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Aktien: KI-Sorgen schicken US-Börsen auf Talfahrt

Ein viraler Report über die Verdrängung menschlicher Intelligenz durch KI löst massive Verkäufe an der Wall Street aus.
/ Nils Matthiesen
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KI-Angst löst Börsenbeben aus. (Symbolbild) (Bild: Spencer Platt/Getty Images)
KI-Angst löst Börsenbeben aus. (Symbolbild) Bild: Spencer Platt/Getty Images

Die US-Aktienmärkte haben am Montag mit deutlichen Kursverlusten auf eine Kombination aus spekulativen Marktberichten und konkreten technologischen Fortschritten im Bereich der künstlichen Intelligenz reagiert. Das berichtet das Wall Street Journal(öffnet im neuen Fenster) .

Der Dow Jones Industrial Average(öffnet im neuen Fenster) sank um 1,7 Prozent (822 Punkte), während der Nasdaq Composite(öffnet im neuen Fenster) um 1,1 Prozent nachgab. Ein wesentlicher psychologischer Faktor war ein rund 5.000 Wörter umfassender Substack-Beitrag von Citrini Research(öffnet im neuen Fenster) . Darin wird das Szenario einer "globalen Intelligenzkrise" entworfen, in der KI-Agenten menschliche Wissensarbeit entwerten und zu drastischen Kostensenkungen sowie Massenarbeitslosigkeit führen könnten.

Analysten bewerteten den Report primär als Katalysator für eine Marktkorrektur, da viele der betroffenen Sektoren bereits seit Wochen unter Druck standen. Der Bericht lieferte Investoren offenbar einen Vorwand, Positionen in Unternehmen abzubauen, deren Geschäftsmodelle durch KI-Automatisierung als gefährdet gelten.

IBM und Softwaresektor unter Druck

Besonders deutlich zeigte sich die Verunsicherung bei IBM . Die Aktie verlor 13 Prozent, der stärkste Tagesverlust seit dem Jahr 2000.

Neben der allgemeinen Marktstimmung trug hierzu konkret eine Ankündigung von Anthropic bei: Das neue Tool Claude Code verspricht eine Automatisierung bei der Modernisierung von Altsystemen wie Cobol, was das Beratungs- und Servicegeschäft von IBM direkt tangiert.

Auch im Bereich Cybersecurity und Cloud-Monitoring gab es kräftige Abschläge. Crowdstrike(öffnet im neuen Fenster) verlor fast 10 Prozent an Wert, während Datadog(öffnet im neuen Fenster) und Zscaler(öffnet im neuen Fenster) Verluste von ebenfalls über 9 Prozent verzeichneten.

Lieferdienste wie Doordash(öffnet im neuen Fenster) gaben um 6,6 Prozent nach, nachdem Citrini das Unternehmen als Beispiel für Branchen anführte, die durch "agentic commerce" , also den Einsatz autonomer KI-Einkaufshelfer, disruptiert werden könnten. Doordash-Mitbegründer Andy Fang(öffnet im neuen Fenster) räumte ein, dass sich die Branche an die neuen Gegebenheiten anpassen müsse.

Flucht in Staatsanleihen und Edelmetalle

Zusätzliche Unsicherheit brachten Berichte über neue globale US-Zölle von 15 Prozent, was vor allem Logistikwerte belastete. Der Dow Jones Transportation Average(öffnet im neuen Fenster) sank um 2,8 Prozent.

In der Folge flüchteten Anleger in als sicher geltende Werte. Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen sanken deutlich, während Gold und Silber zulegten. Gold verteuerte sich um 2,9 Prozent auf rund 5.204 US-Dollar pro Feinunze.

Trotz der heftigen Reaktion mahnen Strategen zur Besonnenheit(öffnet im neuen Fenster) . Die hohe Volatilität zeige vor allem, wie "trigger happy" der Markt aktuell auf jede Nachricht reagiere, die das Narrativ der KI-Disruption stütze.


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