Eine technische Revolution

Da das Budget so immens hoch war, schlossen sich der Manga-Verleger Kodansha, der Vertrieb Toho, das Anime-Studio TMS und weitere Firmen zusammen und gründeten das Akira Committee, mit dem der Film produziert wurde.

Otomo hatte freie Hand. Das war seine Bedingung, um der Verfilmung überhaupt zuzustimmen. Er war nicht nur Autor der Vorlage, sondern auch Co-Autor des Drehbuchs, gestaltete die Storyboards und war der Regisseur des Films.

In Japan wurden Anime traditionell günstiger umgesetzt. Oft griff man auf eine limitierte Animation zurück, bei der nur Teile eines Frames neu gezeichnet wurden oder man einzelne Frames einsparte.

Angesichts des hohen Budgets konnte Otomo aber in die Vollen gehen. Hier wurden erstmals in der Geschichte der japanischen Animation die Dialoge aufgenommen, bevor man mit der Entwicklung der Zeichnungen begann. Erste computergenerierte Bilder wurden eingesetzt und die Frame-Rate war so hoch, dass der Film absolut flüssig lief. Selbst die Filme von Studio Ghibli arbeiteten damals mit semi-limitierter Charakter-Animation, weswegen ihre Filme weniger rund laufen.

Akira besteht aus 160.000 Frames. Das sind zwei- bis dreimal mehr, als bei japanischen Animes dieser Laufzeit üblich waren. Dazu kam, dass man 327 Farben nutzte – ein weiterer Rekord. 50 davon wurden für den Film kreiert. Der Grund: Der Film spielt über große Teile nachts – ein Setting, das man beim Zeichentrick gerne vermeidet, weil es größere Farbanforderungen mit sich bringt. Insgesamt arbeiteten 70 Leute praktisch rund um die Uhr an dem Film.

Der Film wurde direkt in der Aspect Ratio von 1,85:1 animiert. Normalerweise werden die Zeichnungen für 1,37:1 angefertigt und oben und unten die Maskierung angebracht, um ein Widescreen-Bild zu erhalten. Das wiederum erlaubte es den Zeichnern, mehr in die Tiefe und in die Breite zu gehen, womit sich weit mehr Details in den Zeichnungen finden, als das normalerweise der Fall ist.

Für die Zeichner war dies ein Herzensprojekt, denn traditionell werden sie nach den Einstellungen oder Szenen, an denen sie beteiligt waren, bezahlt. Bei Akira brauchten sie aufgrund des Detailreichtums aber länger als bei anderen Projekten. Dennoch: Die besten Animationskünstler Japans wollten an diesem Projekt mitwirken.

Akira wurde zum Riesenhit

Der Film wurde 1988 fertiggestellt und am 16. Juli in Japan uraufgeführt. Dort entwickelte er sich zum Hit und spielte 750 Millionen Yen ein. Weniger, als das Budget war, aber ein immenser Erfolg, der nicht unbeachtet blieb, und dafür sorgte, dass der Film weltweit lizenziert wurde und sein Publikum fand. Er entwickelte sich zu dem, was man gemeinhin einen Kultfilm nennt – nur dass der inflationär benutzte Begriff hier wirklich stimmt.

Dabei waren einige Leute der Meinung, der Film würde außerhalb Japans nicht funktionieren. Sogar namhafte Leute. George Lucas und Steven Spielberg meinten damals, der Film wäre in den USA nicht vermarktbar. Ein Interessent fand sich dennoch – und das nicht nur in den USA, sondern überall.

In Deutschland debütierte Akira am 9. Mai 1991. Nach der Kinoauswertung gab es ihn auch auf Heimkinomedien – und im Lauf der Jahre wurde eine zweite Synchronisation angefertigt, was nicht gar so ungewöhnlich ist. Bei Ghost in the Shell war es auch so.

Akira traf einen Nerv. Sicher, die Geschichte mutet verwirrend an, aber man kann sich des Reizes dieses Films kaum entziehen. Die Wucht der Bilder ist immens.

Der Film machte ein weltweites Publikum auf den japanischen Zeichentrickfilm aufmerksam, aber wer nach ähnlichen Filmen suchte, blieb erstmal erfolglos. Praktisch nichts kam Akira nahe, erst ein gutes halbes Jahrzehnt später kam mit Ghost in the Shell ein weiterer Sci-Fi-Cyberpunk-Klassiker.

Das Vermächtnis

Schon in den 90er Jahren wollte Sony einen Realfilm aus dem Manga machen, aber ein kalkuliertes Budget von 300 Millionen US-Dollar schreckte zu sehr ab. Über die Jahre gab es immer wieder Versuche einer US-Filmversion der Geschichte. Zuletzt tüftelte Taika Waititi über Jahre daran – aber ob er wirklich kommt?

Zudem wurde schon im letzten Jahrzehnt eine Serie angekündigt, die Katsuhiro Otomo selbst entwickelt. Der Clou: Sie soll dem Manga gerecht werden und die immens lange Geschichte adäquat umsetzen. Aber auch hier hat sich schon lange nichts mehr getan.

Der Originalfilm ist dafür ein zeitlos schöner und wichtiger Klassiker, der wie nur wenige andere die Science-Fiction geprägt und Künstler inspiriert hat. 35 Jahre später ist er noch immer ein Meilenstein des Genres.

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 Akira wird 35: Der größte Sci-Fi-Anime-Film aller Zeiten
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ovbspawn 28. Jul 2023

Die Anime von Mappa (z.B. Vinland Saga) sind eigentlich auch alle technisch gut. Okay die...

ovbspawn 28. Jul 2023

Ich hatte damals (tm) einen HDD-Recorder und hab mir vor allem Texhnolyze aufgenommen...

ovbspawn 28. Jul 2023

Wenn du Naruto (die Filler sollte man allerdings springen) mit aufzählst, fehlen...

BlindSeer 25. Jul 2023

Ja, beides Anime. IIRC auch beides "Filme" also keine Serien. Die Frage ist wie alt die...



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