Über den Druck des Fertigwerdens und die Rolle des Teams

2. Hauptsache "done"

Ich bin kein Entwickler. In der Arbeit mit Entwicklern erlebe ich jedoch eines immer wieder: Viele von ihnen machen qualitative Abstriche, um etwas fertigzustellen, das im aktuellen Sprint fertig werden soll. Das geht meist auf Kosten der Qualität der Arbeit.

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Es ist ähnlich wie beim Schreiben eines Textes. Schnell zusammengeklopfte E-Mails oder Texte werden selten gehaltvoll. Es ist besser, sich etwas Zeit zu lassen, eine Idee reifen zu lassen, nochmal nachzudenken und dann das Werk zu finalisieren.

Nur schnell fertig zu werden ist übrigens auch ganz und gar nicht die Idee des agilen Arbeitens. Trotzdem kommt es dazu, dass eine lausige Implementierung, die gerade mal die Qualitätssicherung besteht, und eine gut getestete und mit einer soliden Architektur versehene Implementierung durch falsch verstandene Scrum-Prozesse plötzlich als gleichwertig gelten.

Das ist natürlich grundlegend falsch. Trotzdem möchte sich niemand die Blöße geben zu sagen, dass etwas nicht fertig geworden ist. Das wird fälschlicherweise mit Scheitern gleichgesetzt. Ein Scheitern, für das man sich nicht selten rechtfertigen muss.

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Hier muss in der Kultur von Teams verankert werden, dass an erster Stelle die Qualität und erst an zweiter Stelle die Fertigstellung steht.

3. Produktive Einzelpersonen, die nicht im Team arbeiten

Ich habe bei der Recherche zu diesem Thema viel in Foren und Threads gelesen und mich mit Entwicklerinnen und Entwicklern ausgetauscht. Ich habe oft gelesen und auch schon selbst erlebt, dass es entweder großartige Einzelpersonen oder großartige Teams gibt. Selten beides.

Das ist eine interessante Beobachtung und es könnte daran liegen, dass, wenn alle die Scrum-Methode streng befolgen würden, es zwar einige hocheffiziente Entwickler gäbe, aber kein Team. Ist wiederum alles nur darauf ausgerichtet, dass sich alle im Team gut miteinander verstehen, treten einzelne Mitglieder nur ungern aus der Masse hervor und besonders gute Entwickler gehen unter. Auch so funktioniert Scrum nicht.

Es muss also eine gute Mischung aus individueller Förderung und Teamgeist vorhanden sein. Scrum ist Teamarbeit, bei der es Einzelpersonen möglich gemacht wird, ihre Stärken voll einzubringen. Diese sind so individuell, dass zum Beispiel Performance-Standards schwer anzuwenden sind. Man kann Mitarbeiter nicht mehr gut miteinander vergleichen. Eine schwierige Situation zum Beispiel in Großkonzernen, wo gerne bestimmte Kennzahlen für die Performance genommen werden. Wer hat den meisten Output? Wer liefert immer pünktlich? Wer ist am lautesten in der Gruppe?

Wie Agilität gelingt: Ein agiles Mindset entwickeln - typische Hürden meistern (Dein Business)

Die Maßstäbe müssen geändert werden, damit die Teammitglieder nicht nur machen, was ihnen selbst nützt oder was sie selbst am liebsten tun. Es gibt mittlerweile so viele verschiedene Kodierungen, Entwicklersprachen und Möglichkeiten, technische Probleme zu lösen, dass jeder Entwickler seine eigene Methode wählen kann und somit kaum mehr eine richtige Zusammenarbeit möglich ist.

Ich finde es aber wichtig, in einem Team auch die Gemeinsamkeit zu fördern, mit denen man Probleme lösen kann. Zusammen an einem Problem zu arbeiten ist, wie ein Koop-Spiel zu spielen. Es macht doch viel mehr Spaß, den Gegner im Team zu besiegen als für sich alleine.

Kurz gesagt: Individuelle Stärken müssen in Scrum-Frameworks dadurch gefördert werden, dass die Kennzahlen für die Bewertung möglichst individuell sind. Der eine ist eben der Clean Coder und räumt perfekt den Code auf, ist dabei aber womöglich langsamer. Andere sind Output-Meister, schaffen viel Zeug weg, sind dabei jedoch eher unsauber. Die entscheidende Frage ist: Wer kann was und wie am besten? Das Management verlässt sich jedoch oft viel zu sehr auf den Glaubenssatz, dass agile Teams in Scrum sich schon irgendwie selbst managen.

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 Agiles Arbeiten: Gutes Scrum macht Entwickler nicht schlechtKlasse statt Masse und wenig Know-how bei Product Ownern 
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Lachser 02. Mai 2022 / Themenstart

Der Punkt ist halt dass die Story Points keine Schätzung in Tagen ist, sondern ein...

Lachser 02. Mai 2022 / Themenstart

Jup sehe ich auch so. 4 Entwickler sollen am selben UI rumwerkeln? Da ist man ja mehr...

Dakkaron 29. Apr 2022 / Themenstart

Da hast du leider recht... Scrum verursacht meist mehr Probleme als es löst...

JE 27. Apr 2022 / Themenstart

Ja, Rollenwechsel sind schwierig (bzw. unmöglich, wenn nicht mal gesehen wird, daß man...

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