Akademy 2014: KDE und die Qt-Community entdecken Android

Inzwischen laufen die meisten Smartphones mit Android, in der Open-Source-Community ist es das mit Abstand dominierende System in diesem Geräte-Bereich. Angesichts von mehreren Hundert Millionen Nutzern könnten die Qt- und KDE-Hacker viel mehr Menschen erreichen. Doch noch sind sie zögerlich in ihrem Verhältnis zu dem mobilen Betriebssystem, wie einige Vorträge des KDE-Jahrestreffens Akademy in Brno zeigen. Statt auf Android zu setzen, lösen sie zunächst eigene Probleme.
So erreicht Àlex Fiestas mit der Vorstellung von KDE Connect(öffnet im neuen Fenster) sogar ein wenig Begeisterung bei den Anwesenden, was vor allem an der haptischen Präsentation liegen mag. Die als Projekt des Google Summer of Code 2013 gestartete Software verbindet die KDE-Oberfläche mit einem Android-Gerät, so dass bei Anrufen etwa Filme pausiert werden oder die Benachrichtigungen von Android auf dem Desktop erscheinen.
Das Telefon lässt sich damit außerdem als Touchpad-Emulator für den Rechner verwenden, erlaubt den einfachen Austausch von Dateien und teilt sich auch die Zwischenablage etwa für kurze Texte wie URLs. Doch die Zielgruppe dieser Anwendung ist stark begrenzt, die Android-App nutzt nativen Java-Code und macht somit keinen Gebrauch von dem Android-Port für Qt.
Wenige Qt-Apps für Android
Dank der Anstrengungen von Digia sowie KDAB lasse sich Qt für Android mittlerweile sehr gut benutzen, berichtet Kai Uwe Broulik. Viele Apps werden damit wohl aber noch nicht umgesetzt - das lässt sich allerdings kaum objektiv schätzen, da viele Qt-Kunden wie im Desktop- oder Embedded-Bereich eher über dessen Einsatz schweigen. Der Entwickler Broulik arbeitet für die Stuttgarter Webagentur von Affenfels(öffnet im neuen Fenster) und hat die App der Zeitschrift Auto Motor und Sport mit Qt geschrieben.
Eines der Probleme, auf die Broulik dabei gestoßen ist, betrifft die Größe einer Anwendung. Denn wenn die Qt-Bibliotheken mit der App gemeinsam veröffentlicht werden, kann diese schnell zu groß werden. Zwar können die Qt-Bibliotheken mit dem Dienst Ministro außerhalb der App verwaltet werden, was den Zugriff mehrerer Anwendungen erlaubt. Doch nicht für jede App ist dieser Dienst geeignet, insbesondere nicht für jedes kommerzielle Produkt.
Trotzdem verbessere sich der Qt-Port sehr schnell, betont Broulik. Mit Qt 5.4(öffnet im neuen Fenster) etwa werde ein natives Android-Look-and-Feel für QtQuick- und QML-Anwendungen nutzbar sein. Bisher galt das nur für QWidget-Anwendungen. Die KDE-Community selbst setzt diese vielen Möglichkeiten bisher aber kaum ein. Das solle sich aber ändern, meinen einige der KDE-Hacker.
KDE-Software auf Android
Das gilt allen voran für Aleix Pol, der die vergleichsweise kleine Anwendung Kalgebra auf Android(öffnet im neuen Fenster) portiert hat. Dazu arbeitete Pol vor allem an dem Tool CMake, das nun einigermaßen zuverlässig auch unter Android funktioniert. Darüber hinaus vermutet Pol, dass die KDE Frameworks 5 größtenteils auf Android benutzbar sein sollten, alle getestet habe er aber nicht.
Kalgebra soll vor allem als Beispiel und Anregung für andere Community-Mitglieder gelten, Portierungen auf Android zu versuchen. Denn so kann die Community viel mehr Leute erreichen, " ohne deren Festplatten formatieren zu müssen ". Damit spielt Pol auf eine typische Linux-Installation an. Die KDE-Software lasse sich über Android schlicht viel leichter vertreiben.
Freiheit der Nutzer ist wichtig
Außerdem überschneide sich die Nutzerbasis von Linux und Android sehr stark und Android sei immerhin zu großen Teilen ein Open-Source-Projekt. Das vereinfache es auch, KDE-Anwendungen auf Geräte zu bringen, die nicht dem klassischen Desktop-Formfaktor entsprächen. Zuvor müssten aber noch einige philosophische Fragen geklärt werden, ob beispielsweise freie KDE-Software über den proprietären Play-Store vertrieben werden sollte.
Die Freiheit der Nutzer müssten die KDE-Hacker beim Portieren auf Android immer mit bedenken, meint Pol. So arbeite er bereits mit den Entwicklern des freien Appstores F-Droid(öffnet im neuen Fenster) zusammen. Aber darüber hinaus müssten technische Probleme gelöst werden, so zum Beispiel die Möglichkeit, die portierte Anwendung über ein Continuous-Integration-System zu testen.
Ob sich wegen der großen und vor allem starken Konkurrenz der App-Anbieter unter Android die Anstrengungen überhaupt lohnen, ist eine weitere offene Frage. Doch zumindest Pol zeigt sich überzeugt davon, dass Android-Portierungen von KDE-Software oder gar Neuentwicklungen gut für die Nutzer seien.



