Fazit: Der Tod der echten Debatte
Linkedin hat den ehrlichen Austausch im Business-Kontext faktisch abgeschafft. Die Plattform belohnt keine tiefgründigen Analysen, keine kontroversen Diskussionen und schon gar keine ehrliche Selbstreflexion. Sie belohnt stattdessen vor allem den algorithmischen Gehorsam.
Doch ist Linkedin am Ende nur die Spitze des Eisbergs. Das Phänomen ist längst omnipräsent: Überall im Netz besiegen die Algorithmen die natürliche Sprache.
Wir sehen es bei Google Discover, das Redaktionen zu reißerischen Clickbait-Überschriften verleitet. Wir sehen es auf Youtube, wo eine standardisierte Hook- und Thumbnail-Logik die visuelle und sprachliche Vielfalt erdrückt. Und wir sehen es bei klassischen Medien, deren Überschriften immer mehr rein auf Klicks optimiert werden. Der Code erzieht uns im gesamten digitalen Raum zu Gehorsam und formt unsere Ausdrucksweise nach mathematischen Effizienzkriterien.
Die eigentliche Tragödie ist dabei nicht, dass Linkedin eine Plattform voller Cringe ist. Die Tragödie ist, dass wir das Prinzip dieser algorithmischen Konditionierung im gesamten Internet längst durchschaut haben – und trotzdem jeden Tag aufs Neue mitmachen.
Nils Matthiesen schreibt als freier Mitarbeiter über Technik, KI-Werkzeuge und digitale Alltagshelfer. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf Smartwatches, Drohnen, Actioncams und anderen vernetzten Geräten. Seit mehr als 25 Jahren arbeitet er als Technikjournalist und legt Wert auf verständliche Einordnung, kritische Tests und klaren Praxisbezug.
IMHO ist der Kommentar von Golem [IMHO = In My Humble Opinion (Meiner bescheidenen Meinung nach)]
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