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Agents of Mayhem im Test: Popcorn-Action mit Austauschhelden

Früher wollte die Actionserie Saints Row ein Konkurrent für Grand Theft Auto sein, jetzt wirkt der Ableger Agents of Mayhem stellenweise wie der kleine Einzelspieler-Bruder von Overwatch . Trotz Schwächen bietet das Programm gute Unterhaltung - und 15 (!) Schwierigkeitsstufen.
/ Peter Steinlechner
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Artwork von Agents of Mayhem (Bild: Deep Silver)
Artwork von Agents of Mayhem Bild: Deep Silver

Ein braver Hausarzt heißt nicht Doctor Babylon. Der Name lässt zumindest in Kinofilmen und Actionspielen auf den Job des Superschurken mit Welteroberungsplänen schließen. In Agents of Mayhem will der Doc das mithilfe von Dunkler-Materie-Bomben erreichen. Unsere Aufgabe ist klar: Wir sollen die Erde retten und dem Bösewicht das Handwerk legen. Das tun wir als Mitglied einer Geheimorganisation namens Mayhem (Multinational AgencY Hunting Evil Masterminds), während Babylon der Anführer der bösen Legion (League of Evil Gentlemen Intent on Obliterating Nations) ist.

Agents of Mayhem - Test
Agents of Mayhem - Test (02:03)

Wem das irgendwie bekannt vorkommt: Die beiden Vereine sind bereits aus der Actionserie Saints Row bekannt. Deren erster Teil erschien 2006 mit dem mehr oder weniger offen kommunizierten Anspruch, eine kleine Konkurrenz für Grand Theft Auto zu sein - so richtig geklappt hat das aber nicht. Das zuständige US-Entwicklerstudio Volition(öffnet im neuen Fenster) arbeitet inzwischen nicht mehr für den insolventen Publisher THQ, sondern ist Teil der deutschen Firma Deep Silver.

Ein paar Elemente aus GTA finden wir in Agents of Mayhem noch, wenn auch in sehr rudimentärer Form. So ist es möglich, die Autos von Passanten zu stehlen und damit über die Straßen der Spielestadt Seoul zu sausen. Richtig Freude macht das aber nicht, weil sich selbst ein Sportwagen so steif steuert wie ein Bügelbrett. Uns erinnert der Titel außerdem an einen anderen Blockbuster, nämlich an Overwatch.

Das liegt an der ähnlich knallbunten Grafik. Vor allem aber liegt es daran, dass wir in Agents of Mayhem jederzeit unseren gerade gesteuerten Helden gegen einen anderen austauschen können. Wenn wir in einem Gefecht bemerken, dass die meisten Feinde viel zu weit entfernt stehen für den Nahkämpfer Hardtack mit seiner Schrotflinte, können wir innerhalb einer halben Sekunde an exakt gleicher Position zur Inderin Rama mit ihrem Scharfschützenbogen wechseln.

Weil alle Helden neben ihrem Hauptangriff noch über diverse aufladbare Spezialfähigkeiten und Superattacken verfügen, ist die Auswahl unseres stets von hinten gezeigten alter Ego nicht ganz einfach. Wir müssen uns vor Missionsbeginn einen Dreiertrupp zusammenstellen, die meisten der zwölf Helden müssen wir allerdings durch das Absolvieren von Aufgaben erst freischalten. Im Einsatz wechseln wir einfach auf Knopfdruck zwischen den drei Charakteren.

Die jeweils inaktiven Agenten erholen sich und ihre Skills. Wenn einer der Agenten alle Lebenspunkte verloren hat, wird automatisch ein verbliebener Kollege aktiviert. Erst wenn alle drei Helden erledigt sind, müssen wir vom letzten Speicherpunkt aus neu starten. Unter anderem durch sammelbare Objekte lassen sich die "toten" Agenten im Inventar aber auch reaktiveren.

Verfügbarkeit und Fazit

Ähnlich wie in Overwatch gibt es zu jeder Figur eine Hintergrundgeschichte - auch die erinnern teils verblüffend an Overwatch. Die Vorstellungsvideos sind trotz sonst überwiegend humorigen Tonfalls nicht immer lustig: Die Inderin Rama etwa will ihren Landsleuten im Kampf gegen eine Seuche helfen, weshalb sie bei Mayhem angeheuert hat. Der überwiegende Teil der Story ist trotzdem schrill bis schräg - und leider eher wirr als nachvollziehbar erzählt, trotz spürbar liebevoll aufbereiteter Zwischensequenzen im Cartoonstil.

Agents of Mayhem - Trailer (Launch)
Agents of Mayhem - Trailer (Launch) (02:20)

Das stört durchaus, weil die meisten größeren Einsätze sich an der Haupthandlung entlanghangeln und so selten klar ist, was wir da aus welchen Gründen genau tun. Ein spielerisches Problem ist das aber nicht: Dank gut gemachter Schritt-für-Schritt-Hinweise und einem stets eingeblendeten "da müssen wir als nächstes hin" -Symbol ist das Absolvieren der Haupt- und Nebenmissionen kein Problem.

Die Aufträge bieten einige spannende Bosskämpfe und immer wieder hübsche Überraschungen, nach einiger Zeit fühlt sich vieles davon aber generisch an. Das gilt auch für die Feinde. Wir bekommen es mit schnellen Ninjas, Robotersoldaten und ähnlichen Infanteristen zu tun. In vielen Gefechten gibt es unbegrenzt Gegnernachschub, bis wir etwa das eigentliche Zielgebiet erreicht haben.

Die Schwierigkeit bestimmen wir vor jedem Einsatz neu. Dabei haben wir Auswahl unter sage und schreibe 15 Stufen! Je höher der ausgewählte Grad, desto mehr Erfahrungspunkte für die Talentbäume unserer Helden bekommen wir, und desto rascher erhalten wir Superwaffen und Extraausrüstung. Die Spieldauer dürfte allein für die Haupthandlung bei rund 20 Stunden liegen, dazu kommen aber noch richtig viele zusätzliche Jobs und sonstiger Kleinkram, den wir zum Teil in einem über Seoul schwebenden Hauptquartier erledigen.

Agents of Mayhem erscheint am 18. August 2017 für Windows-PC (rund 60 Euro) sowie für Playstation 4 und Xbox One (je rund 70 Euro). Einen Multiplayermodus gibt es nicht. Auch hierzulande kommt das Programm nur mit der englischen Sprachausgabe auf den Markt, dazu gibt es auf Wunsch deutsche Untertitel. Von der USK hat der Titel eine Altersfreigabe ab 16 Jahren erhalten.

Fazit

Agents of Mayhem ist keine Sekunde langweilig. Ständig gibt's neue Upgrades, Skins, Gadgets oder sonstige Extras. Jäger und Sammler können den ersten Haken machen - sie kommen auf ihre Kosten. Auch das System der durchwechselbaren Hauptfiguren ist gelungen, weil die teils witzigen Spezialfähigkeiten gut aufeinander abgestimmt wirken. Erstaunlicherweise sind uns die Charaktere trotz vieler Klischees sogar halbwegs ans Herz gewachsen. Fans von Overwatch können also ebenfalls ein Häkchen eintragen.

Die Liste mit Features und Vergleichen ließe sich noch fortsetzen. Allerdings ist längst nicht alles gelungen. So wird die anfangs vielversprechende Handlung rasch wirr. Auch die Stadt ist kaum mehr als Kulisse, jedenfalls kommt das virtuelle Seoul längst nicht so interessant rüber wie andere Open-World-Umgebungen. Die Grafik wirkt durchwachsen: einerseits bunt und effektvoll, anderseits detailarm und steril. Der Eye-Candy-Faktor erreicht neue Höhen, der Glaubwürdigkeitsfaktor verharrt im unteren Drittel.

Trotzdem: Agents of Mayhem ist unterhaltsam - wenn auch teils auf die billige Art. In den Feuergefechten ist ordentlich was los, der teils derbe Humor sorgt für Lacher und es gibt wirklich immer etwas zu tun. Wer locker-flockige Action für den Rest des Sommers sucht, wird mit diesem Popcorn-Shooter ganz gut bedient.


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