CATL-Chef mahnt zu weniger Hype
Den Abschluss bildete eine Ansprache des CATL-CEOs Robin Zheng, in der er darauf verwies, dass CATL immer ehrlich mit Problemen umgeht – wobei er sich damit wohl auf firmeninterne Vorgänge bezieht. Denn nach außen werden Probleme offenbar nur kommuniziert, nachdem sie gelöst wurden und sich ein Produkt verspätet hat. Er beklagte auch, dass in der Akkuindustrie zu viel Hype jenseits technischer oder gar physikalischer Möglichkeiten betrieben werde.
Zheng muss hier aber vorgeworfen werden, dass CATL in der Vergangenheit immer wieder selbst voreilige Ankündigungen gemacht hat. Die 500-Wh/kg-Akkus sollten laut der Ankündigung von 2023 eigentlich schon 2024 in Massenproduktion gehen und für die Natrium-Ionen-Akkus gilt Ähnliches. Es ist jedoch gut möglich, dass diese vor einem internationalen Publikum vorgebrachten Sätze hauptsächlich an die eigenen Mitarbeiter gerichtet waren und eine Ermahnung zu größerer Zurückhaltung und weniger Hype darstellen sollen.
Die Diskrepanz zwischen den Aussagen zur Akkutechnologie und der Realität hat bei CATL aber, zumindest bislang, noch längst nicht die Ausmaße erreicht, wie sie bei Firmen wie Tesla oder gar Donut Labs und Theion zu beobachten sind.
Realitätsfremde Präsentation
Insgesamt wirkte die Präsentation dennoch realitätsfremd. In einer weltpolitischen Lage mit der größten Ölkrise seit einem halben Jahrhundert hätten klare Aussagen zur Versorgungsfähigkeit und Produktionskapazitäten von Akkus für den weltgrößten Akkuhersteller eigentlich zur Pflicht gehören sollen. Immerhin stellen die Akkus in Elektroautos die Hauptalternative zu Treibstoffen aus Öl dar.
Stattdessen war die Präsentation sogar noch mehr auf China ausgerichtet als sonst und nicht etwa auf die Versorgung der Welt, sondern auf die einer kleinen Elite mit extrem unvernünftigen Ansprüchen. Wir wissen jetzt, dass CATL demnächst Sportwagen mit 3.000 kW Leistung über den Nürburgring heizen lassen wird und ein Hybridsystem für Geländewagen im Angebot hat, das auch bei 20 Prozent Ladestand noch 1.200 kW Leistung liefert.
Das ist extreme Leistung in einer Situation, in die niemand mit einem Geländewagen kommen sollte und die zur Lösung fast jedes realen Problems gänzlich nutzlos ist. Als Motorsport-Fan finde ich die Lösung gänzlich irrealer Probleme natürlich dennoch faszinierend.
Aber diese Faszination muss hintangestellt werden, wenn die Welt gerade wesentlich größere reale Probleme hat. Der Welt fehlt gerade das Öl und nicht Rennautos und Luxusgeländewagen. Es ist schade, dass die Geschäftsführung von CATL dazu nicht in der Lage war und kein Unternehmen in Europa es auch nur im Ansatz besser tun könnte oder würde.



