Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Akkuproduktion: Batterie-Start-up Britishvolt meldet Insolvenz an

Die Umstellung auf Elektroantriebe und der Brexit machen der britischen Autoindustrie zu schaffen. Nun sind Pläne für eine "Gigaplant" gescheitert.
/ Friedhelm Greis
10 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)
Die geplante Gigaplant von Britishvolt sollte 3.000 Arbeitsplätze schaffen. (Bild: Britishvolt)
Die geplante Gigaplant von Britishvolt sollte 3.000 Arbeitsplätze schaffen. Bild: Britishvolt

Das britische Start-up Britishvolt hat Insolvenz anmelden müssen. Damit seien Pläne zum Bau einer Batteriezellfabrik im nordenglischen Blyth vorerst gescheitert, berichtete der Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Die meisten der 300 Angestellten würden umgehend ihren Job verlieren. Die Beratungsfirma EY (Ernst & Young) habe die Abwicklung der Geschäfte übernommen.

Das 2019 gegründete Unternehmen begann bereits im Sommer 2021 mit dem Bau der Fabrik in Blyth begonnen. Dort sollten bis zu 3.000 Mitarbeiter jährlich Batteriezellen mit einer Kapazität von 30 Gigawattstunden (GWh) produzieren(öffnet im neuen Fenster) . Diese sollten sowohl für Elektroautos als auch für Batteriespeicher genutzt werden. Die Kosten für die Fabrik wurden mit 3,8 Milliarden Pfund angegeben, umgerechnet 4,32 Milliarden Euro. Die Batteriezellen hätten für 500.000 Autos der Kompaktklasse gereicht.

Zu geringe Baufortschritte

Trotz des Baubeginns zeichneten sich bereits im vergangenen Jahr Finanzierungsprobleme ab, obwohl die britische Regierung unter dem damaligen Premierminister Boris Johnson das Projekt ebenfalls unterstützte. Für Johnson sollte die Fabrik einen Eckpfeiler seiner "globalen grünen industriellen Revolution" darstellen. Dennoch verweigerte die Regierung dem Startup im September 2022 einen Vorschuss von 30 Millionen Pfund von den versprochenen 100 Millionen Pfund an Fördermitteln. Offenbar habe es Zweifel an der Umsetzung der ambitionierten Pläne gegeben, berichtete der Guardian(öffnet im neuen Fenster) . Auch seien die Ziele beim Baufortschritt verfehlt worden.

Der im vergangenen Herbst beauftragten Beratungsfirma EY gelang es seitdem nicht, neue Investoren für die Batteriefabrik zu gewinnen. Zuletzt gab es den Berichten zufolge Verhandlungen mit mehreren potenziellen Investoren aus Indonesien oder Großbritannien, die jedoch nicht zum Erfolg geführt hätten.

Kaum Fabriken in Großbritannien geplant

Beobachter sehen in der Pleite einen Rückschlag auf dem Weg der britischen Autoindustrie zur Elektrifizierung der Produkte. Das britische Faraday-Institut listet in einer Übersicht (öffnet im neuen Fenster) 41 laufende, im Bau befindliche oder geplante Batteriefabriken in Europa auf, darunter nur drei in Großbritannien. Deutschland könnte mit 14 möglichen Fabriken hingegen das Zentrum der europäischen Batterieproduktion werden .

Die Hoffnungen der britischen Industrie ruhen nach der Insolvenz vor allem auf einem Werk im nordenglischen Sunderland, etwas südlich von Blyth. Dort produziert das Unternehmen Envision AESC bereits Akkus, die in der benachbarten Nissan-Fabrik in Fahrzeuge eingebaut werden. Die bisherige Kapazität von 1,9 GWh soll in einer zweiten Fabrik auf bis zu 25 GWh im Jahr 2030 ausgebaut werden. Die japanische Firma AESC wurde 2018 vom chinesischen Unternehmen Envision übernommen.

Der von Britishvolt geplante Produktionsstandort in Blyth ist jedoch noch nicht endgültig gescheitert. Einen Bericht der BCC zufolge(öffnet im neuen Fenster) zeigten sich Vertreter von Industrie und Regierung zuversichtlich, dass die Fabrik am Ende noch gebaut werden könnte.

Einem Bericht des Guardian (öffnet im neuen Fenster) zufolge könnten von dem Scheitern von Britishvolt andere Unternehmen profitieren, die ebenfalls demnächst über den europäischen Standort von Batteriefabriken entscheiden wollten. Das betreffe beispielsweise das vom ehemaligen Aston-Martin-Chef Andy Palmer geleitete slowakische Unternehmen InoBat. Auch die Tata-Gruppe, die dem indischen Eigentümer von Jaguar Land Rover gehört, plane den Bau einer Akkufabrik in Europa. Die britische Regierung könnte sich nun gezwungen sehen, die Fabriken stärker zu fördern.


Relevante Themen