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Sternstunden der Fanliteratur

"Das hat in Akte X so unfassbar gut funktioniert, weil es die Dynamik zwischen den beiden Figuren und diese Chemie zwischen den Darstellern gab", sagt Wartenberg, "beide mussten im Sinne der Serie immer unterschiedliche Standpunkte einnehmen, was ein besonderes Flirtpotenzial ergab". Bis heute beschäftigt die Mulder-Scully-Romantik, unter den Shippern als MSR abgekürzt, die Fans der Serie. In unzähligen Beiträgen und Videos wurde jedes hauchende "Mulder" von Scully analysiert, jeder schmachtende Blick diskutiert, bevor es zum Ende der Serie hin tatsächlich den ersten echten Kuss gab. I Want To Believe, der wohl bekannteste Slogan der Serie, war gleichzeitig das Motto der Shipper. Und wenn die Macher ihre Wünsche nicht erfüllen, wurden sie eben selbst kreativ.

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Akte X war bei weitem nicht die erste Serie, die Fanliteratur hervorbrachte. Literatur, die auf bestehenden Figuren aufbaut, lässt sich Jahrhunderte zurückverfolgen. Moderne Vorreiter waren dann Bücher wie Sherlock Holmes und TV-Serien wie Star Trek, doch erst mit Akte X fand das Genre seinen Weg ins Netz, was vor allem einer Seite zu verdanken ist: dem Gossamer Project. Gegründet im Mai 1995, hatte sich Gossamer in der zweiten Hälfte der Neunziger Jahre zu einer der größten Seiten für Fanfiction entwickelt. Fast 40.000 Geschichten finden sich bis heute im Archiv, darunter auch einige von Paul Wartenberg: "Fanfiction war witzig, man konnte an einem Tag oder einem Wochenende eine Geschichte schreiben, die dann anschließend kritisiert, bemängelt, verbessert oder in Limericks lächerlich gemacht wurde. Gossamer kam später, aber die Leute dahinter haben damals einen tollen Job gemacht, gemessen daran, wie viele Storys eingesandt wurden."

Über die Qualität dieser "Literatur" lässt sich freilich streiten. Viele der Geschichten bestehen vor allem aus holzschnittartigen Szenen, in denen sich Scully und Mulder mal weniger und in vielen Fällen mal sehr nahe kommen. Aber auch homoerotische Slash-Fiktion, etwa zwischen Mulder und dem mysteriösen Bösewicht Alex Krycek, ist in den Archiven zu finden. Bis zum Aufstieg der Harry-Potter-Reihe um die Jahrtausendwende war Gossamer eine der vorherrschenden Fan-Communitys im Netz, und die X-Philes eine "der ersten, die den Cyberspace nutzten, um virtuelle Fankultur und spezielle Interessensgruppen zu erschaffen", wie es die Filmprofessorin Adrienne McLean beschrieb. Als der Sender Fox in den Neunziger Jahren gegen einige Fanprojekte urheberrechtlich vorging, protestierten diese in einer der ersten kollektiven Netzbewegungen für das Recht auf Remix.

Austausch mit Fans

Den Machern der Show blieb die Hingabe der Fans im Netz nicht verschlossen. Die Serie förderte den Austausch zwischen Fans, Produzenten und Schauspielern, und was heute im Zeitalter von Twitter und sozialen Netzwerken fast selbstverständlich ist, war Mitte der Neunziger Jahre praktisch Neuland: Kamen beide Seiten zuvor allenfalls auf offiziellen Veranstaltungen zusammen, war plötzlich ein unmittelbarer Austausch möglich. Der Produzent und Drehbuchautor Frank Spotnitz erinnert sich, dass einige Autoren zögerlich, ja fast schon ängstlich waren, die Fanseiten im Netz zu besuchen. Er aber habe immer heimlich die Beiträge im Usenet verfolgt und wurde bei mindestens einer Folge sogar von den Zuschauern inspiriert. Als die in der Community beliebte Fanfiction-Autorin Leyla Harrison 2001 starb, benannten die Macher eine FBI-Agentin in der Serie nach ihr.

Als Akte X nach knapp 200 Folgen zu Ende ging, hatte die Serie ihren Zenit überschritten. Die Mythologie war aufgeblasen, die Zusammenhänge selbst für Science-Fiction-Verhältnisse hanebüchen und die Nicht-oder-doch-Beziehung zwischen Mulder und Scully mehr Satire als ernst gemeint. Doch selbst als die Serie aus dem Fernsehen verschwand, blieben ihre Fans im Internet aktiv. 2007, passend zum mäßigen Kinofilm, entstand mit X-Files News eine neue Website bestehend aus "Fanjournalisten", die sich um ernsthafte Berichterstattung kümmerten. Die Fanliteratur wurde, gefördert von Plattformen wie Tumblr oder Deviantart, von Fankunst abgelöst. Auf Youtube finden sich heute Supercuts und Parodien, Podcasts wie The X-Files Files des Schauspielers Kumail Nanjiani (Silicon Valley) bringen die Serie einer neuen Generation näher.

Und was ist mit den alten Fans? Kann das Revival der Serie sie wieder hervorlocken oder sind die alten Usenet-Nutzer in Zeiten der sozialen Netzwerke überfordert? Die Reaktionen auf Twitter und Facebook in den vergangenen Monaten lassen zumindest vermuten, dass die X-Philes noch immer aktiv sind, und sowohl Gillian Anderson als auch David Duchovny nutzen ihre Accounts, um gefühlige Nostalgie zu verbreiten.

"Ich habe bis jetzt noch nicht so viele alte Bekannte im Netz getroffen, aber wenn es im Januar losgeht, werden wir bestimmt wieder zusammenkommen, uns freuen und darüber amüsieren, dass die Zusammenhänge wieder nicht stimmen", sagt Paul Wartenberg. Nicht nur die Wahrheit, sondern auch die Fans, sie sind immer noch da draußen.

 Akte X: Die Fans sind immer noch da draußen
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Garius 11. Nov 2015

Ging mir bei Breaking Bad zum Beispiel andersrum. Nachdem ich eine Folge mit original...

Garius 11. Nov 2015

Mir mangelt es in der Serienlandschaft allgemein an individuellen Einfällen. Gefühlt hat...

Anonymer Nutzer 11. Nov 2015

https://en.wikipedia.org/wiki/List_of_The_X-Files_episodes "Episodes marked with a...

Ronald McDonald 11. Nov 2015

Gestern abend via Amazon Prime nach 20 Jahren mal wieder geguckt (S03). Das 4:3 Format...

elitezocker 11. Nov 2015

Da hast Du jetzt aber gelogen! Von wegen "So sah das aus". Da sind youtube videos drauf...


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