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Der soziale Konformismus: Warum anscheinend alle mitmachen

Das Erschreckendste an dieser Entwicklung ist jedoch nicht die Existenz der mathematischen Zwänge an sich, sondern die Bereitwilligkeit, mit der sich die Akteure ihnen offenbar unterwerfen. Das Phänomen betrifft längst nicht mehr nur werbende Unternehmen und verzweifelte Jobsuchende, die aus gutem Grund um digitale Aufmerksamkeit betteln.

Wer das Netzwerk beobachtet, sieht gestandene CEOs, hoch bezahlte Partner von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie geschätzte Kollegen und Bekannte, die durch die Bank denselben hölzernen Broetry-Stil adaptieren. Warum unterwerfen sich Menschen aber einem digitalen Zwang, den sie wirtschaftlich überhaupt nicht nötig haben?

Die Antwort liegt wahrscheinlich in einer perfiden Mischung aus digitaler Betriebsblindheit und sozialem Konformismus. Menschen sind evolutionär darauf programmiert, sich der Sprache des Raumes anzupassen, den sie betreten(öffnet im neuen Fenster). Wenn auf einer digitalen Plattform wie Linkedin monatlich Millionen Beiträge nach exakt demselben Muster ausgespielt werden, verschiebt sich die Wahrnehmung dessen, was als professionell gilt.

Die Betroffenen merken dadurch oft nicht, wie absurd ihre Posts für Außenstehende wirken. Dazu kommt die nackte Angst der Führungsetagen vor digitaler Unsichtbarkeit. Kommunikationsabteilungen impfen ihren Vorständen heute ein, dass moderne Führung Skills wie "Nahbarkeit" und "Thought Leadership" erfordert. Da den Chefs jedoch die Zeit für tiefgründige Medienarbeit fehlt, kopieren sie blind die gängigen Muster der Aufmerksamkeitsökonomie.

Der finale Katalysator in diesem System ist die Dopamin-Falle des Corporate Ego. Das menschliche Gehirn unterscheidet bei Belohnungsmechanismen nicht, ob digitaler Applaus von echten Kunden oder aus den rituellen Absprache-Zirkeln des Schleim-Kartells stammt(öffnet im neuen Fenster).

Ein sachlicher, kompakter Text über eine neue Quartalsbilanz erntet in der algorithmischen Isolation vielleicht fünf nüchterne Reaktionen. Wird dieselbe Bilanz jedoch in eine melodramatische Geschichte über schlaflose Nächte und harte Lektionen verpackt, steigen wahrscheinlich die Zahlen.

Das plötzliche Feedback in Form von Likes und virtuellen Schulterklopfern triggert die persönliche Eitelkeit. Der Algorithmus korrumpiert die Akteure, indem er Konformismus mit sozialem Status belohnt.


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