Abo
  • Services:

Algorithmen: Die Crowd soll Googles Geheimnis lüften

Forscher und Aktivisten wollen wissen, wie sehr Google die Ergebnisse zu politischen Suchbegriffen personalisiert. Das Projekt läuft bis zur Wahl und braucht Freiwillige.

Artikel von Patrick Beuth/Zeit Online veröffentlicht am
Wie stark personalisiert die Google-Suche?
Wie stark personalisiert die Google-Suche? (Bild: Francois Lenoir/Reuters)

Die Initiative Algorithmwatch will Google ein wenig transparenter machen. Sie will verstehen, wie Google Suchergebnisse personalisiert, sie will Googles Algorithmus praktisch per Reverse Engineering durchleuchten.

Inhalt:
  1. Algorithmen: Die Crowd soll Googles Geheimnis lüften
  2. Ergebnisse und Quellcode sind offen einsehbar

Bekommen alle Google-Nutzer die gleichen Ergebnisse angezeigt, wenn sie in den Wochen vor der Bundestagswahl über Google oder Google News nach politischen Begriffen suchen? Und wenn nicht, was beeinflusst die individuellen Ergebnisse? Das sind die Ausgangsfragen von Algorithmwatch für das Projekt Datenspende BTW17.

Zusammen mit mehreren Landesmedienanstalten startet die Initiative dazu ein Crowdsourcing-Projekt, das bis nach der Wahl dauern soll. Gesucht werden Freiwillige, die sich hier ein eigens programmiertes Plugin für ihren Chrome- oder Firefox-Browser herunterladen und installieren - und anschließend darüber Daten spenden.

Automatisiertes Suchen nach CDU, Grünen und AfD

Das Plugin öffnet bis zu sechsmal am Tag ein neues Browserfenster und schickt von dort Suchanfragen an Google und Google News. Gesucht wird nach verschiedenen Politikernamen und Parteikürzeln, im Einzelnen sind das zunächst Angela Merkel, Martin Schulz, Christian Lindner, Katrin Göring-Eckardt, Cem Özdemir, Sahra Wagenknecht, Dietmar Bartsch, Alice Weidel und Alexander Gauland sowie die Parteien CDU, CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und AfD.

Stellenmarkt
  1. M-net Telekommunikations GmbH, München
  2. McService GmbH, München

Die jeweils erste Ergebnisseite von Google und Google News wird automatisch ausgelesen. Zusammen mit der Identifikationsnummer des Plugins, Ort und Postleitzahl der Nutzer (wie sie aus der IP-Adresse hervorgehen) sowie der Spracheinstellung des Browsers werden die Ergebnisse an das Projekt gesendet. Außerdem wird die Information übertragen, ob ein Nutzer während der Suchvorgänge bei Google eingeloggt war. Denn in Googles Sucheinstellungen steht: "Wenn du angemeldet bist, erhältst du basierend auf deiner Suchaktivität relevantere Ergebnisse und Empfehlungen." (Wie man das deaktivieren kann, erklärt Google hier.)

Ziel des Crowdsourcing-Projekts ist es, herauszufinden, unter welchen Umständen welche Suchergebnisse erscheinen. Wie sehr also der ungefähre Standort, Sprache und die persönliche Suchhistorie beeinflussen, was Google-Nutzer zu sehen bekommen, wenn sie nach Politikern und Parteien suchen.

Personalisierung ist möglicherweise weniger stark als angenommen

"Das ist kein Misstrauensvotum gegen Google", hatte Katharina Anna Zweig, Informatik-Professorin an der TU Kaiserslautern und Mitgründerin von Algorithmwatch, bei einer ersten Vorstellung des Projekts gesagt. "Es geht darum, wie wir als Gesellschaft Algorithmen kontrollieren können." Auf Nachfrage von Zeit Online schreibt Zweig, Google personalisiere nach eigenen Angaben vor allem auf den Standort der Nutzer bezogen. Wer nach einem Metzger suche, bekomme welche in seiner Nähe vorgeschlagen. Die Suchhistorie und welche Seiten jemand angeklickt hat, habe dagegen nicht den Einfluss, der gemeinhin angenommen werde. Es gebe auch Studien, die das bestätigen.

Sie glaube auch nicht, dass Googles Algorithmen die Bundestagswahl beeinflussen könnten. Dagegen spreche allein schon der insgesamt gesunde Mix im Medienkonsum der Deutschen. Zweig schreibt: "Ich glaube, dass die Gefahr in dieser Wahl hauptsächlich von außen kommt. Die Algorithmen der sozialen Netzwerke zusammen mit denen der Suchmaschinen sorgen dafür, dass gezielt gestreute Falschinformationen in die Welt kommen und massenhaft verbreitet werden können - aus meiner Sicht ist die Gefahr dafür in den sozialen Netzwerken am größten. Aber natürlich: Wenn dann auch noch eine gezielte Suche auf weitere Falschinformationen führt anstatt auf verlässliche Fakten, dann wird es gefährlich."

Versuche einer "konkreten Meinungsbildungsmanipulation" in Bezug auf bestimmte Politiker oder Parteien hält sie für unwahrscheinlich. Es gehe den Fabrikanten von gefälschten oder propagandistischen Nachrichten vielmehr "um eine Erschütterung des Vertrauens in politisch-demokratisches Handeln und in journalistische Arbeit, es geht um das Aufwiegeln von vermeintlicher Elite und allen anderen. Über diesen Umweg können uns also insbesondere soziale Netzwerke - aber auch Suchmaschinen, falls jemand sich die Mühe macht, Beiträge mit Suchmaschinenoptimierung hoch in die Ergebnislisten zu pushen - in unserer Meinungsbildung beeinflussen".

Ergebnisse und Quellcode sind offen einsehbar 
  1. 1
  2. 2
  3.  


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. (u. a. ES Blu-ray 10,83€, Die nackte Kanone Blu-ray-Box-Set 14,99€)
  2. (u. a. 3 Blu-rays für 15€, 2 Neuheiten für 15€)

Shik3i 10. Jul 2017

Offtopic: Die Kommentare unter den AFD Posts sind wirklich immer Lohnenswert :D

Shik3i 10. Jul 2017

Na genau deswegen wird das doch gemacht ?

logged_in 09. Jul 2017

Habs soeben mal installiert und beim 2. Durchlauf kam ein Captcha. Our systems have...

Hopfentee73 08. Jul 2017

Nach dem Staatstrojaner und dem Zensurgesetz der nächste Schritt in Richtung...


Folgen Sie uns
       


Nubia Red Magic Mars - Hands on (CES 2019)

Das Red Magic Mars von Nubia ist ein Gaming-Smartphone mit guter Hardware - und einem ziemlich guten Preis.

Nubia Red Magic Mars - Hands on (CES 2019) Video aufrufen
CES 2019: Die Messe der unnützen Gaming-Hardware
CES 2019
Die Messe der unnützen Gaming-Hardware

CES 2019 Wer wollte schon immer dauerhaft auf einem kleinen 17-Zoll-Bildschirm spielen oder ein mehrere Kilogramm schweres Tablet mit sich herumtragen? Niemand! Das ficht die Hersteller aber nicht an - im Gegenteil, sie denken sich immer mehr Obskuritäten aus.
Ein IMHO von Oliver Nickel

  1. Bosch Touch-Projektoren angesehen Virtuelle Displays für Küche und Schrank
  2. Mobilität Das Auto der Zukunft ist modular und wandelbar
  3. Sonos Keine Parallelnutzung von Alexa und Google Assistant geplant

People Mover: Rollende Kisten ohne Fahrer
People Mover
Rollende Kisten ohne Fahrer

CES 2019 Autonome People Mover sind ein Trend auf den Messeständen der Mobilitätsanbieter in Las Vegas. Neue Sensor-Generationen senken die Kosten und vereinfachen die Fertigung der Shuttlebusse ohne Fahrer.
Ein Bericht von Dirk Kunde

  1. Streaming-Lautsprecher Google Assistant für ältere Sonos-Modelle geplant
  2. Dell Latitude 7400 im Hands on Starkes Business-2-in-1 mit knackigem Preis
  3. 360 Reality Audio ausprobiert Sony erzeugt dreidimensionalen Musikklang per Kopfhörer

Geforce RTX 2060 im Test: Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber
Geforce RTX 2060 im Test
Gute Karte zum gutem Preis mit Speicher-Aber

Mit der Geforce RTX 2060 hat Nvidia die bisher günstigste Grafikkarte mit Turing-Architektur veröffentlicht. Für 370 Euro erhalten Spieler genug Leistung für 1080p oder 1440p und sogar für Raytracing, bei vollen Schatten- oder Textur-Details wird es aber in seltenen Fällen ruckelig.
Ein Test von Marc Sauter

  1. Geforce RTX 2060 Founder's Edition kostet 370 Euro
  2. Turing-Architektur Nvidia stellt schnelle Geforce RTX für Notebooks vor
  3. Turing-Grafikkarte Nvidia plant Geforce RTX 2060

    •  /