Akademy: Digitale Assistenten laufen auch mit freier Software

Digitale Assistenten finden sich mittlerweile auf Rechnern, Smartphones und Lautsprechern. Die Systeme dafür stammen bisher fast ausschließlich von Amazon, Apple, Google oder Microsoft und sind vor allem proprietär. Vor allem deshalb sind solche Helfer in üblichen Linux-Distributionen und Desktopumgebungen bisher kaum vorhanden. Hoffnung bringt das Projekt Mycroft AI, das einen digitalen Assistenten als Open Source erstellt und vom Entwickler Aditya Mehra als sogenanntes Plasmoid in den KDE Plasma Desktop integriert(öffnet im neuen Fenster) , was dieser auf der diesjährigen KDE Akademy vorstellt(öffnet im neuen Fenster) .
Mehra arbeitet bereits seit rund eineinhalb Jahren an dieser Desktop-Integration(öffnet im neuen Fenster) , die nun weit fortgeschritten ist. So liefert das System mittlerweile etwa die besonders von Smartphones bekannten sogenannten Dashcards, die aktuelle Nachrichten und weitere Informationseinheiten wie das aktuelle Wetter anzeigen. Darüber hinaus gibt es einen sogenannten Wizard für Essen, der ein Suchen nach Rezepten ermöglicht oder eine Anzeige von Bars oder Restaurants in der Nähe.
Zugriff auf Mycroft erhalten Nutzer über das Plasmoid sowie üblicherweise per Sprachsteuerung. Das Projekt für den Plasma-Desktop unterstützt etwa die Funktion Conversation Flow, mit der eine Art intuitiver Dialog mit dem Mycroft-System geführt werden kann. Statt mit gesprochener Sprache können Nutzer auch per Tastatur mit Mycroft interagieren, die Plasma-Integration bietet dazu eine bessere Autovervollständigung.
Außerdem zu der Integration hinzugekommen ist die Möglichkeit, Dateien zu suchen und zu öffnen, Texte zu diktieren, die Plasma-Aktivitäten oder KDE Connect zu steuern. Von den kommenden Fähigkeiten von Mycroft selbst sollte künftig auch die Integration in Plasma profitieren. Noch ist das System allerdings nur auf Englisch verfügbar. Die Entwickler wollen ihr System aber in mehrere Sprachen übersetzen.
Freier Reiseplaner
Deutlich kleiner als Mycroft, als freie Alternative für ein digitales Assistenzsystem dennoch hilfreich, ist die Unterstützung von Reiseinformationen in KMail sowie weiteren Anwendungen(öffnet im neuen Fenster) , woran Entwickler Volker Krause arbeitet. Auch dabei ist das Ziel, einen Dienst vergleichbar mit denen von Apple, Google oder Trip It zu bieten, jedoch auf Grundlage freier Software.
In der aktuellen Version 18.04 der KDE-PIM-Suite, wovon KMail ein Teil ist, ist es bereits möglich, Reisedaten aus einer E-Mail heraus in den Kalender zu importieren. Angereichert werden diese persönlichen Daten aus der E-Mail künftig mit statischen Daten wie Orten der Reise anhand von IATA-Flughafencodes. Langfristig wäre auch die Verwendung von Echtzeitdaten hilfreich, das KDE-Projekt ist aber mit dem Problem konfrontiert, dass diese oft nur über proprietäre APIs bereitstehen.
Zusätzlich zum Kalender-Import kommen mit Version 18.08 der PIM-Suite zwei weitere Neuerung von Krauses Reiseplaner hinzu. Dazu gehören eine Bibliothek zum Lesen und Auswerten von Tickets im Format für das Apple Wallet sowie der Reiseplan selbst. Dieser zeigt anstehende Reisen, Tickets oder Boardkarten, möglicherweise weitere Informationen wie das aktuelle Wetter am Ziel oder Erinnerungen etwa an die im Zielland verwendeten Steckdosentypen.



