Über Bug-Monster und Schummeln beim Scrum-Poker

6. Neue Bugs müssen warten

Eine weitere komplizierte Eigenschaft von Scrum ist, dass Bugs erst nach dem Sprint in den Fokus rücken und daher als neue Arbeit für den darauffolgenden Sprint gezählt werden. Das führt dazu, dass Entwickler fehlerhaften Code veröffentlichen, da diese neue Arbeit nicht in den aktuellen Sprint aufgenommen werden kann.

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Im Sprint-Report des abgeschlossenen Sprints steht ja nichts von den Fehlern, die durch das Deployen des Codes entstanden sind. "Story ist done. Gut gemacht." Die Fehler fallen erst später auf und nicht in der aktuellen Entwicklungsperiode.

So wird die Zahl der Fehler immer größer und unübersichtlicher. Man erschafft sich ein Bug-Monster oder muss, wie ich das schon oft erlebt habe, einen reinen Bugfix-Sprint einschieben, der keine Neuentwicklung bedeutet, sondern eher ein Aufräumen ist. Das widerspricht Scrum und führt natürlich zur Abneigung gegen diese Methode.

Mein Vorschlag ist daher in Projekten gerne, dass Bugs nach einem aktiven Sprint behoben werden, ohne dass ein neuer Sprint gestartet wird. Erst nach einer Phase der Fehlerbehebung wird ein neuer Sprint begonnen.

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Das führt beim Management allerdings oft zu dem Gefühl, dass die Arbeit unnötig verzögert wird. Dabei ist Bugfixing Teil jeder Entwicklung heutzutage und sollte entsprechend gewürdigt werden. Keine Entwicklung kommt ohne Bugs aus. Das zu glauben ist eine Selbsttäuschung, die in Softwareprojekten meiner Meinung nach nichts zu suchen hat. Software-Projekte ohne Bugs sind schlichtweg nicht möglich.

7. Strikt den Ritualen folgen

Oftmals höre ich als Scrum Master in Projekten auch die Kritik, dass viele Rituale viel zu statisch abliefen: alle zwei Wochen eine Retrospektive, immer wieder die gleichen Themen, beim Scrum-Poker wähle eh jeder immer nur seine Lieblingszahl aus der Fibonacci-Reihe, statt wirklich zu schätzen.

Denn um in einem Scrum-Poker die Komplexität einer Aufgabe zu schätzen und mit den Teammitgliedern in eine qualitative Diskussion darüber zu gehen, kostet Zeit - und davon gibt es in Projekten einfach viel zu wenig.

Und dann ist da noch das Daily, das, wie in Punkt 1 erwähnt, eher ein Reporting als ein hilfreicher Start in den Tag ist. In der Tat erlebe ich es oft, dass einige der Scrum-Rituale zu strikt gehandhabt werden.

Wie Agilität gelingt: Ein agiles Mindset entwickeln - typische Hürden meistern (Dein Business)

Agile Hardliner argumentieren mit dem Scrum-Guide und seiner stets aktualisierten Fassung und damit, wie welche Rituale genau abgehalten werden sollten. Meine Meinung ist, dass es nicht "die Agilität" gibt, sondern Scrum Master vor allem ein eigenes, individuelles Framework schaffen müssen, das auf das Team, das Unternehmen und die Umgebung passt.

Der Werkzeugkoffer ist groß, die Möglichkeiten sind vielfältig. Die sogenannten Regeln müssen nicht immer strikt befolgt werden, sondern können individuell angepasst und ausgelegt werden. Solange sich ein Team eigene Spielregeln gibt, ein gemeinsames Verständnis vorhanden ist und auch die internen Teamprozesse kontinuierlich verbessert werden, muss man sich nicht strikt an den Scrum-Guide halten, wenn es um agile Rituale geht.

8. Falsch ausgefüllte Scrum-Master-Rolle

Ich erlebe es aktuell immer wieder, dass in vielen Daily-Scrum-Standups oder Retrospektiven Manager anwesend sind und das Team kritisch hinterfragen. Manchmal sind sie einfach nur dabei, um auf dem Laufenden zu sein und ihre Reports zu schreiben. Jedoch haben Entwickler selbst dann oft das Gefühl, erklären zu müssen, warum sie für Tickets länger brauchen.

Die Erklärungen eines Entwicklers für einen Manager sind andere, als wenn sie das mit Kollegen besprechen. Sie können unter Kollegen viel fachlicher und freier sprechen, als wenn die Probleme in der Entwicklung einem Manager erklärt werden. Umso wichtiger ist heutzutage die Rolle des Scrum Masters, denn er moderiert nicht nur einfach Meetings, Dailys und Retrospektiven. Er sorgt auch dafür, dass bestimmte Personen den Teamfluss nicht stören, dass offen und transparent gesprochen werden kann und dass Manager nicht zu sehr in die Teamchemie eingreifen.

Kritische Fragen sind erlaubt, jedoch muss man aufpassen, dass es nicht um Rechtfertigung oder Bloßstellung geht, sondern um einen informativen Austausch.

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Lachser 02. Mai 2022 / Themenstart

Der Punkt ist halt dass die Story Points keine Schätzung in Tagen ist, sondern ein...

Lachser 02. Mai 2022 / Themenstart

Jup sehe ich auch so. 4 Entwickler sollen am selben UI rumwerkeln? Da ist man ja mehr...

Dakkaron 29. Apr 2022 / Themenstart

Da hast du leider recht... Scrum verursacht meist mehr Probleme als es löst...

JE 27. Apr 2022 / Themenstart

Ja, Rollenwechsel sind schwierig (bzw. unmöglich, wenn nicht mal gesehen wird, daß man...

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