Alexa Map View im Hands-on: Interaktiver Grundriss bringt Übersicht ins Smart Home

Wer per App viele Geräte im Smart Home managt, muss sich oft durch lange Listen von Geräteeinträgen scrollen. Ein Grundriss der Wohnung würde den Weg zur richtigen Schaltfläche deutlich verkürzen. Doch kaum eine Steuerungssoftware bietet dieses praktische Feature.
Als erste der derzeit großen kommerziellen Plattformen wird Amazon Alexa einen interaktiven Grundriss ergänzen. Nicht nur die Bedienung soll bequem sein, auch die Erstellung, wie der Tech-Konzern bei einem Launch-Event im US-amerikanischen Arlington, Virginia, ankündigte. Golem.de war dabei und hat sich die Funktion angeschaut.
Map View stellt alle Räume der Wohnung dar und zeigt, welche Geräte sich dort an welcher Stelle befinden. Über einen Druck auf Icons gelangt man zu Schaltflächen für Steuerfunktionen, etwa um Leuchtmittel ein- und auszuschalten, die Temperatur der Heizung zu regulieren, ein smartes Türschloss zu öffnen oder zu schließen und den Live-Feed einer Sicherheitskamera aufzurufen.
Übersichtlicher Grundriss statt lange Geräteliste
Die Vorteile überzeugen: Man muss sich nicht merken, wie ein Gerät heißt und welchem Raum man es zugeordnet hat, um im entsprechenden Raummenü den passenden Geräteeintrag zu finden. Stattdessen scrollt man in der zweidimensionalen Karte einfach zu der Stelle, wo das Gerät steht. Dessen Aufstellort kennt man in der Regel schon. Auch wir wussten ja nicht, wie die Demo-Geräte heißen, vor denen wir standen. Mit einem Blick auf den Grundriss konnten wir sie trotzdem klar identifizieren und bedienen.
Auf dem Launch-Event zeigte Amazon den Grundriss in der Smartphone-Bedienoberfläche der Alexa-App. Dort soll Map View zuerst integriert werden. Später will Amazon die Funktion auch auf dem Echo Hub ergänzen.
Kartierung braucht Lidar-Sensor von iPhone Pro
Wie man die Karte erstellt, konnten wir nicht ausprobieren. Laut Amazon geht das so: Man läuft mit geöffneter App und Zugriff auf die Smartphone-Kamera durch die Wohnung und filmt sie ab. Aus den Aufnahmen erstellt die Software den Grundriss. Anschließend ordnet man von Hand die Geräte an die richtige Stelle. Das macht die Alexa-App nicht von allein.









Das Kamera-Objektiv allein reicht offenbar nicht für einen genauen Grundriss. Für eine korrekte Darstellung setzt Amazon auf die Entfernungsmessungen von Lidar-Sensoren. Das kann ein Problem sein, denn längst nicht alle Smartphones verfügen über einen solchen Sensor. Enthalten ist er zum Beispiel in Apple-Hardware. Konkret beschränkt sich Amazon Map View auf die Geräte iPhone 12 Pro und Pro Max, 13 Pro und Pro Max, 14 Pro und Pro Max. Auch nicht näher genannte iPad Pro unterstützen die Funktion.
Das schränkt die Zahl der potenziellen Nutzer deutlich ein. Inwiefern es möglich ist, den Grundriss mit den genannten Apple-Geräten zu erstellen, aber dann auch auf Smartphones anderen Typs zu nutzen - dazu äußerte sich Amazon nicht.

Die Funktion soll in Kürze in den USA verfügbar sein. Ob sie nach Deutschland kommt, ließ Amazon offen. Es wäre sehr zu wünschen, denn Grundrissfunktionen in der Smart-Home-Steuerung sind eine echte Rarität, erst recht, wenn sie mit einem intuitiven Bedienkonzept einhergehen.
Mit dem inzwischen eingestellten Dienst Conrad Connect gab es zeitweilig einen kommerziellen Anbieter einer solchen Kartenfunktionen. Auf Open-Source-Systemen wie Home Assistant lässt sich ebenfalls ein Grundriss erstellen - allerdings nur mit einem hohen privaten Enthusiasmus.



