen Anwalt verweigert, ihn nicht über seine Rechte aufgeklärt und auch keinen Durchsuchungsbeschluss vorgelegt, heißt es. Die Grenzpolizisten argumentierten, ein Durchsuchungsbeschluss sei nicht erforderlich gewesen, da der Mann die US-Grenze noch nicht passiert habe.

Die Verteidigung wirft den US-Behörden vor, den Beschuldigten lediglich wegen seiner Verbindungen zu einer Protestbewegung namens "Defend the Atlanta Forest" durchsucht zu haben, welche sich gegen den Bau eines großen "Cop City" genannten Ausbildungsgeländes für Strafverfolgungsbehörden in Atlanta zur Wehr setzt.

Ein möglicher Präzedenzfall

Die Staatsanwaltschaft stützt sich bei ihrer Anklage auf ein US-Gesetz, laut dem es illegal ist, Eigentum zu zerstören oder zu beschädigen, um die Beschlagnahmung durch die Behörden zu verhindern. Sie behauptet, der Beschuldigte habe absichtlich eine GrapheneOS-Funktion genutzt, um sein Smartphone zu löschen, indem er den Behörden ein Notfallpasswort anstelle des eigentlichen Passwortes zur Entsperrung des Geräts nannte.

Mehrere Sicherheitsexperten versicherten Techcrunch, noch nie zuvor eine Anklage gesehen zu haben, bei dem der Einsatz eines Duress-Passworts eine Rolle gespielt habe. Der Fall könnte sich also zu einem Präzedenzfall entwickeln. Das besagte US-Gesetz soll generell eher selten zum Einsatz kommen.

"Ich denke, dieser Fall macht deutlich, dass Behörden argumentieren könnten, man habe Daten wissentlich vernichtet; daher ist es besser, diese Daten gar nicht erst bei sich zu haben, wenn man bestimmte Grenzen überquert", erklärte die Sicherheitsexpertin Runa Sandvik. "Mit ein wenig Vorausplanung kann man die benötigten Daten immer erst herunterladen, sobald man am Zielort angekommen ist."


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