Forschung: Flexible Glasfasernetze statt immer höhere Datenrate
Immer mehr Bandbreite ist nicht der Weg zum Ausbau der Telekommunikationsnetzwerke. Die Datenübertragungsrate soll sich dem Bedarf anpassen.
Auch die Glasfasernetze werden weiterentwickelt: Andreas Leven, Site Leader der Bell Labs Germany und Head der Very High-Speed Systems und Processing, erklärte am 14. Juli 2015 auf der Bell Labs Labtour, dass für 5G an flexiblen optischen Netzen gearbeitet werde. "Neu ist, dass wir uns an den Bedarf anpassen, den IP-Router an die Glasfaser-Transportnetze stellen, indem wir die Kanalbandbreite anpassen", sagte er.
Die Kanalbandbreite soll flexibel breiter oder schmaler werden können - je nach Anforderung des Netzes. "Damit ließe sich das optische Spektrum passgenau ausnutzen und so die Kapazität des Gesamtsystems erhöhen", erklärte Leven.
Bislang wird das optische Spektrum einer Glasfaser in feste 50-GHz-Kanäle unterteilt, über die eine fixe Datenrate von beispielsweise 100 GBit/s übertragen wird.
Kohärente optische Technologie
Basis für flexible optische Netze sei die kohärente optische Technologie, die seit einigen Jahren kommerziell verfügbar ist. Dabei wird die elektromagnetische Welle, die über die Glasfaser übertragen wird, in allen physikalischen Eigenschaften wie Polarisation, Phase und Amplitude, moduliert. Mit Hilfe eines lokalen Lasers mit Überlagerungsempfang werde die Information wieder dekodiert, sagte Leven. Im Gegensatz zur kohärenten optischen Technologie wird bei der klassischen On-Off-Keying-Technologie die Information ausschließlich in Lichtintensität kodiert. "Licht an" bedeute "1" und "Licht aus" sei gleich 0.
Bei der Weiterentwicklung der Glasfaser gehe es darum, die gesamte spektrale Bandbreite zu nutzen. Um Glasfaser besser zu machen, würde auch versucht, Glasfaser mit Luftkernen herzustellen. Dies sei aber noch sehr frühe Forschung, sagte Leven Golem.de.
Die Bell Labs sind ein Forschungsunternehmen, das gegenwärtig zu Alcatel-Lucent gehört und künftig zu Nokia gehören wird. Seine Wissenschaftler hätten viele Nobel-Preise erhalten und den Anspruch, disruptive Technik zu entwickeln, betonte Leven. Die Bell Labs haben sechs große Standorte weltweit.
Die Hälfte der 149 Beschäftigten in Stuttgart arbeitet mit drahtlosen Netzwerken. 700 Mitarbeiter haben die Bell Labs weltweit. Die Forschung sei oft auf fünf Jahre ausgelegt und nicht alles sei produktorientiert.
Bei der Bell Labs Labtour stellten die Wissenschaftler Ergebnisse aus unterschiedlichen Bereichen wie 5G, Cloud im Mobilfunk und Glasfaser vor.
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