Akkutechnik: Wird die Akkuindustrie nach 2021 endlich vernünftig?

Rohstoffknappheit und steigende Kosten werden der Akkuindustrie in den nächsten Jahren stark zusetzen. Dabei leitet die Krise eine gesunde Reform der Branche ein - vorerst aber nur in China.

Artikel von veröffentlicht am
Die Blade Battery von BYD ermöglicht Akkus mit hoher Energieichte und niedrigem Rohstoffverbrauch.
Die Blade Battery von BYD ermöglicht Akkus mit hoher Energieichte und niedrigem Rohstoffverbrauch. (Bild: BYD)

2021 markiert eine Zeitenwende in der Akkuentwicklung. Die Nachfrage nach Elektroautos übertrifft alle Erwartungen, genauso tun es die Baupläne für neue Akkufabriken. In Norwegen sind 80 Prozent aller Neuwagen Elektroautos, weltweit erstmals über zehn Prozent. Möglich wurde das aber nicht durch bessere Akkus mit höherer Energiedichte, sondern auch durch niedrigere Akkupreise. Noch vor zehn Jahren waren Akkus durchschnittlich zehnmal so teuer.

In China, wo 80 Prozent der weltweiten Akkuproduktion stattfinden, hat längst ein Umdenken eingesetzt. Die meisten neuen Akkufabriken bauen die billigeren und robusteren Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LFP), die in China erstmals mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion darstellen. LFP-Akkus verzichten auf Nickel und Kobalt. Sie sind robuster, billiger und umweltfreundlicher, dafür aber etwas größer und schwerer.

Eine Knappheit von Nickel war für die Akkuproduzenten längst absehbar (selbst Elon Musk sprach 2020 davon auf dem Battery Day) und wurde nur durch die radikale Umstellung auf LFP abgewendet. Mehr als die Hälfte aller in China hergestellten Akkus verwenden Eisen statt Nickel. Auch Tesla setzt seit 2020 auf LFP und Elon Musk erwartet, dass Tesla in Zukunft nur noch in 20 Prozent der Autos die teuren nickelbasierten Akkus verwenden wird, wie die 4680-Zellen, die in der Gigafactory Berlin hergestellt werden sollen.

Lithiumknappheit belastet die Industrie

Niedrige Kosten sind wichtiger als die maximale Energiedichte. Aber davon unbeeindruckt haben, neben Tesla, eine Reihe von Firmen wie Quantumscape und Solid Power neue Akkus mit neuen Rekorden in der Energiedichte vorgestellt. Sie werden als großer Durchbruch für die Elektromobilität gefeiert, doch sie benötigen mehr Lithium und andere Rohstoffe als ohnehin schon.

Stellenmarkt
  1. IT-Spezialist*in (m/w/div)- IT-Systeme/IT-Services
    Deutsche Rentenversicherung Bund, Würzburg
  2. IT Consultant S / 4HANA SAP GTS - Export Control / Sanction Party Screening (m/w/d)
    Schaeffler Technologies AG & Co. KG, Nürnberg
Detailsuche

Die meisten angehenden Käufer von Elektroautos werden davon in nächster Zeit nicht viel haben. Die Lithiumpreise stiegen von November 2020 bis November 2021 um das Fünffache. Die Industrie sieht sich ab 2022 einer dauerhaften Lithium-Knappheit gegenüber. Aktuell geplante Fabriken werden nicht mehr ihre gesamte Produktionskapazität ausnutzen können, das wird die Pläne zum Bau von immer mehr Elektroautos mit immer größerer Akkukapazität in die Schranken weisen.

Natrium wird in Europa und USA ignoriert

Eine bessere Lösung hat der weltgrößte Akkuhersteller CATL vorgestellt und bereitet in China Natrium-Ionen-Akkus für die Massenproduktion vor, die ohne Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Graphit auskommen. Die chinesische Regierung unterstützt deren Entwicklung nun im ganzen Land. Start-ups hatten die Technik in den USA und Europa längst entwickelt, fanden aber keinerlei nennenswerte Unterstützung von Regierungen oder Investoren. Nun suchen Firmen wie Faradion und Altris anderswo nach Herstellern und werden in China und Indien fündig.

Dabei hat die EU Lithium, Nickel, Kobalt und Graphit längst zu strategischen Rohstoffen erklärt, aber keinerlei Produktion gesichert. Fast alle neuen Akkufabriken, die derzeit in Europa gebaut werden, sollen teure nickelbasierte Akkus bauen. Der Hintergrund ist in der europäischen und amerikanischen Automobilbranche die feste Überzeugung, dass nur Akkus mit der höchstmöglichen Energiedichte wettbewerbsfähig sind.

Die Kosten spielen für sie keine Rolle, schließlich sind sie bislang quasi von allein gefallen. Das ist aber ein großes Missverständnis. Wie ist es zu diesem Missverständnis gekommen? Wohin geht die Entwicklung der Technik? Werden Akkus von Elektroautos jetzt wieder schlechter?

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed
Bessere Konstruktionen senken die Anforderungen an Akkus 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5. 5
  6.  


Cavaron 03. Jan 2022 / Themenstart

Moin - ja, das mit dem Bier können wir gerne machen. Ich schätze auch, wir müssen dafür...

yooyoo 01. Jan 2022 / Themenstart

China ist aber auch nicht das beste Gegenbeispiel, musst dann eben auch auch mit...

format 01. Jan 2022 / Themenstart

Bitte lasst mich mit dem Lesch in Ruhe, der Typ ist eine einzigartige Dumpfbacke. Seit er...

wernerderchamp1 31. Dez 2021 / Themenstart

Und dann fahren alle Schlachtschiff-SUVs mit 2,5t, jaja genau. Warum zum Fick sollte ich...

dirk_diggler 30. Dez 2021 / Themenstart

Gab hier auf golem doch schon genug Artikel über Recycling von Lithium aus akkuzellen...

Kommentieren



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Digitalisierung
500-Euro-Laptops für Lehrer "leistungsfähig und gut nutzbar"

Das Land NRW hat seine Lehrkräfte mit Dienst-Laptops ausgestattet. Doch diese äußern deutliche Kritik und verwenden wohl weiter private Geräte.

Digitalisierung: 500-Euro-Laptops für Lehrer leistungsfähig und gut nutzbar
Artikel
  1. Bundesservice Telekommunikation: Schlecht getarnte Tarnorganisation praktisch enttarnt
    Bundesservice Telekommunikation
    Schlecht getarnte Tarnorganisation praktisch enttarnt

    Inzwischen ist offensichtlich, dass der Bundesservice Telekommunikation zum Bundesamt für Verfassungsschutz gehört.

  2. Volkswagen Payments: VW entlässt Mitarbeiter wohl wegen Cybersicherheits-Bedenken
    Volkswagen Payments
    VW entlässt Mitarbeiter wohl wegen Cybersicherheits-Bedenken

    Volkswagen entlässt einem Bericht nach einen Mitarbeiter, nachdem dieser Bedenken hinsichtlich der Cybersicherheit von Volkswagen Payments äußerte.

  3. Frequenzen: Bundesnetzagentur erfüllt Forderungen der Mobilfunkkonzerne
    Frequenzen
    Bundesnetzagentur erfüllt Forderungen der Mobilfunkkonzerne

    Jochen Homann könnte vor seinem Ruhestand noch einmal Vodafone, Deutsche Telekom und Telefónica erfreuen.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    Daily Deals • RTX 3080 Ti 12GB 1.699€ • Intel i9-10900K 444,88€ • Huawei Curved Gaming-Monitor 27" 299€ • Hisense-TVs zu Bestpreisen (u. a. 55" OLED 739€) • RX 6900 1.449€ • MindStar (u.a. Intel i7-10700KF 279€) • 4 Blu-rays für 22€ • LG OLED (2021) 77 Zoll 120Hz 2.799€ [Werbung]
    •  /