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Akira wird 35: Der größte Sci-Fi-Anime-Film aller Zeiten

Der Wucht der Bilder dieses Films kann sich kaum jemand entziehen: Der 1988 entstandene Anime Akira ist ein zeitlos schöner Klassiker.
/ Peter Osteried
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Einfach nur großartig: der große Sci-Fi-Klassiker Akira (Bild: Leonine)
Einfach nur großartig: der große Sci-Fi-Klassiker Akira Bild: Leonine

Der Film beginnt mit einem gigantischen Licht – dem einer Explosion, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts Tokio auslöscht. Es ist der Anfang des Dritten Weltkriegs. Es heißt, ein Junge namens Akira habe diese Explosion ausgelöst. Dann gibt es einen Zeitsprung.

Wir befinden uns jetzt im Neo-Tokio des Jahres 2019. Die Hauptfiguren sind Mitglieder einer Biker-Gang, die in einer Stadt leben, in der Terroristen für Chaos sorgen, Aufstände die Polizei beschäftigen und überall Bomben hochgehen. In einem geheimen Quartier der Regierung warten drei immer schwächer werdende Kinder auf die Rückkehr ihres göttlichen Bruders: auf Akira.

Der Biker Tetsuo hat eine Begegnung mit einem seltsamen Jungen, der ungewöhnliche Fähigkeiten hat und in ihm latente Fähigkeiten weckt. Tetsuo wird ein Wesen, das eine enorme, körperliche Transformation durchmacht. Die Erklärung dafür ist halbgar, die visuelle Umsetzung aber atemberaubend.

Akira ist kein Klassiker, weil die Geschichte so atemberaubend wäre, sondern wegen seines Looks und wegen der Kühnheit, die Zuschauer mitten in eine Welt hinein zu stoßen, in der sie sich nicht auskennen. Dabei werden Tausende Seiten Manga komprimiert und verändert, um in der Laufzeit eines Spielfilms eine Geschichte zu erzählen. Der Film sprüht vor Ideen, aber auch vor Subplots, die einfach fallengelassen werden. Akira ist ein inhaltlich nur schwer greifbarer, mitunter verwirrender Film, aber einer, der in den Bann zieht.

Katsuhiro Otomo ist der Schöpfer von Akira(öffnet im neuen Fenster). Der 1954 geborene Autor schrieb in den 70er Jahren einige Mangas und hatte mit seiner Sci-Fi-Story Domu(öffnet im neuen Fenster) Erfolg.

Der Comic hat mehr als 2.000 Seiten

1982 begann er dann mit Akira. Der Comic wurde zuerst kapitelweise in einem Manga-Magazin veröffentlicht, die erste Collection war ein beispielloser Erfolg. Der Comic fand auch den Weg in die USA, wo der Verlag Marvel ihn mit einer eigens angefertigten Kolorierung publizierte und er von dort aus den Siegeszug rund um die Welt antrat.

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Für Otomo wurde Akira sein Magnum Opus. Er erzählt seine Geschichte auf über 2.000 Seiten(öffnet im neuen Fenster). Akira wurde bis 1990 veröffentlicht, der Film kam aber bereits 1988 in die Kinos. Das heißt, es gab ihn lange, bevor der Manga überhaupt sein Ende fand – auch deswegen unterscheidet sich der Film stark von der Vorlage.

Da die Arbeit an einem Zeichentrickfilm mehrere Jahre in Anspruch nimmt, war vom Manga höchstens die Hälfte publiziert, als es losging. Für Otomo war dies ein wahr gewordener Traum, da er zwar ein Mangaka war, aber die Animation immer schon der starren Form eines Comics vorzog.

Er hatte sich selbst schon an Animation versucht, aber mit Akira schickte er sich an, sich selbst zu übertreffen – und das mit einem Budget, das damals für japanische Zeichentrickserien unerhört hoch war. Ihm standen 1,1 Milliarden Yen(öffnet im neuen Fenster) zur Verfügung, was damals umgerechnet etwa 10 Millionen US-Dollar waren.

Eine technische Revolution

Da das Budget so immens hoch war, schlossen sich der Manga-Verleger Kodansha, der Vertrieb Toho, das Anime-Studio TMS und weitere Firmen zusammen und gründeten das Akira Committee, mit dem der Film produziert wurde.

Otomo hatte freie Hand. Das war seine Bedingung, um der Verfilmung überhaupt zuzustimmen. Er war nicht nur Autor der Vorlage, sondern auch Co-Autor des Drehbuchs, gestaltete die Storyboards und war der Regisseur des Films.

In Japan wurden Anime traditionell günstiger umgesetzt. Oft griff man auf eine limitierte Animation(öffnet im neuen Fenster) zurück, bei der nur Teile eines Frames neu gezeichnet wurden oder man einzelne Frames einsparte.

Angesichts des hohen Budgets konnte Otomo aber in die Vollen gehen. Hier wurden erstmals in der Geschichte der japanischen Animation die Dialoge aufgenommen, bevor man mit der Entwicklung der Zeichnungen begann. Erste computergenerierte Bilder wurden eingesetzt und die Frame-Rate war so hoch, dass der Film absolut flüssig lief. Selbst die Filme von Studio Ghibli arbeiteten damals mit semi-limitierter Charakter-Animation, weswegen ihre Filme weniger rund laufen.

Akira besteht aus 160.000 Frames. Das sind zwei- bis dreimal mehr, als bei japanischen Animes dieser Laufzeit üblich waren. Dazu kam, dass man 327 Farben nutzte – ein weiterer Rekord. 50 davon wurden für den Film kreiert. Der Grund: Der Film spielt über große Teile nachts – ein Setting, das man beim Zeichentrick gerne vermeidet, weil es größere Farbanforderungen mit sich bringt. Insgesamt arbeiteten 70 Leute praktisch rund um die Uhr an dem Film.

Der Film wurde direkt in der Aspect Ratio von 1,85:1 animiert. Normalerweise werden die Zeichnungen für 1,37:1 angefertigt und oben und unten die Maskierung angebracht, um ein Widescreen-Bild zu erhalten. Das wiederum erlaubte es den Zeichnern, mehr in die Tiefe und in die Breite zu gehen, womit sich weit mehr Details in den Zeichnungen finden, als das normalerweise der Fall ist.

Für die Zeichner war dies ein Herzensprojekt, denn traditionell werden sie nach den Einstellungen oder Szenen, an denen sie beteiligt waren, bezahlt. Bei Akira brauchten sie aufgrund des Detailreichtums aber länger als bei anderen Projekten. Dennoch: Die besten Animationskünstler(öffnet im neuen Fenster) Japans wollten an diesem Projekt mitwirken.

Akira wurde zum Riesenhit

Der Film wurde 1988 fertiggestellt und am 16. Juli in Japan uraufgeführt. Dort entwickelte er sich zum Hit und spielte 750 Millionen Yen ein. Weniger, als das Budget war, aber ein immenser Erfolg, der nicht unbeachtet blieb, und dafür sorgte, dass der Film weltweit lizenziert wurde und sein Publikum fand. Er entwickelte sich zu dem, was man gemeinhin einen Kultfilm nennt – nur dass der inflationär benutzte Begriff hier wirklich stimmt.

Dabei waren einige Leute der Meinung, der Film würde außerhalb Japans nicht funktionieren. Sogar namhafte Leute. George Lucas und Steven Spielberg meinten damals, der Film wäre in den USA nicht vermarktbar. Ein Interessent fand sich dennoch – und das nicht nur in den USA, sondern überall.

In Deutschland debütierte Akira am 9. Mai 1991. Nach der Kinoauswertung gab es ihn auch auf Heimkinomedien – und im Lauf der Jahre wurde eine zweite Synchronisation angefertigt, was nicht gar so ungewöhnlich ist. Bei Ghost in the Shell war es auch so.

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Akira traf einen Nerv. Sicher, die Geschichte mutet verwirrend an, aber man kann sich des Reizes dieses Films kaum entziehen. Die Wucht der Bilder ist immens.

Der Film machte ein weltweites Publikum auf den japanischen Zeichentrickfilm aufmerksam, aber wer nach ähnlichen Filmen suchte, blieb erstmal erfolglos. Praktisch nichts kam Akira nahe, erst ein gutes halbes Jahrzehnt später kam mit Ghost in the Shell ein weiterer Sci-Fi-Cyberpunk-Klassiker.

Das Vermächtnis

Schon in den 90er Jahren wollte Sony einen Realfilm aus dem Manga machen, aber ein kalkuliertes Budget von 300 Millionen US-Dollar schreckte zu sehr ab. Über die Jahre gab es immer wieder Versuche einer US-Filmversion der Geschichte. Zuletzt tüftelte Taika Waititi(öffnet im neuen Fenster) über Jahre daran – aber ob er wirklich kommt?

Zudem wurde schon im letzten Jahrzehnt eine Serie angekündigt, die Katsuhiro Otomo selbst entwickelt. Der Clou: Sie soll dem Manga gerecht werden und die immens lange Geschichte(öffnet im neuen Fenster) adäquat umsetzen. Aber auch hier hat sich schon lange nichts mehr getan.

Der Originalfilm ist dafür ein zeitlos schöner und wichtiger Klassiker, der wie nur wenige andere die Science-Fiction geprägt und Künstler inspiriert hat. 35 Jahre später ist er noch immer ein Meilenstein des Genres.


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