Airbus A320: In Flugzeugen wird der Platz selbst für kleine Laptops knapp
In modernen oder modernisierten Mittelstreckenflugzeugen wird es immer enger. Bei dichter Bestuhlung lassen sich etwa in einem A320 durchaus 180 Fluggäste unterbringen. Das ist nah an dem sieben Meter längeren A321, der ohne Umbau Platz für etwa 190 Fluggäste hat. Normal waren im A320 einmal zwischen 160 und 170 Plätze. Die zusätzlichen Plätze werden ermöglicht, indem der Abstand zwischen den Reihen minimiert wird. Auch das Design der Sitze wird angepasst. Als Resultat hat der Passagier mittlerweile mitunter schon Probleme beim Aufklappen eines kompakten 12-Zoll-Notebooks, eine der kleinsten Notebook-Klassen mit vollwertiger Tastatur. Der Nutzer muss ohnehin darauf achten, dass der vor einem positionierte Passagier nicht mit hoher Geschwindigkeit seine Rücklehne nach hinten stellt. Der dafür notwendige Sicherheitsabstand existiert nicht mehr. Ein Displaybruch könnte die Folge sein. Allerdings sind sich Notebookbesitzer der Gefahr in der Regel bewusst, so dass wir Schäden dieser Art noch nicht gesehen haben.
Aufgefallen ist uns das bisher bei der Lufthansa, Swiss und British Airways, die ihre Maschinen auf einen Sitzabstand zum vorderen Fluggast von 30, 31 beziehungsweise 30 Zoll umgebaut haben. Die in der Luftfahrt üblicherweise angegeben Zollwerte entsprechen rund 76 und 79 Zentimetern. Wir haben die Anzahl der Sitzplätze zwar nicht gezählt, doch in Flügen der genannten Fluggesellschaften können wir bestätigen, dass das Platzniveau teilweise dem entspricht, was Low Cost Carrier für wenige Euros verkaufen.
Seatguru zeigt Sitzkonfigurationen
Erfahrungen mit anderen Fluggesellschaften oder der B737 fehlen uns in Europa diesbezüglich. Laut Seatguru bietet Air France aber noch etwas mehr Platz zum vorderen Fluggast (Inlands-A320, 32 Zoll Abstand)(öffnet im neuen Fenster) und British Airways sowie Lufthansa sind auf dem Platzniveau von Ryanair (B737, 30 Zoll Abstand)(öffnet im neuen Fenster) . Swiss liegt mit 31 Zoll im Mittelfeld. Air Berlin und Easyjet schaffen einen Abstand von nur 29 Zoll. Die US-Fluggesellschaft Spirit Airlines schafft sogar 28 Zoll und verkauft die Sitze als 'Deluxe Leather Seat'(öffnet im neuen Fenster) . Die Abstände von 71 bis 81 Zentimetern (28 bis 32 Zoll) sind allerdings nur ein Hinweis auf den tatsächlichen Platz. Das Design der Sitze ist maßgeblich verantwortlich dafür, ob ein großer Passagier seine Beine unter den Vordersitz bekommt oder sich der Tisch bei einem Bauch noch herunterklappen lässt, was die Arbeitsfläche zusätzlich einschränkt.
Noch betrifft die Enge nicht alle A319-, A320- und A321-Mittelstreckenflugzeuge. Einige Flugzeuge sind noch nicht auf die enge Bestuhlung umgebaut worden, aber sie werden seltener. Bei neuen Flugzeugen ist das aber typisch. Es ist im Moment Glückssache, ob man regelrecht eingepfercht wird oder bequem sitzt. Auch andere Fluggesellschaften arbeiten an der Beschränkung des Platzes. Das soll die Kosten senken und ähnliche Preise ermöglichen wie bei Billigfliegern.
In der europäischen Luftfahrt gibt es keinen Qualitätswettbewerb
Wettbewerb bedeutet bei den Premium-Fluggesellschaften derzeit vor allem: Wer kann den Flieger noch voller packen? Funktionierender Konkurrenzdruck existiert praktisch nicht, da die Fluggesellschaften den Kunden kaum noch beachten, der nicht das Geld für die Business-Klasse hat. Das betrifft viele Maschinen der Familie A320 und ist manchmal sogar von außen zu erkennen. Ein A319 mit zwei Notausgangsfenstern über den Flügeln je Seite ist enger bestuhlt als die Variante mit einem Notausgangsfenster. Früher war das dem längeren A320 vorbehalten.
Das hat auch operativ Nachteile. Ein Swiss-Kapitän erklärte etwa zu einer leichten Verspätung, dass neben der Windsituation die ausgebuchte Maschine schuld an Verzögerungen sei, da sowohl der Einstieg als auch der Ausstieg länger dauert. Zudem sorgen die immer vielfältigeren Handgepäck-Tarife unserer Erfahrung nach dafür, dass die Passagiere mit großen Trolleys das Flugzeug besteigen. Dank enger Bestuhlung gibt es hier ohnehin weniger Platz und dies sorgt regelmäßig für weitere Verzögerungen.
Aus Flexibilitätsgründen muss teilweise auch die Business-Klasse enger werden
Bei der Business-Klasse sollte das eigentlich besser sein. Doch auch dort kann man Pech haben. Bei besonders eng bestuhlten Flugzeugen wird zwar weiter der Mittelplatz freigelassen, doch der Platz nach vorne und hinten ist mit der Economy gleichgesetzt, da somit auch die vorderen Plätze als Economy-Plätze beispielsweise auf Ferienstrecken verkauft werden können. British Airways hat in der Euro-Business-Klasse ( BA A321(öffnet im neuen Fenster) ) mit 30 Zoll weniger Platz als Swiss in der Economy mit 31 Zoll ( LX A321v2(öffnet im neuen Fenster) ). Das Sitzdesign von British Airways schützt zudem nicht vor den Knien eines hinteren größeren Fluggastes.
Eine Lösung gibt es in Europa dafür nicht. Wer unterwegs am Notebook arbeiten muss, hat in der Regel keine Auswahl und muss hoffen, dass der vordere Fluggast seinen Sitz nicht nach hinten verstellt. Zudem sollte das Gerät möglichst klein sein. Bilddiagonalen bis hin zu kompakten 13-Zoll-Designs erlauben ab und an noch einigermaßen komfortables Arbeiten.
In anderen Gebieten sieht das anders aus. Auf einigen Kontinenten wird noch eine echte Business-Klasse, sprich 2-2-Konfiguration, in einem A320 oder einer B737 auf Kurz- und Mittelstrecke verkauft. In Europa wird allenfalls auf Fifth-Freedom-Segmenten(öffnet im neuen Fenster) oder wenn ein Langstreckenflugzeug ausnahmsweise auf kürzeren Strecken im Einsatz ist, ein besserer Sitz verkauft. Dabei sind die Preise in Europa für Business-Sitze erstaunlich hoch. Die Strecke San Francisco – Los Angeles bekommt man dort etwa für um die 200 Euro (2. April 2017, United, First Class im Business-Sitz) pro Wegstrecke. Berlin – München (Lufthansa, Business in Economy-Sitz) kostet in etwa das Doppelte, beinhaltet allerdings die Nutzung einer Lounge. Mit Rückflug erhöhen sich die Preise auf 500 beziehungsweise 750 Euro.
Bei kürzeren Distanzen und wenn es nicht eilig sein muss, bietet sich immerhin der Zug als Alternative an. Dort hat der Nutzer selbst in der 2. Klasse erheblich mehr Platz als in der modernisierten Euro Business Class.
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