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Agrifotovoltaik: Landwirte werden nebenbei zu Kraftwerksbetreibern

Äcker können zusätzlich zur Stromerzeugung genutzt werden. Neun Prozent des Bedarfs ließen sich so durch Solarenergie decken.
/ Wolfgang Kempkens
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Agrifotovoltaik-Versuchsanlage (Bild: Universität Hohenheim/Arndt Feuerbacher)
Agrifotovoltaik-Versuchsanlage Bild: Universität Hohenheim/Arndt Feuerbacher

Landwirte in Deutschland könnten einen großen Beitrag zur Sicherheit der Stromversorgung leisten. Das ergab eine Untersuchung von Forschern der Universität Hohenheim(öffnet im neuen Fenster) in Stuttgart und des Thünen-Instituts in Braunschweig.

Das Stichwort lautet Agrifotovoltaik (auch als Agrophotovoltaik bekannt). Bei diesem Verfahren werden landwirtschaftliche Produktion und von Obst und Gemüse mit der Erzeugung von Solarstrom kombiniert.

Zwar fallen die Ernten ein wenig niedriger aus als bei 100-prozentiger landwirtschaftlicher Nutzung und der Stromertrag ist ebenfalls geringer. Doch insgesamt kann die wirtschaftliche Bilanz positiv sein, ganz abgesehen vom volkswirtschaftlichen Nutzen.

Mehr als der Beitrag der Kernenergie

Wenn zehn Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe ein Prozent der Ackerfläche, das sind 80.000 Hektar, agrifotovoltaisch nutzen würden, könnten sie der Studie zufolge neun Prozent des Strombedarfs in Deutschland decken. Das ist deutlich mehr als der derzeitige Beitrag der Kernenergie, der bei gut sechs Prozent liegt.

Bei der Agrifotovoltaik werden Solarmodule meist auf hohe Stelzen gestellt, die so positioniert sind, dass landwirtschaftliche Maschinen weiterhin eingesetzt werden können. So wird die Stromproduktion auf einem Teil der Betriebsflächen zu einer Zusatzeinnahme für Agrarbetriebe.

Doch der grüne Strom vom Acker hat seinen Preis: Damit sich die Anlagen rentieren, müsste er mit 8,3 Cent pro Kilowattstunde vergütet werden. Denn die Fotovoltaikanlagen würden wegen der aufwendigeren Installation auf die Gesamtfläche gerechnet 1,2 Milliarden Euro mehr kosten als auf 100-prozentig fotovoltaisch genutzten Flächen.

Andererseits: "Würden anstatt der Agrifotovoltaik die üblichen Freiflächenanlagen gebaut, würde man der landwirtschaftlichen Produktion schätzungsweise 65.000 Hektar Ackerland entziehen, um dieselbe Menge an Strom zu produzieren", sagte Alexander Gocht vom Thünen-Institut.

Der Ernteertrag kann sogar steigen

Die über der Anbaufläche installierten Solarpaneele verringern auch die für die Pflanzen verfügbare Sonneneinstrahlung, was je nach angebauter Kultur unterschiedliche Folgen haben kann. "Ergebnisse von Agrifotovoltaik-Forschungsanlagen zeigen, dass die teil- und zeitweise Beschattung bei manchen Pflanzen in trockenen Jahren mit extremer Hitze sogar zu einer höheren Ertragsstabilität führen kann", meint der Hohenheimer Wissenschaftler Tristan Herrmann.

Zudem können die Solarpaneele so gestaltet werden, dass darunter wachsende Bäume vor Hagel geschützt sind. In Obstplantagen müssen dazu eigens Dächer angelegt werden, denn Obst mit Flecken lässt sich nur schlecht verkaufen


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