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AI21 Labs: Nvidia will nächstes israelisches KI-Start-up kaufen

Nvidia verhandelt die Übernahme von AI21 Labs aus Tel Aviv. Der Deal könnte bis zu 3 Milliarden US-Dollar kosten und dient der Personalbeschaffung.
/ Andreas Donath
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Nvidia will in Israel investieren. (Bild: Justin Sullivan/Getty Images)
Nvidia will in Israel investieren. Bild: Justin Sullivan/Getty Images

Nvidia steht kurz vor der Übernahme des israelischen KI-Start-ups AI21 Labs(öffnet im neuen Fenster) . Nach Informationen aus Branchenkreisen befinden sich die Verhandlungen in der Endphase. Der Kaufpreis soll zwischen 2 und 3 Milliarden US-Dollar liegen – deutlich über der letzten bekannten Bewertung von 1,4 Milliarden US-Dollar aus dem Jahr 2023, wie Ctech berichtet.(öffnet im neuen Fenster)

AI21 Labs sammelte Anfang des Jahres 300 Millionen US-Dollar ein, unter anderem von Nvidia und Google. Das Unternehmen bestätigte die Finanzierungsrunde damals nicht öffentlich. Beobachter vermuteten, dass die Bewertung gegenüber dem Vorjahr stagnierte.

Das Start-up aus Tel Aviv stand bereits länger im Fokus einer Übernahme. Auch Google zeigte Interesse. In den vergangenen Wochen sollen die Gespräche mit Nvidia dann auf höchster Führungsebene intensiviert worden sein.

10 bis 15 Millionen US-Dollar pro Mitarbeiter

Der Hauptgrund für Nvidias Interesse sind die rund 200 Mitarbeiter von AI21 Labs, viele davon mit hohen Universitätsabschlüssen. Die Rechnung ist einfach: Pro Mitarbeiter würde Nvidia 10 bis 15 Millionen US-Dollar zahlen – ein klares Zeichen für den umkämpften Markt um KI-Spezialisten.

Branchenkenner sprechen von einem klassischen Acqui-Hire – einer Übernahme, bei der es primär um Personal geht, nicht um Technologie oder geistiges Eigentum. Für Nvidia wäre es die vierte größere Übernahme in Israel und die zweitgrößte nach dem Kauf von Mellanox für 7 Milliarden US-Dollar. 2023 erwarb der Konzern bereits Deci und Run:ai für zusammen 1 Milliarde US-Dollar.

AI21 Labs wurde 2017 von Professor Amnon Shashua, Professor Yoav Shoham und Ori Goshen gegründet. Shoham, KI-Forscher an der Stanford University, und Goshen fungieren als Co-CEOs, Shashua ist Chairman. Das Ziel: Israel als Vorreiter in der KI-Entwicklung positionieren – und das schon Jahre, bevor der generative KI-Boom 2022 einsetzte.

Strategiewechsel vom Endkunden zum Unternehmensgeschäft

In den vergangenen zwei Jahren hat AI21 seine Strategie angepasst. Im April stellte das Unternehmen die Entwicklung von Wordtune ein, einem Schreibassistenten für Endkunden. Heute konzentriert sich das Start-up auf Sprachmodelle für Unternehmen, die in Bereichen eingesetzt werden, in denen Fehler nicht toleriert werden können.

Das Hauptprodukt für Firmenkunden, Maestro(öffnet im neuen Fenster) , soll die Genauigkeit von Sprachmodellen um bis zu 50 Prozent verbessern. Zudem hat AI21 ein Reasoning-Modell entwickelt, das schneller und effizienter arbeiten und weniger Speicher benötigen soll als konkurrierende Systeme. Der Jahresumsatz wird auf rund 50 Millionen US-Dollar geschätzt.

Nvidias Interesse an einem Ausbau in Israel kommt nicht von ungefähr. Der Wettbewerb im KI-Chip-Markt verschärft sich. Googles TPU-Prozessoren werden zunehmend als Alternative zu Nvidias GPUs für KI-Anwendungen positioniert. Kürzlich wurde bekannt, dass Nvidia den Gründer und das Team des Chip-Start-ups Groq für 20 Milliarden US-Dollar übernommen haben soll. Offiziell nennen es beide Unternehmen eine nicht exklusive Lizenzvereinbarung.

Bei rund 60 Milliarden US-Dollar Barreserven wäre eine AI21-Übernahme für Nvidia eine vergleichsweise kleine Transaktion. CEO Jensen Huang baut die Präsenz in Israel massiv aus. Kürzlich kündigte er einen Campus in Kiryat Tivon an, der bis 2031 bis zu 10.000 Mitarbeiter aufnehmen soll.

Nvidia beschäftigt derzeit etwa 5.000 Menschen in Israel.


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